"Die Wand"


(Roman,1963)


Die Handlung

Eine Frau wird durch eine anscheinend von Menschen verursachte Katastrophe in die totale Isolation gezwungen. Eine durchsichtige Wand entsteht über Nacht und trennt das Tal, in dem sie sich aufhält, von der übrigen Welt. Das Leben auBerhalb der Wand scheint, als sei es von dem Eingetroffenen getötet worden. Der Umfang der Katastrophe ist unüberschaubar, aber allmählich, während die Zeit vergeht und die Rettung ausbleibt, versteht sie, dass die Katastrophe ungeheure Dimensionen hat.

Der Roman erscheint als der ausführlich geschriebene Bericht der Frau, in dem sie ihren bis jetzt zweijährigen Überlebenskampf schildert.


Interpretationsmöglichkeiten

Eine moderne Robinsonade? Krasse Zivilisationskritik? Aufforderung zum neuen Denken? Science-fiction? Feminist-Utopie?

Tja, für den intellektuellen Leser gibt es gegen dieses Opus haufenweise Angriffsmöglichkeiten. Für Feministen und weibliche "Robinson Crusoes" ist Die Wand eine selbstverständliche Wahl. Das gilt auch für Umweltschützer und andere, die sich um die Zukunft Sorgen machen; das heiBt wohl eigentlich - uns alle!

Der Roman hat seine Aktualität nicht verloren; wir leben in einer Zeit, in der Umweltschäden schon ungeheuer groBe Dimensionen angenommen haben, in der eine weltumfassende Wirtschaftskrise vor der Tür steht, in der man die Kontrolle über die Atomwaffen der ehemaligen Sowjetunion einigermaBen verloren hat, in der Science-fiction nicht mehr Fiction ist und in der die Frauenemanzipation rückwärts geht.

Diejenigen von uns, die von "Hollywood-Effekten" oder "Margit Sandemoe-Action" abhängig sind, werden sich langweilen. Die Entwicklung des Handlung geschieht mehr oder weniger auf einer psychologischen Ebene; das Spannende ist nicht nur, welche praktischen Lösungen die Frau findet, sondern auch wie sie sich der prekären Situation psychologisch anpasst.


Ich finde...

Ich betrachte mich nicht als besonders intellektuell, aber ich bin wahrscheinlich der einzige Student in meinem Kurs, der Die Wand mit Spannung und ehrlichem Interesse gelesen hat. Das finde ich erschreckend!


Literatur

- Iris Denneler: "Marlen Haushofer"
Handout, Ropeid, April 1998

- Øystein Amundsen: Semesterarbeit, Mai 1998

- Vorlesungen: T.J. Ropeid, März 1998


Links

Marlen Haushofer




1998-2003 Øystein Amundsen