Die deutsche Romantik


Die deutsche Romantik

1. Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts

Endgültiger Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches: Frankreich nimmt das linke Rheinufer. Unter Napoleon Reorganisierung der territorialen Ordnung Deutschlands, die süd- und westdeutschen Staaten sagen sich vom Reich los und gründen den Rheinbund (1806-1813) unter dem Protektorat Frankreichs. Kaiser Franz II. legt August 1806 die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder. Im selben Herbst Niederlage Preußens. Unter dem Druck der Fremdherrschaft Bekenntnis zur deutschen Nation. Das neue nationalrevolutionäre Bewusstsein ist in Preußen besonders stark. Nach der Niederlage Frankreichs (1815) Errichtung des Deutschen Bundes, der aus 35 Territorialstaaten und 4 freien Städten besteht. Die Hoffnungen auf einen freien deutschen Nationalstaat gehen nicht in Erfüllung (Zeitalter der Restauration).

2. Begriffsbestimmung

Knüpft teilweise an den Sturm und Drang an (vor allem Herder). Sinn für die künstlerischen Leistungen des Volkes und der nationalen Eigenart. Entdeckung des Mittelalters. Unendlichkeit des Gefühls und der schöpferischen Phantasie im Gegensatz zur engen Alltagswirklichkeit. Freiheit des schöpferischen Subjekts, keine Grenzen Phantasie/Wirklichkeit. Abkehr vom Prinzip der Wirklichkeitsnachahmung. Zeitliche Abgrenzung: 1797-1825/30

2.1. Philosophische Grundideen

Johann Gottlieb Fichte (1762-1817) absolute Souverenität des einzelnen Ichs mit seiner produktiven Einbildungskraft.
Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854) spekulative Naturphilosophie, Idee der Weltseele (Pantheismus).
Friedrich Schleiermacher (1768-1834) Religionsphilosoph. Religion als fühlendes, unmittelbares Anschauen des Universums.

3. Dichtung

3.1. Frühromantik od. Jenaer Romantik (1798-1801)

Athenäum (1798-1801) bedeutendste Zeitschrift der Romantik. Hier wurden die theoretischen Grundlagen entwickelt, vor alem durch August Wilhelm Schlegel (1767-1845) und Friedrich Schlegel (1772-1829): Betonung des Subjektiven, Befreiung von allen Bindungen. Die Aufgabe des neuen Dichters: eine Universalpoesie.

Wilhelm Heinrich Wackenroder (1773-179[smiley: cool] schrieb mit seinem Roman Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1797) das Programm der der romantischen Kunstauffassung in Romanform: Kunst als Religion. Lob des Mittelalters und der altdeutschen Kunst (durch Albrecht Dürer verkörpert).

Ludwig Tieck (1773-1853) wahrscheinlich größtes Erzähltalent der Frühromantik. Franz Sternbalds Wanderungen (179[smiley: cool] Bildungsgeschichte eines Malers aus der Dürerzeit. Kunstandacht, Landschaftsstimmungen.
Märchendichtungen, z.B. Der blonde Eckbert (1797) Naturdämonie, Einbruch dunkler, unheimlicher Kräfte in die menschliche Existenz durch den Verlust der harmonischen Unschuld des Kindes.
Auch romantische Lustspiele. Später Wendung zu einer realisticheren Schreibweise.

Novalis = Friedrich von Hardenberg )1772-1801) nahezu als Symbolfigur der Romantik zu betrachten: der früh verstorbene, poetisch begabte Jüngling.
Hymnen an die Nacht (1797) Verherrlichung der Nacht und (des Todes) als Symbol der wahren Existenz.
Heinrich von Ofterdingen (1801) Romanfragment. Naturbeseelung: die ganze Existenz von Poesie durchdrungen. Die blaue Blume: Symbol der romantischen Sehnsucht und der romantischen Dichtung.

3.2. Die jüngere Romantik od. Heidelberger Romantik (1805-1810/12)

Weniger spekulativ als die Frühromantik: Betonung der volkstümlichen Dichtung (Volkslieder, Märchen, Volksbücher). Stärkere Betonung des Stimmungshaften. Neigung zur Religiosität. Nationale Tendenzen.

Achim von Arnim (1781-1831) und Clemens Brentano (1778-1842) - Des Knaben Wunderhorn (1806/0[smiley: cool] erste rein deutsche Volksliedsammlung. Große Wirkung auf die spätere deutsche Lyrik.
Brentano und Arnim schrieben auch viele Märchen, Erzählungen und Romane. Vor allem in den Märchen und Erzählungen wurde ein bewusster Versuch gemacht, einen volksnahen Stil zu entwickeln. Brentano muss auch als der erste bedeutende Lyriker der Romantik betrachtet werden. In seinen Gedichten und Märchen Gründer der Rheinromantik. Seine frühen Gedichte sind einfach und stimmungshaft, z.T. deutlich im Volksliedton (z.B. Lore Lay und Auf dem Rhein). In den späteren Jahren christlich geprägte Gedichte.

Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) Begründer der Germanistik und der deutschen Sagen- und Märchenforschung. Kinder- und Hausmärchen - volkstümlichstes Werk der deutschen Romantik, nach Luthers Bibelübersetzung das meistgedruckte deutsche Buch.

3.3. Dichtung der Befreiungskriege

Warnung vor der Vergangenheitsschwärmerei vieler Romantiker. Entstehung einer nationalpolitischen Dichtung, die von einem nationalpatriotischen Enthusiasmus getragen wird.
Ernst Moritz Arndt (1769-1860) Verfasser zahlreicher Kriegslieder, setzte sich für eine nationale Erhebung gegen Napoleon ein.
Theodor Körner (1791-1813) patriotische Lieder voller Pathos. Als Kriegsfreiwilliger im Lützower Freikorps gefallen.

3.4. Joseph von Eichendorff (1788-1857) der Heidelberger Romantik nahestehend. Volksliedhafte, stimmungshafte Gedichte. Religiös geprägtes Naturerlebnis, Einheit von Mensch und Natur, Zauber des Waldes und der einsamen Naturlandschaft. Allerdings auch mögliche Bedrohung durch die Verlockungen in der Natur und im menschlichen Inneren.
Aus dem Leben eines Taugenichts (1826) Eichendorffs bekanntestes und volkstümlichstes Werk. Wander- und Naturfreude.

3.5. Spätromantik

E.T.A. Hoffmann (1776-1822) vielleicht der größte Erzähler der deutschen Romantik. Märchen, Erzählungen, Romane: Vermischung des Geheimnisvollen, Grausigen mit dem Leben des Alltags; geheimnisvolle Kräfte greifen in das Leben der Menschen ein. Problematik der Künstlerexistenz in einer z.T. verständnislosen und kunstfeindlichen Umwelt

Schwäbische Romantik - Freundeskreis um den schwäbischen Dichter Ludwig Uhland (1787-1862) bürgerlich, jedoch um eine gesamtdeutsche Kultur bemüht, vaterländische Dichtung in volkstümlicher Einfachheit. Übergang zum Biedermeier.

4. Zusammenfassung

Abkehr vom klassischen Formwillen. Die wahre Wirklichkeit ist hinter der sichtbaren Welt verborgen, lässt sich jedoch durch die visionäre Phantasie des Künstlers erschließen (Poetisierung der Wirklichkeit). Subjektivismus, Sehnsucht nach dem Unendlichen. Die jüngere Romantik weniger spekulativ (Romantik der kleinen Welt), Betonung des Volkstümlichen und des Nationalen. Die Romantik ist weitgehend anti-bürgerlich, sie wendet sich gegen die begrenzte Lebens- und Erlebnissphäre des Bürgers.