Irrungen - Wirrungen

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(Roman,188[smiley: cool]


Handlung

In Irrungen, Wirrungen geht es um die Liebesbeziehung von dem adeligen Botho von Rienäcker und der kleinbürgerlichen Lene Nimptsch. Ihre Liebe ist tief und echt, ohne Banalitäten - und ohne Illusionen, denn ihr Verhältnis ist ohne Zukunft. Die geltenden Konventionen und die schwierige ökonomische Lage der Rienäcker-Familie machen ihre Beziehung unmöglich. Dennoch wird die für Lene und Botho zur Verfügung stehende Zeit und die unvermeidliche Trennung zwischen ihnen, die Vernunftehe zwischen Botho und seiner Kusine Käthe und ihr weiteres Leben sehr schön geschildert.


Themen

Irrungen, Wirrungen ist ein sogenannter Zeitroman. Der Handlungsverlauf kann langweilig sein, die die gesellschaftliche Strömungen der Zeit, in der er geschrieben wurde, unbeachtet bleiben. Die Handlung ist auf ein Minimum reduziert und wird mit vielen anscheinend unbedeutenden Details gewürzt. Das tragende Element ist ganz im Geist des Realismus die Dialoge. Das Innenleben der Protagonisten wird durch äußere Verhältnisse beschrieben. Der wachsame Leser kann in dieser anscheinend trivialen Geschichte Fontanes leise, doch sehr nüchterne Kritik einer Gesellschaft in Änderung merken. Der Adel verliert langsam an Einfluss, das Bürgertum stärkt seine Position, die ganze Gesellschaft erlebt tiefgrifende soziale Umwältungen.

Theodor Fontane war der Meinung, dass es in unserer Gesellschaft wichtigeres gäbe, als die Bedürfnisse des Einzelindividuums. Der Mensch sei ein Teil eines Kollektivs, von dem er nicht im Stande sei, auszubrechen. Er sei nicht stark genug, um die Konventionen zu bekämpfen und solle das auch nicht versuchen. Die Konventionen seien stärker als die echten menschlichen Gefühle. Wenn der Mensch mit den Konventionen konfrontiert würde, müsse er resignieren, denn die Konventionen seien das Gerüst der gesellschaftlichen Ordnung.


Fontane vs. Hauptmann

Ein kleiner Vergleich zwischen diesem Roman und Hauptmanns Novelle Bahnwärter Thiel kann interessant sein, denn Irrungen Wirrungen ist im selben Jahr geschrieben, wie Hauptmanns Bahnwärter Thiel. Zwei ganz unterschiedliche Welten werden dargestellt, beide aber in Mark-Brandenburg. Fontane schildert in seinen Werken den Adel und das Bürgertum; der bürgerlichen Welt wird ein sympatischeres Gesicht gegeben als der adeligen. Hauptmann hat die kleinen Leute kennengelernt und schildert ihre Welt, und diese ist die Welt des Individuums. Nun repräsentieren Fontane und Hauptmann zwei verschiedene literarische Stilrichtungen: den Realismus und den Naturalismus. Die Welt Hauptmanns muss viel mehr Elend und Blut ertragen. Die Welt Fontanes kennt nicht Hauptmanns Probleme. Beide zeigen aber eindeutige Strömungen jener Zeit und deuten gesellschaftstrukturelle Änderungen an.


Literatur

- Bengt Algot Sørensen: Geschichte der deutschen Literatur, Band 2
Verlag C. H. Beck, München 1997

- Verdens Litteratuhistorie, Bind 8 og 9
J. W. Cappelens Forlag, 1972


- Vorlesungen: T.J. Ropeid, Aug./Sept. 1998





1998-2003 Øystein Amundsen