-- Start der Aufzeichnung: Montag, 19. November 2001 5:32 Uhr Dreistadt-Zeit --
Torjan sagt: "So, der Rekorder läuft."
Gro_L sagt: "Guten Abend."
Torjan sagt: "Zuerst eine kleine Vorbemerkung."
Torjan zeigt Dia 1.
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Einige von euch sind "alte Freunde" - andere sind vorläufig nur Namen. Ich hoffe, dass wir an diesem und und am kommenden Montag recht interessante Gespräche führen können. Die Dreistadt-Unterrichtssituation unterscheidet sich wesentlich von "normalen" Unterrichtssituationen, und ich habe aus diesem Grund keinen absolut festen Unterrichtsplan aufgestellt. Ich lasse mich überraschen und bin auf alles gefasst. Eine Voraussetzung ist allerdings eure aktive Mitwirkung. Ich stelle (diktatorisch) Fragen an euch, wähle verhältnismäßig unsystematisch das eine oder das andere Opfer aus. Wenn ihr nicht antworten möchtet, dann bleibt bitte nicht stumm, sondern sagt einfach, dass ihr nicht antworten wollt/möchtet.
1
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Torjan fragt: "Könnt ihr das lesen?"
Geir sagt: "Ja"
Tellef sagt: "Ja"
Anne_E sagt: "Ja"
Else2 sagt: "O.K."
Ingeborg_A sagt: "Ja,alles in Ordnung. Ich hoffen nur, dass Ingeborg woe früher einfache Fragen kriegt"
Torjan fragt: "Und seid ihr mit meiner Beschreibung der Unterrichtssituation einverstanden?"
Ingeborg_A sagt: "hoffe"
Solfrid geht ins Mellomfags-Atelier.
Anne_E sagt: "In Ordnung"
Solfrid kommt.
Oddny sagt: "ja"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Ab jetzt ist Schluss mit einfachen Fragen - für dich habe ich besonders knifflige gewählt."
Ingeborg_A sagt: "Huff"
Torjan zeigt Dia 2.
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Guckt euch auch bei Gelegenheit das "Flugasche-Archiv" an, das ich eingerichtet habe. Es enthält Materialien, die vielleicht von einigem Interesse sind.
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Torjan fragt: "Ihr habt schon "Ankunft im Alltag" gelesen. Ist es möglich, eine Verbindung zwischen den beiden Texten zu finden?"
Solfrid geht ins Mellomfags-Atelier.
Solfrid kommt.
Ingrid_J kommt.
Ingeborg_A sagt: "Es hat mit Betriebe und Wirkschaft zu tun"
Ingeborg_A sagt: "n"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Das ist teilweise richtig..."
Gro_L sagt: "Bestimmt. Wir beide haben mit der DDR-Industriek zu tun"
Gro_L sagt: "Beide, meine ich"
Else2 sagt: "und auch mit dem DDR-Alltag zu tun"
Torjan fragt: "ber ist die Industrie so wichtig in "Flugasche" wie in "Ankunft im Alltag"?"
Torjan [zu Else2]: "Alltag ist gut."
Anne_E sagt: "Das Buch ist auch eine Frauenroman"
Ingeborg_A sagt: "Nein, das würde ich nicht sagen"
Torjan [zu Anne_E]: "Dem stimme ich auch zu."
Torjan fragt: "An welchem Ort spielt "Flugasche"?"
Ingeborg_A sagt: "In Berlin"
Anne_E sagt: "Berlin"
Torjan fragt: "Nur Berlin?"
Anne_E sagt: "und Bitterfeld"
Torjan [zu Anne_E]: "Und hier wird auch eine Verbindung zu "Ankunft im Alltag" geschaffen."
Torjan fragt: "Was ve´rbindet ihr mit Bitterfeld?"
Anne_E sagt: "Umweltverschmutzung, Kohlekaftwerke, Industrie"
Geir sagt: "Schwerindustrie."
Tellef sagt: "Das Wärmekraftwerk Schwatze Pumpe lag auch in Bitterfeld. Es ist eben abgerissen worden."
Torjan [zu Anne_E]: "Genau - das ist das eine - Bitterfeld als eine der dreckigsten Städte Europas"
Solfrid ist eingestiegen.
Solfrid ist soeben ausgestiegen.
Tellef sagt: "r"
Torjan sagt: "Und außerdem auch die Stadt, nach der ein wichtiges Element der DDR-Kulturpolitik seinen Namen erhalten hat - der Bitterfelder Weg."
Solfrid ist eingestiegen.
Torjan fragt: "In der BRD hatte man den Roman am Anfang in erster Linie als Ökoroman gelesen. Was stellt ihr euch zu dieser Charakteristik?"
Frode_R kommt.
Gro_L sagt: "Die Schriftsteller sollten in der Industrie arbeiten, die Arbeiter sollten schreiben. Aber deine Frage kann ich nicht beantworten"
Anne_E sagt: "Ich denke dass, der bessere Teil dieses Buches ist"
Torjan [zu Anne_E]: "Das musst du begründen"
Tellef sagt: "Ich habe leider noch nicht alles gelesen, aber es geht wohl auch um die Pressefreiheit."
Torjan [zu Tellef]: "Das ist richtig - und es ist wohl auch wichtiger als die Umweltproblematik."
Solfrid sagt: "Für mich ist dies kein Ökoroman, das ist nur der Rahmen"
Tore_T sagt: "Es ist auf einer Ebene ein Ökoroman. Aber "Flugasche" symbolisiert mehrere Dinge."
Oddny sagt: "In Flugasche wird zwischen alter/schmutziger und neuer/sauberer Industrie unterscheidet"
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig gesehen."
Torjan [zu Oddny]: "Das ist richtig - "Flugasche" hat dabei, wie wir sehen werden, sicher auch eine doppelte Bedeutung."
Anne_E ruft: "Der Teil über das Frauenleben in Berlin ist sclicht langweilig, immer nur jammern!"
Torjan erzaehlt: "Die Umweltproblematik erscheint nur als Symptom einer Enthumanisierung, die sich nur schwer mit der DDR als sozialistischem Staat in Übereinstimmung bringen lässt."
Torjan [zu Anne_E]: "Das ist ein starkes Stück - ich weiß nicht, ob ich dem ohne weiteres zustimmen würde."
Solfrid sagt: "Wie in vielen Romane finde ich auch hier ist das Hauptthema - Macht und Liebe"
Torjan [zu Solfrid]: "Nicht schlecht gesagt."
Torjan fragt: "Könnt ihr euch vorstellen, warum der Roman nie in der DDR erscheinen konnte?"
Anne_E sagt: "Ich denke er war zu kritisch"
Geir sagt: "Der Inhalt wurde nicht genehmigt."
Torjan [zu Geir]: "Was war das Problematische am Inhalt?"
Tellef sagt: "Er ist kritisch gegenüber der Gesellschaft."
Solfrid sagt: "Ich denke, der einzelne gegen die "Macht" ist zu deutlich gewesen"
Geir sagt: "Der Kritik, Mangel an Pressefreiheit, usw."
Gro L ist soeben ausgestiegen.
Gro L ist eingestiegen.
Tore_T sagt: "Der wohlmeinende Kritiker wird zum Zweigen gebracht."
Torjan [zu Geir]: "Kann schon stimmen - das Wesentliche ist wahrscheinlich das Bild, das von einem Staat gegeben wird, in dem nicht mit dem Einzelmenschen gerechnet wird..."
Solfrid sagt: "Das "ich-denken" steht stark im Vordergrund, verdrängt das Wir -"
Torjan sagt: "und in dem der Kontakt zwischen Individuum und Staatsführung verloren gegangen ist."
Torjan [zu Solfrid]: "Ist das positiv oder negativ?"
Solfrid sagt: "Für das sozialistische System wahrscheinlich negativ - da muss das "wir" denken stark sein"
Torjan [zu Solfrid]: "Also Kollektivdenken statt Individuallösungen."
Anne_E sagt: "Maron kritisiert ja damit die Energiepolitik der DDR"
Torjan sagt: "Und Josefa verstößt teilweise gegen das Kollektivdenken, indem sie sich nicht einordnen will."
Torjan [zu Anne_E]: "das ist richtig - aber es ist kein wesentlicher Punkt im Roman."
Torjan erzaehlt: "Noch 1987 hieß es, mit der Publikation der Romane von Monika Maron, sei aus "literarischen Qualitätsgründen" nicht zu rechnen. Könnt ihr euch vorstellen warum?"
Solfrid erzaehlt: "ja, und für eine Gesellschaft ist es immer eine herausforderung das Kollektive zu haben - und dabei nicht so dass sich der Einzelmensch verloren fühlt. In Flugasche f¨ühlt sich Josefa in vielen Situationen verloren"
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig - warum?"
Anne_E sagt: "Das Bitterfelder kollektiv muss mit den Umweltscden leben"
Torjan [zu Anne_E]: "Das stimmt schon - aber Josefas realistische Beschreibung des Kraftwerks ließe sich auch mit der Parteilinie vereinbaren."
Torjan fragt: "Denn wer hat das Kraftwerk erbaut?"
Tore_T sagt: "Mit Qualität wurde alllmählich politische Korrektheit gemeint."
Solfrid sagt: "Josefa will einfach ihre eigene Identität finden"
Torjan [zu Tore_T]: "Das ist richtig."
Torjan [zu Solfrid]: "Genau.Dabei zeigt der Roman die Gefahren, die mit dem Erzählen der Wahrheit verbunden sein und die Mechanismen, die dazu beitragen, einen unbequemen Mitmenschen auszuschalten und unschädlich zu machen."
Anne E ist soeben ausgestiegen.
Torjan sagt: "Das Kraftwerk ist ein altes Kraftwerk aus dem Jahre 1895 oder 1890 - also ein Überbleibsel der alten kapitalistischen Zeit."
Anne_E geht ins Mellomfags-Atelier.
Anne_E kommt.
Torjan sagt: "Es gibt im Flugasche-Archiv ein Dokument dazu."
Torjan sagt: "Das Kraftwerk gewissermaaßen als ein Rest der kapitalistischen Zeit, den man noch nicht hat beseitigen können."
Torjan sagt: "Wir werden langsam anfangen, uns mit dem Text zu besczhäftigen."
Torjan [zu Else2]: "Wie fängt der Roman an?"
Anne E ist eingestiegen.
Anne_E geht ins Mellomfags-Atelier.
Anne_E kommt.
Torjan fragt: "Anders gesagt: Worum geht es im ersten Kapitel?"
Ingeborg_A sagt: "Er fängt mit einer Beschreibung von den Grosseltern an"
Else2 sagt: "Die Hauptperson Josefa erzählt von ihren Grosseltern und ihrer Kindheit"
Oddny sagt: "Josefa erzählt von ihrer Familie; GroBmutter/vater"
Torjan [zu Oddny]: "Und warum dieses Interesse für die Großeltern?"
Oddny sagt: "sie hatten fast eine Glorie gehabt"
Anne_E fragt: "Warum wählt sie sich einen jüdishen Grossvater?"
Oddny sagt: "und diese Glorie wurde zerrissen"
Solfrid sagt: "Josefa will sich mit dem "verrückten" Grossvater identifisieren"
Tore_T sagt: "Josefas GroBvater war "verrükt" - besaB einen Unwillen, sich einzuordnen."
Ingrid_J sagt: "das Leben ihres Grossvaters ist viel spannender als Josefas"
Ingeborg_A sagt: "Vielleicht um zu zeigen, dass sie ein Aussenseiter sei, Anne"
Torjan sagt: "Genau - der Großvater als der "Verrückte", der Mensch, der sich nicht einordnen wollte."
Tore_T sagt: "Josefa wollte ihrem G,vater ähneln."
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Du heißt meine Kommentarrolle übernommen - schön."
Tellef fragt: "Die Juden wurden verfolgt, gibt es hier einen Paralell?"
Ingeborg_A sagt: "Entschuldigung"
Torjan zeigt Dia 3.
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S. 9
Der Großvater war verträumt, nervös, spontan, jähzornig.
[...]
Die Verrücktheit des Großvaters war verlockend. Verrückte Menschen erschienen mir freier als normale. Sie entzogen sich der lästigen Bewertung durch die Mitmenschen, die es bald aufgaben, die Verrückten verstehen zu wollen.
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Torjan [zu Ingeborg_A]: "Nichts zu entschuldigen - es war gut so."
Anne_E sagt: "Wenn man bedenkt wie schwierig die Juden es hatten in der DDR, find ich es merkwürdig"
Torjan [zu Tellef]: "Sicher"
Ingeborg_A sagt: "Ich glaubte, dass du die frage nicht gesehen hatte"
Ingeborg_A sagt: "F"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Doch, aber ich kann nicht drei Fragen gleichzeitig beantworten oder kommentieren."
Ingeborg_A sagt: "Nein, das ist nicht schwer zu verstehen"
Torjan sagt: "Hier sollte man auch bedenken, dass Monika Maron wirklich einen jüdischen Großvater hatte"
Solfrid ruft: "interessant!"
Torjan sagt: "Das Dia, das ich soeben gezeigt habe, deutet diese Identifizierung mit dem Großvater an."
Tore_T sagt: "Könntest du uns biographisches Stoff über Monika Maron geben? Das wäre interessant."
Torjan sagt: "Sehr schön ist ihr letzter weitgehend dokumentarischer Text über ihren Familienhintergrund: "Pawels Briefe"
Else2 sagt: "Josefa sagt auch, dass sie keine Deutsche sein wollte"
Torjan [zu Else2]: "Wo steht das"
Else2 sagt: "ganz oben an Seite 11"
Torjan [zu Else2]: "Du hast recht - gut gesehen."
Anne_E sagt: "Der Name Jssef(a) ist interesant für eine Jüdin"
Torjan sagt: "Hier verbindet Josefa die Abneigung gegen das Deutsche auch mit der Abneigung der Großeltern gegen das Preußische"
Ingeborg A ist soeben ausgestiegen.
Torjan sagt: "Der Großvater als das Gegenteil von allem, was preußisch war."
Torjan sagt: "Zu Anne Pass auf - Josefa war der Name der Großmutter, und die war keine Jüdin"
Torjan sagt: "Aber sie hielt zu ihrem jüdischem Mann - Solidarität der Liebe."
Anne_E fragt: "Sie heisst doch auch so?"
Torjan sagt: "Die Unruhe des Großvaters wird als etwas Positives gesehen in einer Welt edr Monotonie."
Torjan [zu Anne_E]: "Doch - aber das heißt nicht, dass sie sich als Jüdin betrachtet."
Anne_E sagt: "Sie hat sich gew¨unscht eine Halbjüdin zu sein"
Torjan fragt: "Guckt euch den Schluss des 1. Kaitels an (S. 12) Kommentare dazu?"
Solfrid sagt: "Verrückheit gibt eine Möglichkeit, frei zu sein"
Torjan [zu Anne_E]: "Das scon - aber ist es nicht."
Torjan [zu Solfrid]: "Das ist richtig - das ist auch ein altes literarisches Motiv."
Tore_T sagt: "Ja - J fürchtet die Monotonie."
Tellef sagt: "Ihr Leben ist langweilig."
Torjan [zu Tellef]: "Nicht unbedingt - aber sie fürchtet die Langeweile, die Monotonie"
Anne_E sagt: "Die Suche nach dem Sinn des Leben"
Ingrid_J sagt: "Sie ist fast neidisch, findet der verrückte Grossvater hatte mindestens etwas zu fürchten."
Torjan [zu Ingrid_J]: "Gut gesagt."
Oddny sagt: "sie spricht von Angst"
Torjan [zu Frode_R]: "Welche Gründe könnte es für diese Furcht geben?"
Frode_R sagt: "Ich muss heute leider passen, habe noch nicht viel gelesen. Bin froh, dass die Technik überhaup jetzt klappt."
Solfrid sagt: "es ist eine eksistenzielle Frage - lebe ich oder eksistiere ich - vorm dem Eksistenz hat Josefa Angst"
Torjan sagt: "Es kann sich um private und um "öfentliche" Gründe handeln."
Oddny sagt: "Macht"
Torjan [zu Frode_R]: "In Ordnung - bin froh, dass du antwortest."
Torjan [zu Solfrid]: "Das kann schon stimmen."
Tore_T sagt: "Gehorsamkeit. Ruhe. Keine Aufruhr. Ein solches Leben fürchtete sie."
Anne_E sagt: "Sie empfindet ihr berufliche und private Leben als Sinnlos+"
Geir sagt: "Eine stark geregelte Gesellschaft lässt den Bürgern nichts erfahren und selber lernen."
Torjan sagt: "Viele gute Kommentare"
Geir meint: "Josefa muss also das geregelte Leben des grossartigen Staates leben..."
Torjan fragt: "Welche Möglichkeiten gibt es, wenn man in einer solchen Gesellschaft lebt?"
Torjan [zu Geir]: "Genau - und was können die Folgen sein?"
Solfrid sagt: "sich anpassen"
Gro_L sagt: "Sich einordnen oder unzufrieden bleiben"
Geir meint: "Man muss sich einordnen. Keine Initiative zeigen..."
Anne_E sagt: "Man kann ein"Nischenleben"führen"
Torjan [zu Anne_E]: "Und das heißt?"
Tellef sagt: "Entweder muss Man sich einordnen, oder Man bekommt grosse Schwierigkeiten"
Geir sagt: "dann wird das Leben langweilig."
Anne_E sagt: "Mit den anderen Unangepassten sich treffen"
Torjan [zu Tellef]: "OK - um welche Schwierigkeiten könnte es sich handeln?"
Torjan [zu Anne_E]: "Das war allerdings nicht unproblematisch."
Tellef sagt: "Z.B.die Arbeit verlieren."
Solfrid sagt: "man wird übersehen, überhört -"
Ingrid_J sagt: "Keine Ausreise für Aufrührer"
Torjan [zu Tellef]: "OK - aber das heißt nicht, dass man arbeitslos wurde - was könnte passieren?"
Torjan [zu Ingrid_J]: "Für einen Normalbürger war eine Reise ins Ausland undenkbar - außer in ein sozialistisches Freundesland."
Tellef sagt: "Es gab in der DDR Arbeit für alle, aber man wurde vieleicht degradiert."
Torjan sagt: "Luise deutet es einmal in einem Gespräch mit Josefa an."
Else2 fragt: "vielleicht aus der Partei ausgeschlossen ?"
Anne_E sagt: "Als Künstler, Schriftsteller gab es in 1982 Vorbilder, und es gab Leute die z.B gegen Biermanns Ausbügerung protestierten."
Oddny fragt: "man konnte degradiert werden ?"
Torjan [zu Tellef]: "Richtig - ab in die Produktion - von Journalistin zu Industrearbveiterin z.B."
Torjan [zu Anne_E]: "Und die bekamen auch Probleme"
Torjan sagt: "Ein Parteiausschluss ist auch möglich."
Anne_E fragt: "Ja- aber hat nicht Josefa Probleme?"
Geir fragt: "Aber in einer Arbeiterstaat, wäre es ja keine Strafe, in die Produktion zu gehen?"
Oddny sagt: "erstens wurde sie nicht in die Partei aufgenommen"
Torjan [zu Anne_E]: "Am Anfang erscheint sie als eine zwar nicht ganz bequeme, aber doch wohlintegrierte Mitarbeiterin in der Illustrieretn Woche."
Anne_E sagt: "Josefa wollte nicht als Arbeiterin tätig sein"
Torjan [zu Geir]: "Da hast du recht - aber für einen Intellektuellen wurde es doch als eine Disziplinierungsmaßnahme aufgefasst."
Ingrid_J sagt: "In einer Arbeiterstaat wäre es wohl doch eine Strafe, in die Produktion zu gehen - wenn man erst als Journalist oder Künstler gearbeitet hat"
Torjan sagt: "Sie bekommt nun die Aufgabe, einen Bericht über die Stadt B. zu schreiben."
Torjan [zu Ingrid_J]: "Und was erwartet sie sich von dem Besuch in B.?"
Ingeborg_A kommt.
Anne_E sagt: "Die Idee was kritisches zu schreiben ist aber früher da"
Torjan [zu Anne_E]: "Das schon - aber der Besuch in der Stadt ist doch anders als sie es sich vorgestellt hat."
Ingrid_J sagt: "Sie findet es aber schwierig, weil die Betriebsleiter normalerweise nur die schöne Seite zeigen"
Solfrid sagt: "Nicht besonders, das übliche bla-bla"
Anne_E sagt: "Sie erwatet etwas über ein verdienter Arbeiter zu schreiben"
Torjan [zu Ingid]: "Genau - die Wirklichkeit überrascht sie gewissermaßen"
Tellef sagt: "Wenn ich mich richtig erinnere, erwartet sie sich nur gewönliche Reden vom Direktör."
Torjan sagt: "Sie will die Wahrheit schreiben - was nicht unbedingt mit Kritik identisch ist."
Ingrid_J sagt: "Normalerweise schreibt sie über Preise, die besonders gute Arbeiter kriegen."
Anne_E sagt: "In der Zeitung ist meistens die Wahrheit kritisch"
Torjan [zu Anne_E]: "Nicht unbedingt - zu Kritik gehört auch eigen Stellungnahme."
Torjan sagt: ""Josefa schreibt die Dinge, wie sie sind und bricht mit den "Regeln des Spiels"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Wie sieht die >Beschreibung von B. aus, die im 2. Kapitel gegeben wird?"
Ingeborg_A sagt: "Das war eine schwere Frage"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Eine Andeutung genügt mir."
Ingrid_J sagt: "Dreckig"
Oddny sagt: "B ist schmutzig"
Torjan sagt: "Viel zu schwach."
Ingeborg_A sagt: "Dreckig und smutzig,"
Torjan zeigt Dia 5.
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S. 20
Wie ein Golem, denke ich, ein unheimlicher Koloß, zwar gebändigt, aber in jedem Augenblick bereit, sich loszureißen, auszubrechen und mit heißem Atem alles niederzubrennen, was ihm vor die giftgrünen Augen kommt.
[...]
Erbaut 1890 oder 95, was machen die fünf Jahre schon aus. Damals war es neu, jetzt ist es verschlissen, vor zwanzig Jahren heizte ein Heizer zwei Öfen, jetzt heizt er vier, und die meisten Heizer sind inzwischen Frauen. Dafür sind wir jetzt ein sozialistisches Kollektiv. Ist das der Fortschritt, Luise?
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Tore_T sagt: "Lebensgefährlich für die Einwohner."
Anne_E sagt: "Kinder mit weissen Kleidern in einem schmutzigen Ort"
Torjan [zu Tore_T]: "Genau - ein Ungeheuer - ewas Menschen- und Lebensfeindliches."
Torjan fragt: "Kommentare zur Beschreibung des Kraftwerks in diesem Dia?"
Ingrid_J sagt: "Die Arbeiter müssen ständi harter arbeiten"
Ingrid_J sagt: "g"
Anne_E sagt: "Die Männer haben jetzt bessere Arbeiten"
Geir sagt: "Alle müssen beitragen."
Torjan [zu Ingrid_J]: "Richtig - und sie stellt Luise die Frage, ob dies ein Fortschritt sei."
Ingrid_J sagt: "Die Gesellschaft bedeutet mehr als der Einzelmensch"
Torjan [zu Geir]: "Das ist auch richtig - aber was ist das Resultat?"
Solfrid sagt: "hier wird ja auch eine wichtige Frage betr. Frauen gestellt"
Geir sagt: "Alle sollen zu dem Bau der neuen Staat beitragen."
Anne_E sagt: "Hie benutzt sie auch das j¨ische Wort(erzälung)Golem"
Ingrid_J sagt: "Die Arbeiter sind erschöpft und krank"
Torjan sagt: "Alles richtig - aber hier wird ncht etwas Nues gebaut - das Kraftwerk ist uralt - ein Überbleibsel der kapitailistischen Zeit."
Geir fragt: "Der Kapitalismus ist also Schuld an den Schwierigkeiten in B.?"
Torjan [zu Ingrid_J]: "Sehr kritische Textstelle, weil hier die Arbeit im sozialistischen Kollektiv nicht unbedingt als etwas Positives gesehen wir."
Ingrid_J sagt: "Für die Arbeiter ist die Arbeit aber schwerer geworden als in der kapitalistischen Zeit"
Solfrid sagt: "Die Gesellschaft wird weiter geführt in der gleichen Richtung wie früher"
Oddny sagt: "aber jetzt könnten auch die Frauen arbeiten,"
Oddny fragt: "Fortschritt oder nicht ?"
Solfrid sagt: "Die Gesellschaft, mit Männern an der Spitze, legt heute wie früher wert auf die sogenannten "harten" Werte - schaffe - schaffe"
Oddny sagt: "trotzdem.., meine ich"
Torjan [zu Geir]: "Nicht unbedingt - aber in der DDR hatte meine eine Tendenz die Umweltverschmutzung dadurch zu entschuldigen, dass es einem nch nicht gelunge war, die Altlasten des kapitalischen Systems durch neuere und bessere Methoden und Techniken zu ersetzen."
Torjan [zu Solfrid]: "Ja, die bösen Männer..."
Torjan [zu Anne_E]: "Jetzt darfst du erklären, was ein Golem ist."
Oddny sagt: "man brauchte es (das alte - kapitalistische) trotzdem ständig neue KW gebaut wurden"
Solfrid sagt: "heute - heisst zur Zeit des Romanes"
Frode_R erzaehlt: "Hinter den Zeilen steht: Für was ist der sozialistische Staat da, wenn er nicht einmal dieses alte überbleibsel von der alten kapitalistischen Zeit hat beseitigen können?"
Torjan [zu Solfrid]: "Das ist richtig"
Geir sagt: "In der sozialistischen Staat war alles möglich: 'Auch ohne Gott und Sonnenschein, bringen wir die Ernte ein' (Losung, 1952)."
Torjan [zu Frode_R]: "Ins Schwarze getroffen - sehr gut formuliert."
Frode_R fragt: "Was hat dies Staatsordnung neues/besseres gebracht?"
Anne_E sagt: "Rabbi Löw in Prag hat ein Lehmfigur im Leben gerufen, die sich rechen konnte"
Anne_E sagt: "zum Leben"
Ingeborg_A fragt: "Und ein Lehmfigur bedeutet?"
Torjan [zu Frode_R]: "Das ist im Grunde genommen eine der Fragen, die im Roman gestellt werden und die dazu beitrugen, dass er in der DDR nicht veröffentlicht werden konnte."
Anne_E sagt: "Menschengemachtes Monster"
Torjan sagt: "Ein Golem kann ein Helfer sein - aber auch ein Rächer - eine Furcht erregende Figur."
Ingeborg_A sagt: "Danke"
Torjan sagt: "Die Stadt B - die Industrie als etwas Monströses."
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Lehm = leire"
Torjan zeigt Dia 4.
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S. 16
Ach, Luise, du warst klug wie immer. Du hast gewußt, warum du mich mit Optimismus und Arbeitsfreude gepolstert hast, ehe du mich in dieses jammervolle Nest schicktest. Diese Schornsteine, die wie Kanonenrohre in den Himmel zielen und ihre Dreckladung Tag für Tag und Nacht für Nacht auf die Stadt schießen, nicht mit Gedröhn, nein, sachte wie Schnee, der langsam und sanft fällt, der die Regenrinnen verstopft, die Dächer bedeckt, in den der Wind kleine Wellen weht.
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Solfrid fragt: "In einem kapitalistischen System, ist der Arbeiter da um Reichtum für die Reichen zu machen - für wen schufftet der Arbeiter in B.?"
Ingeborg_A fragt: "Danke. Ist der Lehmfigur groB?"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Unförmlich und groß - viel größer als ein Mensch"
Ingeborg_A sagt: "OK, danke"
Anne_E sagt: "Bei Rabbi L¨w. menschengrösse"
Torjan meint: "In diesem Textauszug geht es um die Flugasche, die nicht nur als Industrieverschmutzung aufgefasst werden kann..."
Torjan sagt: "sondern auch als alles, was den Menschen in der DDR bedroht."
Torjan [zu Anne_E]: "Rabbi Löw ist nicht der einzige, der einen Golem geschaffen hat."
Torjan zeigt Dia 6.
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S. 21
Jede Woche steht etwas in der Zeitung über B., über ein neues Produkt, über eine Veranstaltung im Kulturpalast, über vorfristig erfüllte Pläne, über den Orden des Kollegen Soundso. Nichts über das Kraftwerk, kein Wort von den Aschekammern, die das Schlimmste sind.
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Torjan [zu Tellef]: "Was kann man also in den Zeitungen lesen?"
Torjan sagt: "Und das bezieht sich nicht nur auf die Stadt B."
Tellef sagt: "Ich glaube über positive Sachen"
Oddny sagt: "wie schön und erfolgreich B ist"
Torjan [zu Tellef]: "Genau."
Torjan sagt: "Das muss nicht unbedingt eine Lüge sein"
Geir sagt: "Nur was dem Staat nützte."
Torjan [zu Geir]: "Kann man auch sagen"
Oddny sagt: "was schmutzig ist, wird nicht erzählt"
Torjan sagt: "Dazu gibt es auch ein kleines Dokument im Flugasche-Archiv"
Oddny sagt: "oder was nicht gut ist.."
Solfrid sagt: "Es nutzt eine Gesellschaft, sich um das positive zu konzentrieren, das gibt optimismus"
Torjan sagt: "Josefa ist schon einmal kritisiert worden, weile sie eine Reportage geschrieben hatte, in der es zu viel Realismus gab."
Torjan [zu Solfrid]: "Ok - aber was passiert, wenn immer nur optimistische Berichte erscheinen?"
Solfrid sagt: "keiner ist kritisch"
Ingeborg_A sagt: "Kritische Menschen werden anfangen, Fragen zu stellen"
Torjan sagt: "Solche Berichterstattungen tragen dazu bei, dass sich Individuum und Staat entfremden."
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Du warst schneller als ich."
Tore_T sagt: "Die Wahrheit wird übersehen."
Torjan fragt: "Und wo hat man die Wahrheit gefunden?"
Anne_E sagt: "Kritik wird öffentlich tabuisiert"
Oddny sagt: "im Alltag"
Tellef sagt: "Niemand glaubt mehr an was geschrieben wird."
Torjan [zu Tellef]: "Das ist richtig - poder man hat die Wahrheit zwischen den Zeilen gefunden."
Torjan sagt: "das heißt in dem, was nicht geschrieben wurde."
Solfrid sagt: "Die Wahrheit ist für JOsefa sowie sie es sieht und erlebt und das dart sie nicht schreiben"
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig"
Solfrid sagt: "Die Wahrheit hat nicht der Einzelmensch, nur die Gesellschaft"
Geir erzaehlt: "Flugasche und Schmutz hatten wahrscheinlich nicht zum Erfüllen eines Plans beigetragen - und wurden auch nicht öffentlich beschrieben. Dies hat aber einige Bürger verstanden."
Torjan erzaehlt: "Nun sollzte auch hinzugefügt werden, dass die Literatur aus diesem Grund nteilweise einen nicht unwichtige Rolle gespielt hatte, da hier Dinge zur Diskussion gestellt werden konnte, die nicht immer in der Tagespresse behandelt werden konten."
Torjan [zu Geir]: "genau."
Torjan fragt: "Christian, Josefas Freund schlägt eine Lösung vor - habt ihr gesehen welche?"
Solfrid sagt: "Zwei Artikeln zu schreiben"
Torjan sagt: "Genau"
Else2 sagt: "sie sollte zwei Varianten schreiben"
Tellef sagt: "Sie soll 2 Berichte schreiben."
Oddny sagt: "dass sie zwei Artikeln schreiben soll"
Torjan zeigt Dia 7.
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S. 24
"Was willst du schreiben?" fragt Christian.
"Ich weiß nicht."
"Schreib doch zwei Varianten. Die erste, wie es war, und eine zweite, die gedruckt werden kann."
Das sei verrückt, sage ich, Schizophrenie als Lebenshilfe - als wäre kultivierte Doppelzüngigkeit weniger abscheulich als ordinäre. Ein zynischer Verzicht auf Wahrheit. Intellektuelle Perversion.
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Anne_E sagt: "In der Westpresse war doch dasProblem Bitterfeld längst bekannt, und dadurch auch durc Fernsehen in der DDR"
Tore_T sagt: "Sie sollte zwei Versionen schreiben"
Torjan [zu Anne_E]: "Richtig - aber das heißt nicht, dass man es in den DDR-Medien offen darstellen durfte."
Torjan sagt: "Wir haben es mit einem Problem zu tun, das in dieser Textstelle angedeutete wird"
Torjan sagt: "eine scizophrene Haltung zur Wirklichkeit, die fürchterliche Konsequenzen bekommen kann."
Ingrid_J sagt: "die Zensur und Selbstzensur"
Torjan sagt: "Die Medien-Schizophrenie gibt es auch bei uns - hier allerdings in anderen Formen."
Anne_E sagt: "Der Hinweis auf Ordinäre Doppelzüngigkeit"
Torjan sagt: "Jetzt brauchen wir eoine kleine Pause"
Oddny erzaehlt: "die Arbeiter müssen doch Niederlage spüren, wenn alle andere Werke (der Zeitungen nach) Erfolge haben, und sie sehen/wissen wie schmutzig/ Schlecht ihr Werk ist"
Ingeborg_A fragt: "15 minuten?"
Ingeborg A ist soeben ausgestiegen.
Torjan fragt: "Ich zeige euch eine neue Textstelle und wir machen weiter 19.15 OK?"
Tore T ist soeben ausgestiegen.
Torjan zeigt Dia 8.
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Eines Tages gründe ich mein Haus, ein großes Mietshaus, in dem nur Leute wohnen, die miteinander befreundet sind. Nicht so eine künstliche Hausgemeinschaft, die immer nur Zäunchen baut und in der jeder Mühe hat, sich seine Nachbarn schönzugucken. Acht oder neun oder zehn Parteien, jeder hat seine eigene Wohnung, man kann allein sein, muß aber nicht. An den Türen hängen Schilder, auf der einen Seite rot, auf der anderen grün. Bei Grün darf man klingeln, Rot heißt: nicht stören. Zu Weihnachten und zu Geburtstagen kocht jede einen Gang. Der Boden wird ein Spielzimmer für die Kinder. Niemand muß von einer Dienstreise in eine kalte Wohnung kommen. Und wenn einer ein Buch schreiben will, kann er aufhören zu arbeiten, und die anderen bezahlen ihm einen einjährigen Arbeitsurlaub. Wenn jeder fünfzig Mark gibt, hat er ein Mordsstipendium. Dafür hütet er manchmal die Kinder. Und wenn das Buch ferig ist, kann er vorn reinschreiben, daß er uns allen dankt. Wenn keiner es drucken will, ist es auch nicht schlimm, dann liest er es den anderen vor.
Heute hätte ich mein Schild auf die grüne Seite gedreht.
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Anne_E sagt: "Ich bedauere wenn ich etwas zu kritisch war, aber ich tue mir schwer mit Maron"
Solfrid sagt: "Wer das Recht auf der Wahrheit haben soll - ist immer eine Herausforderung für eine Gesellschaft"
Torjan [zu Anne_E]: "Ich habe nichts gegn kritische Stimmen - schließlich bin ich kein Siegfried Strutzer"
Geir ist soeben ausgestiegen.
Anne_E sagt: "zu Solfried würde hier zu weit führen, und ich will euch das Bush nicht vergällen"
Anne E ist soeben ausgestiegen.
Else2 ist soeben ausgestiegen.
Torjan fragt: "Hallo Leute - da bin ich wieder. Wollen wir wieder anfangen?"
Frode_R ruft: "OK!"
Tellef sagt: "Ja, schön."
Gro_L sagt: "Josefas Traumhaus hört sich nach Kardekommeby an"
Ingrid_J sagt: "Ja"
Ingeborg_A kommt.
Torjan fragt: "Ich habe euch einen Textauszug gezeigt - gibt es Kommentare dazu?"
Geir kommt.
Oddny sagt: "ein Traumwelt"
Tellef sagt: "Ein Märchenhaus."
Ingrid_J sagt: "Es ist eine kleine sozialistische Gesellschaft - mit Raum für den Einzelmenschen"
Frode_R sagt: "Sie stellt irgendwie (aufs neue) der ideale Sozialiststaat dar"
Torjan fragt: "OK - wie würdet ihr diese Utopievorstellung caharakterisieren?"
Torjan [zu Frode_R]: "Genau richtig!"
Gro_L sagt: "Genau so unrealistisch wie der Kommunismus"
Ingeborg_A fragt: "Kannst du den Textaussug wieder zeigen?"
Torjan zeigt Dia 8.
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Eines Tages gründe ich mein Haus, ein großes Mietshaus, in dem nur Leute wohnen, die miteinander befreundet sind. Nicht so eine künstliche Hausgemeinschaft, die immer nur Zäunchen baut und in der jeder Mühe hat, sich seine Nachbarn schönzugucken. Acht oder neun oder zehn Parteien, jeder hat seine eigene Wohnung, man kann allein sein, muß aber nicht. An den Türen hängen Schilder, auf der einen Seite rot, auf der anderen grün. Bei Grün darf man klingeln, Rot heißt: nicht stören. Zu Weihnachten und zu Geburtstagen kocht jede einen Gang. Der Boden wird ein Spielzimmer für die Kinder. Niemand muß von einer Dienstreise in eine kalte Wohnung kommen. Und wenn einer ein Buch schreiben will, kann er aufhören zu arbeiten, und die anderen bezahlen ihm einen einjährigen Arbeitsurlaub. Wenn jeder fünfzig Mark gibt, hat er ein Mordsstipendium. Dafür hütet er manchmal die Kinder. Und wenn das Buch ferig ist, kann er vorn reinschreiben, daß er uns allen dankt. Wenn keiner es drucken will, ist es auch nicht schlimm, dann liest er es den anderen vor.
Heute hätte ich mein Schild auf die grüne Seite gedreht.
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Tore_T kommt.
Frode_R sagt: "Sie scheint zu meinen: Nocht das Ideal ist falsch, sondern nur die Ausführung"
Ingeborg_A sagt: "Danke"
Frode_R sagt: "Nicht"
Torjan [zu Frode_R]: "Dem stimme ich vollkommen zu."
Torjan sagt: "J.s Traum von nicht-unterdückenden menschlichen Beziehungen"
Else2 kommt.
Ingrid_J sagt: "Und in ihrer Vorstellung von Gemeinschaft sind alle Freunde"
Torjan sagt: "Hier wäre die Schizophrenie des Alltags verschwunden."
Frode_R ruft: "Ja, schön wäre's!"
Torjan sagt: "Dies erinnert auf der einen Seite an eine kommunistische Utopie"
Torjan sagt: "auf der anderen Seite sind haben wir auch"
Torjan sagt: "sind auch Berührungspunkte zur Frauenbwegeung und zum lternativdenken vorhanden"
Ingrid_J sagt: "Ja, wie in der 70 Jahren"
Torjan sagt: "Wir machen weiter mit dem 3. Kapitel."
Torjan [zu Ingrid_J]: "Worum geht es in erster Linie in dem 3. Kap.?"
Ingrid_J sagt: "Sie besucht Christian, den Freund"
Ingeborg_A sagt: "Sie ist mit ihm intim gewesen, und fürchtet, das die Freudschaft zerstört sei"
Else2 sagt: "und auch ihre Unsicherheit ihn gegenüber"
Ingrid_J sagt: "Zum ersten Mal hat sie Angst, um ihn zu besuchen"
Torjan sagt: "Gute Kommentare - ab jetzt wird die Angst immer deutlicher - auch auf der persönlichen Ebene"
Torjan sagt: "Josefa ist dabei auch eine Person, die leicht neurotisch erscheint."
Torjan [zu Solfrid]: "Und was steht hier neben dem Freund im Zentrum des Interesses?"
Solfrid sagt: "wie bitte ich verstehe die Frage nicht"
Ingeborg_A fragt: "Seine Eltern?"
Torjan fragt: "anders gesagt: Welchen anderen Aspekt von J.s Leben lernen wir kennen?"
Tellef fragt: "Ihre Sehnsucht nach einer eigenen Familie?"
Torjan [zu Tellef]: "Jein - ich dachte an die anderen Redaktionsmitglieder, an die Arbeit in der Illustrierten Woche."
Tellef sagt: "Ich habe mich geirrt."
Ingeborg_A [zu Tellef]: "aber sie spricht mit einer Frau, und behauptet ganz ohne Interesse für eine Ehe"
Torjan fragt: "Welches Bild wird von der Redaktion gegeben?"
Ingeborg_A sagt: "zu sein"
Ingeborg_A sagt: "Ganz unsympatisch"
Solfrid sagt: "Die Redaktion ist "Angstvoll" - es herrscht kein Vertrauen"
Torjan [zu Ingeorg]: "Ich wollte nicht andeuten, dass das Persönliche hier nicht vorhanden ist"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Sind alle unsympatisch?"
Torjan [zu Solfrid]: "Und warum nicht?"
Ingeborg_A sagt: "Nein, der Mann, der im KZlager war, wird ganz sympatisch beschreiben"
Solfrid sagt: "man darf nicht frei sprechen und denken"
Geir sagt: "Wenn ihr Name genannt wird, fühlt J. sich wie in der Schule. Sie wird unsicher."
Torjan [zu Solfridhier]: "eine Reaktion eines Mitarbeiters auf seine Arbeitsituation"
Ingeborg_A sagt: "Rudi Goldammer ist sein Name"
Torjan zeigt Dia 9.
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S. 63
"Ich habe diese ganze Scheiße satt. Diese Arschlöcher. Schleimscheißende Kriechtiere. Alles fette Ärsche und hohle Eierköpfe, Hirnaussauger!"
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Oddny sagt: "ihre Reportage über B wurde diskutiert"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Richtig - aber er benimmt sich auf eine Art und Weise, die es den anderen möglich macht, Macht auszuüben."
Torjan [zu Oddny]: "Richtig - und zu welcher Konklusion kommt man?"
Ingeborg_A sagt: "Genau, du hast es wie immer, sehr gut formuliert"
Solfrid sagt: "das ist die generelle Stimmung unter den Mitarbeitern - einige haben sich gut angepasst - andere sind "geheilt" worden"
Oddny sagt: "sie wusste dass die Reportage wahrscheinlich nicht veröffentlich wurde"
Torjan [zu Solfrid]: "Geheilt" - das klingt gut - kannst du das kommentieren?"
Solfrid sagt: "Beispiel ist ja der junge Mann, der eine Zeit im "klinik" war"
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig - es sieht fast aus, als hätte man eine Gehirnoperation an ihm durchgeführt - Lobotomie vielleicht."
Ingeborg_A fragt: "In Ernst?"
Solfrid sagt: "ja, so habe ich das verstanden - (das hat man auch in unsere Gesellschaft mit "unmögliche" Leute gemacht)"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Ich weiß es nicht genau, aber er hat eine rote Narbe über die Stirn (oder war es die Schläfe)( - ich werde später nachschauen."
Ingeborg_A sagt: "danke"
Torjan fragt: "Hat jemand entdeckt, wie J. reagiert, nachdem sie das Manuskript beendet hat?"
Torjan sagt: "Da sind alle stumm geworden."
Else2 sagt: "sie wusste, dass sie nur die Wahrheit schreiben konnte"
Oddny fragt: "sie glaubte dass sie fliegen konnte ? eine hallusination ?"
Torjan [zu Oddny]: "Richtig - die erste surrealistische Szene im Roman."
Torjan sagt: "S. 70-73"
Torjan [zu Oddny]: "Was wird durch eine solche Szene ausgedrückt?"
Tore_T fragt: ""Ist jemand da? Bin ich ausgestiegen?"
Oddny sagt: "sie war glücklich"
Ingrid_J sagt: "Nein, du bist hier"
Ingeborg_A sagt: "Wir sind hier, Tore. Du solltest keine Angst haben"
Gro_L sagt: "wer"
Torjan [zu Tore_T]: "Du bist hier"
Tore_T sagt: "Ach, da seid ihr."
Tore_T sagt: "Ich habe keine Angst mehr."
Torjan [zu Tore_T]: "Wie endet J.s Flugtraum?"
Solfrid fragt: "Die Szene mit dem fliegen - ein Traum oder Alptraum?"
Ingeborg_A [zu Tore_T]: "Gut"
Torjan [zu Tore_T]: "das freut mich - schließlich bist du unter lauter freundlichen Menschen"
Torjan [zu Solfrid]: "Hier würde ich von einem euphorischen Glückstraum sprechen"
Tore_T sagt: "J.s Traum - den habe ich leider vergessen."
Torjan sagt: "Das Schreiben hat sie fast "high" gemacht."
Solfrid fragt: "J. beherrscht die Welt?"
Torjan [zu Tore_T]: "OK"
Torjan [zu Solfrid]: "Jedenfalls erhebt sie sie sich über die Gesetze der Normalwelt."
Torjan sagt: "Guckt euch S. 73 an"
Torjan [zu Else2]: "Was sagt Luise zu ihr?"
Else2 sagt: "bleib mal lieber auf der Erde"
Torjan sagt: "Genau - ihr Wachtraum wird durch Luises nüchternen Kommentar abgebrochen"
Torjan [zu Else2]: "Fasst du das als etwas Positives oder Negatives auf?"
Torjan fragt: "Möchte sonst jemand Luises Rolle kommentieren?"
Ingrid_J sagt: "Für die Pressefreiheit - etwas Negatives."
Ingeborg_A sagt: "Es ist beBer in der Wircklichheit zu leben als unter den Wolken zu fliegen"
Gro_L sagt: "Ich glaube, sie will gute Ratschläge geben - positiv gemeint"
Torjan [zu Ingrid_J]: "Du bist etwas zu streng mit Luise, finde ich."
Torjan [zu Gro_L]: "So sehe ich das auch."
Tore_T sagt: "Louise argumentiert sachlich und nüchtern - nicht mit Gefühlen"
Ingrid_J meint: "Jawohl - ich bin eigentlich nicht so weit gekommen..."
Else2 sagt: "Luise ist viel mehr nüchtern als J."
Torjan sagt: "Luise spielt eine wichtige Rolle in der dialektischen Struktur des Romans"
Oddny sagt: "sie stimmte dem Reportage zu, aber konnte/wagte nich den Rep. zu drücken -"
Torjan sagt: "Sie geht auf J.s spontane und gefühlsgebundene Reaktionen ein, ohne sie zu verwerfen"
Torjan sagt: "die Diskussionen mit Luise sind eigentlich positiv, weil L. argumentiert statt zu diktieren"
Torjan sagt: "So gesehen erscheint sie als Postivfigur - im Gegensatz zu Siegfried Strutzer."
Torjan zeigt Dia 10.
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S. 78
In ihren Postkutschen sind unsere Vorfahren auch nicht allzu weit gekommen und haben trotzdem etwas begriffen von ihrer Welt. Der größere Betrug ist: Sie betrügen mich um mich, um meine Eigenschaften. Alles, was ich bin, darf ich nicht sein. Vor jedes meiner Attribute setzen sie ein 'zu'; du bist zu spontan, zu naiv, zu ehrlich, zu schnell im Urteil ... Sie fordern mein Verständnis, wo ich nicht verstehen kann; meine Einsicht, wo ich nicht einsehen will, meine Geduld, wo ich vor Ungeduld zittere. Ich darf nicht entscheiden, wenn ich entscheiden muß. Ich soll mich abgewöhnen, ich zu sein. Warum können sie mich nicht gebrauchen, wie ich bin?
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Solfrid sagt: "J. ist ja neurotisch und braucht Louise"
Tore_T sagt: "Louise konstatiert nur, was in ihrem Gesellschaftssystem möglich ist."
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig - und dieser Textauszug zeigt eigentlich warum"
Gro_L sagt: "Louise isst Bonbons und verhält sich zur sozialistischen Wirklichkeit so wie sie ist"
Torjan fragt: "Hat jemand Kommentare zu diesem Textauszug?"
Oddny sagt: "alles ist ein Betrug. Man darf nich sich selbst sein"
Torjan erzaehlt: "In Sätzen wie diesen tritt die Identitätsproble,matik deutlich hervor - auf der einen Seite: Identitätssuche - auf der anderen Seite: der stets drohende und befürchtete Identitätsverlust."
Else2 sagt: "überall gibt es Zwang"
Solfrid sagt: "ich denke, diese Frage ist ekstensiell und kann gestellt werden, unabhangig von Gesellschaftlichen System"
Gro_L sagt: "Josefa meint: "Ich darf nicht mich selbst zu sein"
Torjan [zu Solfrid]: "Das ist richtig - und es gut das du darauf hinweist - dennder Roman hat sowohl einen allgemeinen wie auch einen DDR-spezifischen Aspekt."
Torjan [zu Gro_L]: "Richtig - und ein solches Gefühl wird in einem Staat wie der DDR verstärkt"
Torjan fragt: "Was ist Luises Gegenargument?"
Solfrid sagt: "danke für einen interessanten Unterricht"
Solfrid ist soeben ausgestiegen.
Torjan sagt: "Seite 80 und weiter"
Gro_L fragt: "Warum kann sie nicht gebraucht werden so wie sie ist?"
Torjan [zu Gro_L]: "Das ist eine gute Frage - aber J. will alles gleich haben"
Torjan sagt: "Sie vergisst, dass die Entwicklung langsam geht"
Tore_T sagt: "Sie hat den Faszismus erlebt,und weiss, dass das Leben sehr schlimmer sein kann als in der DDR."
Torjan sagt: "Es handelt sich um das, was man in der DDR "die Mühen der Ebene" genannt hatte."
Torjan sagt: "Dieser Ausdruck wird auch von Luise gebraucht."
Torjan [zu Tore_T]: "Genau"
Gro_L sagt: "Kannst du das genauer erklähren"
Torjan sagt: "Gut - wir müssen langsam aufhöre - ich sppüre, dass meine Nackenmuskeln protestieren"
Torjan sagt: "Die Mühen der Ebene" etwa die Probleme des Alltags - alles geht nicht glatt und problemlos - m an muss Geduld haben"
Torjan sagt: "man nuss bereit sein, langsichtig zu arbeietn"
Ingeborg_A sagt: "Auf Wiedersehen/schreiben in einer Woche"
Ingeborg A ist soeben ausgestiegen.
Gro_L sagt: "Danke und auf Wiedersehen"
Torjan sagt: "Für das nächste Mal ein paar Klienigkeiten zum Nachdenken"
Torjan fragt: "Warum ändert sich die Erzählhaltung ab S. 93?"
Torjan fragt: "Was ist edr Hauptunterschied zwischen dem 1. und dem 2. Teil?"
Torjan sagt: "Vrsucht bitte auch, euch mit Josefas merkwürdigen Träumen im 2. Teil auseinander zu setzen."
Torjan sagt: "Ich danke euch für eine lebhafte Teilnahme und eine interessante Diskussion."
Torjan ruft: "Tschüß!"
Ingrid_J ruft: "Auf Wiedersehen!"
Tellef sagt: "Auf Wiedesehen."
Gro L ist soeben ausgestiegen.
Frode_R sagt: "tschüus"
Ingrid J ist soeben ausgestiegen.
-- Ende der Aufzeichnung: Montag, 19. November 2001 8:03 Uhr Dreistadt-Zeit --
Geir ruft: "Auf Wiedersehen!"
Tore_T sagt: "Auf Wiedersehen."