
DIAS: Der andorranische Jude
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Dias sind praktisch für vorbereitete Stunden mit Thesen, Textauszügen, Übungsaufgaben usw., die man schnell bei der Hand haben will.
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"Im gewissen Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare
Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage. Wir sind es, die dem Freunde, dessen erstarrtsein uns bemüht, im Wege stehen, und zwar dadurch, dass unsere Meinung, er sei erstarrt, ein weiteres Glied in jener Kette ist, dass ihn fesselt und langsam erwürgt. Wir wünschen ihm, dass er sich wandle, o ja, wir wünschen es ganzen Völkern! Aber darum sind wir noch lange nicht bereit, unsere Vorstellung von ihnen aufzugeben. Wir selber sind die letzten, die sie verwandeln. Wir halten uns für den Spiegel und ahnen nur selten, wie sehr der andere seinerseits eben der Spiegel unsres erstarrten Menchenbildes ist, unser Erzeugnis, unser Opfer-." '
(Aus: Max Frisch: Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Bd. II 2, 1944-49. Tagebuch 1946-49, S. 371)
Im Tagebuch 1946-49 (s.372-74) steht die Prosaskizze "Der andorranische Jude", wo zum Schluss folgende Zeilen von Frisch hinzugefügt wurden:" Du sollst dir kein Bildnis machen, heisst es, von Gott. Es dürfte auch in diesem Sinne gelten: Gott als das Lebendige in jedem Menschen, das, was nicht erfassbar ist. Es ist eine Versündigung, die wir, so wie sie an uns begangen wird, fast ohne Unterlass begehen - Ausgenommen wenn wir lieben".
Was sagt uns diese Hinzufügung über das Thema des Textes?
"Der andorranische Jude" - Wie lässt sich der Titel der Prosaskizze interpretieren? Oder: Was wird im Titel angedeutet in bezug auf das Thema?
ANFANG (Z. 1-4): "In Andorra lebte ein junger Mann, den Mann für einen Juden hielt. Zu erzählen wäre die vermeintliche Geschichte seiner Herkunft, sein Umgang mit den Andorranern, die in ihm den Juden sehen: das fertige Bildnis, das ihn überall erwartet".
Wie wäre diese Textstelle zu interpretieren? Was fällt hier als wichtig auf?
Ab Z. 4: "Beispielsweise ihr Misstrauen gegenüber seinem Gemüt, das ein Jude, wie auch die Andorraner wissen, nicht haben kann".
Kommentar?
Ab Z. 8: "[...] er wusste, er spürte, was alle wortlos dachten, er prüfte sich, ob es wirklich so war, dass er stets an das Geld denke, er prüfte sich bis er entdeckte, dass es stimmte, es war so in der Tat, er dachte stets an das Geld".
Kommentar?
1) Ab Z. 15:"Denn der Jude, auch das wussten die Andorraner, hat Vaterländer, die er wählt, die er kauft, aber nicht ein Vaterland, wie wir,[...]".
Kommentar?
2)Ab Z. 26: "So wiederum ging es, bis er eines Tages entdeckte, [...], dass er das Vaterland wirklich nicht liebte, [...]".
Kommentar?
Ab Z. 29: "Offenbar hatten Sie recht. [...]. Es gelang ihm nicht zu sein wie die anderen, und nachdem er es umsonst versucht hatte, nicht aufzufallen, trug er sein Anderssein sogar mit einer Art von Trotz, von Stolz und lauernder Feindschaft [...]".
Kommentar?
Ab Z. 44: "Auf der anderen Seite gab es Andorraner eines freieren und fortschrittlichen Geistes, [...], der sich der Menschlichkeit verpflichtet fühlte: sie achteten den Juden, wie sie betonten, gerade um seinen jüdischen Eigenschaften willen, [...]
Kommentar?
Zum Schluss:
1) "Man redete lange davon[...] Man redete nicht mehr davon[...]".
Kommentar?
2) "Die Andorraner aber, sooft sie in den Spiegel blickten, sahen mit Entsetzen, dass sie selber die Züge des Judas tragen, jeder von ihnen".
Wie würdet ihr diesen Schluss-Satz interpretieren?