Die Restaurationszeit


DIE RESTAURATIONSZEIT (1815-184[smiley: cool]: Biedermeier und Vormärz

1. Einleitung

Es handelt sich hier um keine einheitliche Epoche im Sinne z.B. der Klassik oder der Romantik, sondern vielmehr um eine Vielfalt verschiedener Tendenzen und Lebenshaltungen. Die "Werte" der Goethezeit" verschwinden selbstverständlich nicht über Nacht, und viele Kulturschaffende hatten den Eindruck, es wäre nicht möglich, etwas Neues zu schaffen (Gefühl des Epigonentums.

Politisch gesehen befindet sich die Zeit im Zeichen der Restauration. Im kulturellen Leben stehen sich zwei verschiedene Tendenzen entgegen: eine weitgehend unpolitische Richtung, die im stillen zurückgezogenen Leben das Ideal sieht (Biedermeier) und eine politisch radikale Richtung, die unter dem Begriff Vormärz zusammengefasst werden kann.

2. Biedermeier

Ursprünglich Spottname, der zuerst für Wohnkultur und Malerei gebraucht wurde, später allgemein für Zeitstil, Kunst und Literatur. Die nationale Enttäuschung nach den Befreiungskriegen und die Unterdrückungsmaßnahmen der Reatauration sollten dabei berücksichtigt werden: "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht", Flucht in die unpolitische Welt freiwilliger Selbstbeschränkung.

Biedermeier ist kein literarischer Stil, sondern eher eine bestimmte Lebenshaltung, in der vor allem die persönliche Ruhe und eine möglichst ungestörte persönliche Existenz als Ideal betrachtet werden: die innere Seelenruhe als Ziel. Soziale Problemstellungen werden weitgehend vermieden, es werden vielmehr allgemein gültige Existenzfragen behandelt: Gesetzlosigkeit, Vorherrschaft der Leidenschaften, ein ausschweifendes Leben usw. sind Elemente, die das Menschenleben gefährden und den Menschen in den Untergang führen können. Nur die sittliche Überwachung der Leidenschaften schützt den Menschen vor dem Abgrund, dem Untergang.

2.1. Eduard Mörike (1804-1875)

Gerade in seiner Abkehr von den großen Zeitereignissen ist er ein typischer Repräsentant seiner Zeit. Mörike ist vor allem als Lyriker bekannnt, aber hat auch epische Werke geschrieben. In seiner Lyrik verbindet er klassische und romantische Elemente: Mörike schrieb sowohl streng aufgebaute Gedichte wie auch Lieder im Volksliedton und einfache Naturgedichte. Im Gegensatz zu den Naturgedichten der Romantik kein pantheistisches Einswerden mit der Natur. Dinggedichte: Beschreibung einfacher, alltäglicher Gegenstände, die aber den ganzen Kosmos spiegeln können; Versuch einer Wesenschau der Dinge ("Auf eine Lampe").


2.2. Annette von Droste-Hülshoff (1797-184[smiley: cool]

Persönliche Bekenntnisgedichte, in denen die Dichterin mit dem Gefühl der Schuld und der menschlichen Unzulänglichkeit kämpft. Der christliche Glaube als einzige Hoffnung. In ihren Landschaftsgedichten (Heidebilder) ein ganz neuer Realismus der lyrischen Sprache: scharfer Blick für das KLeinste in der Natur, einfühlende Beschreibung der kleinsten Dinge.
Die Judenbuche (1842) - Novelle, in der die allmähliche Zerstörung der jugendlichen Unschuld durch den Einfluss von Erbe und Milieu gezeigt wird, z.T. ganz realistische Milieuschilderung.

2.3. Adalbert Stifter (1805-186[smiley: cool]

Ziel seiner Dichtung (Romane und Novellen): Bildung des edlen menschen im Glauben an das Gute, Schöne und Wahre, an Recht, Ordnung und Gesittung.

2.4. Jeremias Gotthelf (1797-1854)

Realistische Bauernromane und -erzählungen aus der Schweiz. Umfangreiches Werk mit einer eindeutig pädagogischen Tendenz: Dichtung als Erziehungshilfe. Das Christentum als wichtigste Grundlage eines erfüllten, harmonischen Menschenlebens. Das Pseudonym Gotthelf ist dabei programmatisch - eigentlicher Name: Albert Bitzius.

3. Vormärz

Der Vormärzbegriff im engeren Sinn umfasst nicht alle politisch engagierten Dichter dieser Zeit, wird jedoch der Einfachheit halber als Sammelbezeichnung benutzt. Deutliche revolutionäre Tendenzen, Auflehnung gegen alles Veraltete und Konventionelle, Literatur als Mittel einer sozialen und politischen Erneuerung. Überwiegen des kritischen Elements: Analyse und Satire. Zurücktreten von Gefühl und Phantasie: Auflehnung gegen die traditionelle deutsche Literatur von der Klassik bis zum Biedermeier. Starker Einfluss von der zeitgenössischen französischen Literatur.

3.1. Heinrich Heine (1797-1856)

In Deutschland z.T. immer noch umstritten, große Wirkung im Ausland, wo er als einer der größten deutschen Dichter überhaupt betrachtet wird. Geht in seiner Lyrik formal und stofflich von der romantischen Lyrik aus, die Stimmung wird jedoch immer wieder von skeptischer Reflexion oder spöttischer Ironie aufgehoben. Bekannteste Gedichtsammlungen: Buch der Lieder und Neue Gedichte. In den Neuen Gedichten auch eine Reihe zeitkritischer Gedichte.
Reisebilder (4 Teile, 1826-31) - kritsche und satirische Gedanken zu allen möglichen Zeitfragen, verwoben mit Reiseeindrücken und lyrischen Einschüben. Sprunghafter und plaudernder Stil, Vorbild für den modernen Journalismus.
Deutschland. Ein Wintermärchen (1844) - Gedichtzyklus, in dem Heines Reise durch das stickige und reaktionäre Deutschland beschrieben wird.

3.2. Politische Lyrik

Der Vormärz ist auch eine Blütezeit einer politischen Lyrik, in der revolutionäre, politische und soziale Ziele verfolgt werden. Einige Namen: Georg Herwegh, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Ferdinand Freiligrath, Georg Weerth.

Georg Büchner (1813-1837)

Einzelgänger, kaum Kontakt mit seinen Zeitgenossen. Soziale Kritik, realistische Darstellung (Einfluss auf den Naturalismus und Expressionismus).
Dantons Tod (1835) - Revolutionsdrama. Danton, der große Revolutionär verliert den Glauben an die Revolution, Handeln ist nutzlos, die Menschen sind "Puppen, von unbekannten Gestalten am Draht gezogen."
Woyzeck (fragmentarisches Drama aus dem Nachlass, 1836 entstanden) - eines der bedeutendsten sozialen Dramen der deutschen Dichtung, zeigt das Leiden und Ausgeliefertsein des Menschen. Woyzeck erscheint als nahezu stumme Kreatur, außerstande sich selbst oder die Welt nur annähernd zu verstehen.