Akkusativ


AKKUSATIV

(Kurzfassung von Reiten S. 147 156 in deutscher Ûbersetzung. Die Beispiele sind teils übernommen, teils neu oder abgeändert. Für weitere Beispiele wird auf die entsprechende Stelle in Reiten verwiesen.)

A Akkusativobjekt, von einem (transitiven) Verb regiert (Was?oderWen?/Pronominalisierung/Subjekt im Passiv)

1 Als einziges Objekt: Er schreibt einen Aufsatz

* Wichtige Transitivierungsmittel: be-, er-, ver- (be-steigen, be-folgen, er-warten etc.)

* Auch: Präpositionen als Teile von (trennbaren oder untrennbaren) zusammengesetzten Verben (durch-reisen, um-gehen, aus-lachen etc.)

* Inhaltsobjekte: einen (schweren) Gang gehen, einen (langsamen) Tanz tanzen, den Heldentod sterben etc. Inhaltlich und formal mit dem Verb verwandt (z. T. Ableitungen), auch Spezifizierung des Verbinhalts (einen Tango tanzen).
Auch bei intransitiven Verben (etwa gehen, sterben). Dann keine Erfragung durch Was? möglich und auch keine Pronominalisierung. Hilfsverb im Perfekt/Plusquamperfekt unverändert bei perfektiven Verben mit sein. Verwandschaft mit modalem Adverbial (Art und Weise).

2 Neben einem Op: jemanden um Hilfe bitten, jemanden nach etwas fragen, jemanden zu etwas zwingen etc. Es gibt eine Menge von Verben, die zugleich ein Oa und ein Op regieren (können).

* Bei bitten und fragen kann das Op durch ein Oa ersetzt werden (jemanden etwas/nichts/das/ vieles/eine ganze Menge bitten/fragen). Voraussetzung: Das (Sach-)Objekt ist ein neutrales Pronomen oder ein Substantiv mit unbestimmter Bedeutung. In diesem Fall können also zwei Oa nebeneinander stehen, vgl. 4 unten.

3 Neben einem OPiv: Man nannte ihn einen Feigling (Vgl. Er ist ein Feigling)

* Die wichtigsten Verben: nennen, heiBen (=nennen), rufen (kalle), schelten, schimpfen (beide skjelle ut), taufen (döpe), weiter auch mittelbar angeschlossen durch als bei: betrachten als, ansehen als u.a.

* Bei der Umschreibung ins Passiv wird das Oa zum Subjekt und das OPiv zum SPiv (also zum Nominativ): Er wurde ein Feigling genannt.

* Bei einigen Verben (z.B. halten für, erklären für, wählen zu, ernennen zu) wird das OPiv durch eine Präposition angeschlossen. Der Kasus wird dann durch die Rektion der Präposition bestimmt (sowohl im Aktiv wie im Passiv): Man ernannte ihn zum Präsidenten Er wurde zum Präsidenten ernannt.

* Wenn das Oa ein Reflexivpronomen ist, kann das Piv sowohl als OPiv als auch als SPiv aufgefasst werden und folglich sowohl im Akkusativ wie im Nominativ stehen. Bei unmittelbarem Anschluss des Piv ist der Akkusativ üblicher: Er nannte sich einen Freund/(ein Freund), bei mittelbarem Anschluss der Nominativ: Er betrachtet sich als mein Freund/(meinen Freund).

4 Neben einem anderen Oa (d.h. zwei Oa): Er lehrte mich (seltener auch: mir) einen neuen Trick.- Nur wenige Verben können zwei Oa (ein Personenobjekt und ein Sachobjekt) regieren.

* Verben: lehren, kosten, abfragen, abhören. Vgl. auch bitten und fragen (Pkt. 2 oben).

* Das Personenobjekt kann bei diesen Verben auch im Dativ stehen, besonders üblich ist das bei abfragen und abhören, sowie bei kosten, weniger üblich bei lehren.

* Bei kosten kann das Personenobjekt im Dativ stehen nur dann, wenn das Sachobjekt nicht eine Zahl- oder Preisangabe ist: Vgl. Der Versuch kostete ihn/ihm das Leben und Der Mantel kostete ihn 200 Mark. Im letzteren Fall kann die Preisangabe als quantitatives Adverbial (und nicht als Oa) aufgefasst werden (Wie viel?).

* Bei der Umformung ins Passiv kann man bei lehren, abhören und abfragen immer das Sachobjekt zum Subjekt machen und das Personenobjekt zum Dativobjekt: Mir wurde der neue Trick gelehrt. Man kann aber auch das Personenobjekt zum Subjekt machen, wenn das Sachobjekt kasusindifferent ist, d.h. nicht eine eindeutige Kasusform ist: Ich wurde die deutsche Sprache gelehrt (Nom./Akk.), aber nicht möglich: Ich wurde der?den? neue(n) Trick gelehrt. Also in der Praxis nicht möglich bei Maskulina, wohl aber bei Feminina und Neutra sowie bei Pluralformen und wenn das Sachobjekt die Form einer IK oder eines Nebensatzes hat (nur bei lehren denkbar), denn diese Formen sind ja stets kasusindifferent.
Bei kosten ist kein Passiv möglich.
Bei bitten und fragen wird immer das Personenobjekt zum Subjekt im Passiv: Ich bin allerlei Sachen gefragt worden. Das wurde ich gebeten.

5 und 6: Ein Oa kann auch bei relativ wenigen Verben - neben einem Og (Er beschuldigte ihn des Hochverrats) und bei sehr vielen Verben neben einem Od (Er schickte dem Sohn ein Buch) stehen. Diese Fälle werden in Verbindung mit dem Genitiv bzw. dem Dativ behandelt.

B Akkusativobjekt, von einem Adjektiv regiert (Was? oder Wen?/Pronominalisierung/Kein Passiv möglich)

Er ist den Husten gewohnt (Was ist er gewohnt? Er ist ihn gewohnt)

*Nur wenige Adjektive regieren den Akkusativ: gewohnt, gewahr, leid, los, wert

* loswerden schreibt man in einem Wort (wie ein trennbares Verb zu behandeln).

* In einigen festen Wendungen regiert wert den Genitiv: Das ist nicht der Mühe/der Rede wert. Sonst heute in der Regel Akkusativ: Berlin ist eine Reise wert.

C Akkusativ als Adverbial oder adverbiales Attribut

In dieser Funktion hat der Akkusativ entweder (1) lokale, (2) temporale oder (3) quantitative Bedeutung (evtl. auch lokal und quantitativ wie weit? - oder temporal und quantitativ wie lange? - zugleich). Darüber hinaus kommt der Akkusativ vor als Teil einer besonderen Konstruktion, die man absoluten Akkusativ nennt. Diese Konstruktion hat (4) modale Bedeutung (Untergruppe:begleitender Umstand). quantitativ ist zu verstehen als eine Untergruppe von modal im weiteren Sinne.

1 Lokales Adverbial (lokaler Akkusativ)

Diese Strecke fahre ich selten
Er ist die Treppe hinuntergelaufen

* Bedeutungsbeschreibung: Dieser Akkusativ bezeichnet den Ort/die Strecke, wo eine Bewegung stattfindet. Findet sich deshalb bei einfachen oder mit Ortsadverbien wie hinauf, hinunter, empor etc. zusammengesetzten Bewegungsverben.

* Geeignetes Frageadverb gibt es kaum. Mitunter passt Welche Strecke?.

* Nähe zum Oa, denn Pronominalisierung oft möglich, ebenso Passivierung. Aber das Perfekthilfsverb ist bei den perf. intr. Verben weiterhin sein, nicht haben, wie bei einem Verb mit Oa zu erwarten wäre.

* Der lokale Akkusativ kann nicht gebraucht werden zur Bezeichnung der Ruhelage. Norwegische Ortsangaben wie noen steder, flere steder, mange steder etc. müssen durch Präpositionalgefüge übersetzt werden: an einigen/vielen/mehreren Orten.

* Als Antwort auf die Frage Wie weit? hat der lokale Akkusativ zugleich quantitative Bedeutung: Wir sind 10 km zu FuB gegangen. Auch als adverbiales Attribut: Wir wohnen 20 km von der Stadt entfernt (Attribut zu von der Stadt).

2 Temporales Adverbial (temporaler Akkusativ)

a

Voriges Jahr war ich in Italien
Nächste Woche fahre ich weg

* Bedeutungsbeschreibung: Dieser Akkusativ bezeichnet den Zeitpunkt, wo etwas passiert. Frage: Wann?

* Konkurrenz mit Präpositionalgefüge: im vorigen Jahr, in der nächsten Woche. Aber in Verbindung mit attributiven Adjektiven wie vorig-, letzt-, dies-, nächst- kommt der temporale Akkusativ häufiger vor.

* Bei Substantiven im Plural und bei Bezug auf einen vorausliegenden Zeitpunkt wird meistens Präpositionalgefüge benutzt: in den letzten Jahren (seltener: die letzten Jahre), am nächsten Tag (seltener: den nächsten Tag neste dag, dagen etter). Wenn das Demonstrativpronomen der allein Attribut zum Substantiv ist, wird Präpositionalgefüge gebraucht: an dem Tag, an dem Abend.

* Bei Datumsangaben ist Präpositionalgefüge gewöhnlich (Am 1. Mai 1999 findet die Sitzung statt). In Briefen kann der Akkusativ gebraucht werden: Kiel, den 1. Mai 1999.

* Bei Jahreszahlen darf man (Unterschied zum Norw.!) keine Präposition unmittelbar davor haben : Das geschah 1999 (seltener und umständlicher - auch: im Jahre 1999).

b

Er geht jeden Tag spazieren
Alle zwei Wochen besucht er seine Mutter

* Bedeutungsbeschreibung: Der Akkusativ bezeichnet den wiederholten Zeitpunkt
(= frequentative Bed.). Frage: Wie oft? evtl. auch: Wann? Typisch: Attribute wie jed- oder all-.

* Auch Ausdrücke wie einmal, zweimal etc. + Präpositionalgefüge oder Akkusativ (nur bei Feminina möglich) drücken den widerholten Zeitpunkt aus: einmal in der Woche/einmal die Woche, aber nur: einmal am Tage, zweimal im Jahr. - In diesen Ausdrücken wird zugleich ein distributives Verhältnis ausgedrückt (hier: so und so oft pro Zeiteinheit vgl. aber auch: Die Äpfel kosten 2 Mark das Kilo/pro Kilo u. Ähnl., wo auch ein distributives Verhältnis vorliegt, aber von anderen Einheiten - im Beispiel: Geld/Preis pro Gewichtseinheit).

c

Er blieb einen Monat im Süden
Sie wachte die ganze Nacht (hindurch)

* Bedeutungsbeschreibung: Der Akkusativ bezeichnet die Zeitdauer. Frage: Wie lange? Dabei hat der Akkusativ zugleich quantitative Bedeutung (Menge Zeit). Mitunter können Adverbien wie lang, hindurch, über beim Akkusativ stehen.

* Solche Zeitdauerangaben stehen im Norwegischen oft mit der Präposition i. Auf Deutsch darf man hier nicht in benutzen, sondern eben nur den Akkusativ: Han bodde i lang tid i utlandet Er wohnte lange Zeit im Ausland.

* Ein Akkusativ mit temporaler und quantitativer Bedeutung kann als adverbiales Attribut stehen: zwei Tage vor der Abreise (Wie lange vor der Abreise?), ein Jahr später (Wie viel später?) u. Ähnl.

* Eine Akkusativform mit dieser Funktion kann mitunter elliptisch stehen: (Warten Sie) Einen Augenblick, bitte!

3 Quantitatives Adverbial (quantitativer Akkusativ)

Der Stock misst einen Meter Der Stock ist einen Meter lang
Der Sack wiegt einen Zentner Der Sack ist einen Zentner schwer
Der Anzug kostet 200 DEM
Die Mauer ist einen halben Meter dick
Die Besatzung war zehn Mann stark
Mein Bruder ist 1.90 m groB

* Bedeutungsbeschreibung: Ein Akkusativ als Adverbial oder adverbiales Attribut kann Umfang/Menge bezeichnen, also einen quantitativen Inhalt haben (vgl. auch oben unter 1 und unter 2 c). Frage: Wieviel? oder Wie + Adj. (groB, lang , hoch etc.)?

* Das interessiert mich einen Dreck, eine ganze Menge (vgl. nichts, viel) = auch quantitative Akkusative.

* der 1.90 m groBe Mann; die einen halben Meter dicke Mauer; die zehn Mann starke Besatzung etc. Ein Adjektiv mit einem quantitativen Akkusativ als adv. Attr. kann selber als Attr. ( und also dekliniert) vor einem Substantiv stehen.

* Der quantitative Akk. kann als adv. Attr. bei einer Komparativform stehen: Er ist einen Monat älter als ich. In diesem Fall kann man auch Präpositionalgefüge mit um benutzen: Er ist um einen Monat älter als ich. - Bei Verben mit der Bedeutung öke, stige og avta, synke wird immer nur Präpositionalgefüge benutzt: Der Umsatz ist um 5 Prozent gestiegen (Omsetningen er steget (med) fem prosent).


4 Absoluter Akkusativ

Die Hände auf dem Rücken, ging er auf dem Korridor auf und ab
Im ersten Stock saB Lea, die Hände auf der Tischplatte, den Kragen offen und den Schlips ein wenig heruntergezogen

Der sogenannte absolute Akkusativ ist eine Konstruktion, die aus einem Substantiv im Akkusativ in Verbindung mit einem Part. 2, einem Adj. oder einem Präpositionalgefüge ( jeweils + evtl. weitere Ergänzungen) besteht. Im zweiten Beispiel oben sind alle drei Typen vertreten. Im übergeordneten Satz hat die Konstruktion die Funktion eines modalen Adverbials (Untergruppe begleitender Umstand) und sie ist umformbar in einen indem- oder wobei-Satz (z.B. Indem er die Hände auf dem Rücken hielt, ging er ). Dieser Konstruktion enspricht im Norwegischen in der Regel ein Präpositionalgefüge mit med: Med hendene på ryggen gikk . Präpositionalgefüge kann auch im Deutschen benutzt werden: Mit den Händen auf dem Rücken ging  , und Präpositionalgefüge wird besonders in der Umgangssprache benutzt, da der absolute Akkusativ relativ gehoben und/oder literarisch klingt.