DDR-Lyrik

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Nr. 1 show images see all slides
GEDICHTE ANALYSE und INTERPRETATION.

KURZE EINLEITUNG:

Eine Gedichtbesprechung besteht aus zwei hermeneutischen (deutenden) Operationen, d.h. aus einer Analyse und einer Interpretation . Die Analyse ist die Zergliederung des Gedichts, wo die formalen Einzelelemente des Gedichts untersucht werden. Es gilt dabei, sowohl die Metrik, die äussere Form, wie auch Metaphorik, die innere Form (Sprache/Rhetorik), des Gedichts zu bestimmen. Die zweite Operation, die Interpretation, ist die Deutung des Gedichts. Interpretation heisst Vermittlung, und dabei geht es darum, das Thema, den Ideen- und Gedankeninhalt des Gedichts anhand einer Synthese seiner Einzelelemente zu vermitteln. Anders ausgedückt: man versucht die Frage zu stellen, auf die das Gedicht eine Antwort gibt. [Oder etwas banaler; man fragt: Was will (uns) der Dichter damit sagen?]
Nr. 2 show images see all slides
GOETHE (1749-1832) :"Wanderers Nachtlied" und "Ein gleiches":

Wanderers Nachtlied

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest
- Ach, ich bin des Treibens müde,
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süsser Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!


Ein gleiches

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde
Warte nur, balde
Ruhest du auch.



I: ANALYSE

1) Welche Charakteristika der Metrik (der äusseren Form) der beiden Gedichte wären hervorzuheben?
2) Was charakterisiert die Metaphorik (die innere Form/Sprache/Rhetorik): Welche Metaphern gibt es?

II: INTERPRETATION

1) Wie lässt sich die Stimmung der beiden Gedichte beschreiben?
2) Was "bedeuten" sie? Was drückt der Dichter damit aus? [Oder:Was will er (uns) sagen?]
Nr. 3 show images see all slides
MÖRIKE (1804-1875): "Um Mitternacht"

Gelassen stieg die Nacht ans Land.
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht ins Ohr
Vom Tage
Vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtets nicht, sie ist müd;
Ihr klingt des Himmels Bläue süsser noch,
Der flücht'gen Stunden gleichgeschwungnes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

I: ANALYSE

1) Beschreiben Sie die Metrik des Gedichts, d.h. erläutern Sie Taktart, Reim und Rhythmus.
Nr. 4 show images see all slides
Mörike: " Um Mitternacht"

2) Bestimmen Sie die Metaphorik

Strophe 1:

 Gelassen stieg die Nacht ans Land, / Lehnt träumend an der Berge Wand

 Ihr Auge sieht die goldne Waage nun / Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;

 Und kecker rauschen die Quellen hervor, / Sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
Nr. 5 show images see all slides
Mörike: " Um Mitternacht"

2) Bestimmen Sie die Metaphorik

Strophe 2:

 Das uralt alte Schlummerlied, / Sie achtets nicht, sie ist es müd;

 Ihr klingt des Himmels Bläue süsser noch, / Der flüchtgen Stunden gleichgeschwungnes Joch

 Doch immer behalten die Quellen das Wort, / Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Nr. 6 show images see all slides
Mörike: " Um Mitternacht"

II: INTERPRETATION

1) Welche Stimmung ist in diesem Gedicht hervorherrschend?
2) Worüber wird in den beiden letzten Zeilen der beiden Strophen gesungen, und was bedeutet es (das Gedicht)?
Nr. 7 show images see all slides
RILKE (1875-1926): "Abend"


Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,
ein himmelfahrendes und eins, das fällt;

und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt;

und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)
dein Leben, bang und riesenhaft und reifend,
so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,
abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.


I: ANALYSE

1) Beschreiben Sie die Metrik des Gedichts.
Nr. 8 show images see all slides
RILKE: "Abend"

2) Bestimmen Sie die Metaphorik

Strophe 1:

 Der Abend wechselt langsam die Gewänder, / die ihm ein Rand von alten Bäumen hält

 du schaust: und vor dir scheiden sich die Länder, / ein himmelfahrendes und eins, das fällt
Nr. 9 show images see all slides
RILKE: "Abend"

Bestimmen Sie die Metaphorik

Strophe 2:

 und lassen dich, zu keinem ganz gehörend, / nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt

 nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend / wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt;
Nr. 10 show images see all slides
RILKE: "Abend"

Bestimmen Sie die Metaphorik

Strophe 3:

 und lassen dir (unsäglich zu entwirrn) / dein Leben, bang und riesenhaft und reifend,

 so dass es, bald begrenzt und bald begreifend, / abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn
Nr. 11 show images see all slides
Rilke: "Abend"

II: INTERPRETATION

1) Welche Stimmung kommt hier zum Ausdruck?
2) Was ist hier die Frage, die das Gedicht beantwortet?
Nr. 12 show images see all slides
LASKER-SCHÜLER (1869-1945): "Weltschmerz"

Ich, der brennende Wüstenwind,
Erkaltete und nahm Gestalt an.

Wo ist die Sonne, die mich auflösen kann,
Oder der Blitz, der mich zerschmettern kann!

Blick nun, ein steinernes Sphinxhaupt,
Zürnend zu allen Himmeln auf.

I: ANALYSE

1) Beschreiben Sie die Metrik des Gedichts.

2) Bestimmen Sie die Metaphorik der folgenden Zeilen:

 Ich, der brennende Wüstenwind, / Erkaltete und nahm Gestalt an.

 Blick nun, ein steinernes Sphinxhaupt, / Zürnend zu allen Himmeln auf.
Nr. 13 show images see all slides
Lasker-Schüler: "Weltschmerz"

II: INTERPRETATION

1) Wie lässt sich hier die Stimmung beschreiben?
2) Welche Frage wird hier beantwortet?
Nr. 14 show images see all slides
Nachtcafe

824: Der Frauen Liebe und Leben.
Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
Rülpst drei Takte lang: das schöne Abendbrot.
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.

Grüne Zähne, Pickel im Gesicht
Winkt einer Lidrandentzündung.

Fett im Haar
Spricht zu offenem Munde mit Rachenmandel
Glaube Liebe Hoffnung um den Hals.

Junger Kropf ist Sattelnase gut.
Er bezahlt für sie drei Biere.

Bartflechte kauft Nelken,
Doppelkinn zu erweichen.

B-moll: die 35. Sonate.
Zwei Augen brüllen auf:
Spritztz nicht Blut von Chopin in den Saal,
damit drauf rumlatscht!
Schluss! He, Gigi! -
Die Tür fliesst hin: Ein Weib.
Wüste ausgedörrt. Kanaanitisch braun.
Keusch. Höhlenreich. Ein Duft kommt mit. Kaum
Duft.

Es ist nur eine süsse Vorwölbung der Luft
gegen mein Gehirn.

Eine Fettleibigkeit trippelt hinterher.
Nr. 15 show images see all slides
AUFGABEN ZUR TERMINOLOGIE
(Siehe das Dokument "Terminologie der literarischen Analyse")

Bestimmen Sie die Metaphorik im folgenden:
Wie nennt man die einzelnen Metaphern?

 Das glühende Kleid des Augenblicks

 Himmel aus Schaum

 Der listige Bruder, der Wind

 Wassergardinen
Nr. 16 show images see all slides
AUFGABEN ZUR TERMINOLOGIE
(Siehe das Dokument "Terminologie der literarischen Analyse")

Bestimmen Sie die Metaphorik im folgenden:
Wie nennt man die einzelnen Metaphern?

 Süsser Friede. Komm ach, komm in meine Brust

 Am Morgen weidet der Nebel auf verlassenen Wiesen

 Die weisse Kehle der Einsamkeit

 Ihr Lächeln gleitet in meine Hand
Nr. 17 show images see all slides
AUFGABEN ZUR TERMINOLOGIE
(Siehe das Dokument "Terminologie der literarischen Analyse")

Bestimmen Sie die Metaphorik im folgenden:
Wie nennt man die einzelnen Metaphern?


 Ihr klingt des Himmels Bläue süsser noch

 Die gläsernen Paläste klingen spröder an deinen Blick

 Der trockene Glanz der Ziegenherde reisst in der Luft und fällt als Zunder hinter den Horizont

 Doch offenen Augs wirst du im Licht ertrinken