"Romeo und Julia auf dem Dorfe"


(Novelle,1856)

Die Handlung

Romeo und Julia auf dem Dorfe ist die Geschichte zweier junger Verliebter und ihres tragischen Schicksals. Sali und Vrenschen wachsen als glückliche Kinder wohlhabender Bauerfamilien auf, bis ihre Väter Manz und Marti in einen hasserfüllten Streit über ein Stück Land geraten, das eigentlich einem dritten Part gehört. Schon im Titel spiegelt sich ein tragisches Ende wider; der Streit hat schlimme Folgen, nicht nur für Sali und Vrenchen, sondern für die ganzen Familien der zwei verfeindeten Männer. Wegen ihrer Engstirnigkeit, Hass und Besitzgier richten sich Manz und Marti zugrunde.

Während ihre Väter in ihrem moralischen Verfall mit allen bürgerlichen Idealen gebrochen haben, ist es für Sali und Vrenchen eine moralische Unmöglichkeit, die Normen und ethische Regeln, mit denen sie aufgewachsen sind, zu verletzen. Trotz des sozialen Elends bewahren sie den reinen Kern ihres Wesens, und deswegen hat die Geschichte jenes tragische Ende; eine Ironie des Schicksals.

Sali und Vrenchen (und auch der schwarze Geiger, der rechtmäBige Besitzer des Streitobjekts) sind schuldlose Opfer einer Gesellschaft, die trotz eines äuBerlichen Scheins von Ordnung und Sicherheit auBerstande ist, den Menschen vor Unrecht zu schützen. Dieses berührt auch das Thema der Novelle: Die Begrenzung der menschlichen Freiheit (in bezug darauf, welcher Einfluss Handlungen anderer auf das Leben und Schicksal eines Menschen haben können).

Romeo und Julia auf dem Dorfe ist die zweite Novelle der Novellensammlung Die Leute aus Seldwyla, die 1856 erschien (erster Band; der zweite Band erschien erst 1874). Die Novellen schildern, wie der Einbruch der modernen Zeit die Entwicklung dieser kleinen Gesellschaft beeinflusst.

Der Stoff

Der Stoff dieser Novelle ist wohlbekannt und mehrmals bearbeitet worden. Die bekannteste literarische Bearbeitung dieses Stoffes ist Shakespeares Drama Romeo and Juliet, das fast 350 Jahre vor Kellers Novelle erschien (1594). Durch jenen Titel erkennt der Leser gleich das Hauptmotiv der Novelle: Die Liebe und der Tod der Kinder zweier verfeindeter Familien. Eine Zeitungsnotiz in Züricher Freitagszeitung am 3. September 1847 ist aber das entscheidende Motivationsmoment für das Schreiben Kellers Version.

Ich finde...

Ich habe erlich gesagt geweint, als ich mit der Novelle fast fertig war. Romeo und Julia auf dem Dorfe ist eine ergreifende Geschichte, so schön und wunderbar geschrieben, dass man den Tränen einfach nachgeben muss. Vielleicht bin ich auch ein wenig sentimental.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich Vrenchens und Salis Liebe mehrmals in Frage gestellt habe; handelt es sich hier um echte Liebe oder nur um sexueller Anziehung zwischen zwei Teenager?

Literatur

- Gunn Glosvik: Diverse Handouts, Sept. 1998

- Vorlesungen: Gunn Glosvik, Sept. 1998

Links

Biographie

Projekt Gutenberg : über Die Leute aus Seldwyla + die ganze Novellensammlung



1998-2003 Øystein Amundsen