Falkenlied


DAS SOG. FALKENLIED
(vgl. Sie bitte auch das Dokument 'Mhd.' im Archiev)

ZUR TEXTGESCHICHTE
Das Original der vorliegenden Edition des Falkenliedes befindet sich in einem der wichtigsten Überlieferungsträger der mhd. Lieddichtung, nämlich in der sog. "Grossen Heidelberger Liederhandschrift" (auch "die Manessische Handschrift, Codex Manesse oder Handschrift C genannt), die in der 1. Hälfte des 14. Jhs. in Zürich geschrieben wurde und heute in der Universitätsbibliothek in Heidelberg aufbewahrt wird. Sie umfasst 426 Pergamentblätter, auf denen sich Texte von insgesamt 140 Dichtern befinden (138 von ihnen sind sogar ganzseitig "abgebildet").



Unlängst wurde eine weitere Fassung des 'Falkenliedes' im Einband eines Buches in der Budapester Nationalbibliothek gefunden.

ZUM AUTOR
Unter dem Namen "Der von Kürenberc" sind 15 Strophen überliefert. Der Name ist nicht ganz gesichert. Aufgrund der Sprache, des Stils und der Strophenform dürfte er aus dem donauländischen Gebiet stammen (Linz?, Melk?)

LITERATURHISTORISCHE EINORDNUNG DES TEXTES
Der Text gehört zur Frühen oder 'donauländischen' Phase des Minnesangs. Zu den Kriterien (formale, thematische und genremässige Kennzeichnung)vgl. Brandt, S. 255 f.)

ZUR METRIK
Der Text besteht aus zwei Strophen.
Jede Strophe besteht aus 4 sog. Langzeilen.
Eine Langzeile besteht aus einem Anvers (ungefährt die erste Hälfte der Langzeile) und einem Abvers (die letzte Hälfte der Langzeile).
Dazwischen liegt eine Zäsur = Einschnitt, Pause.
Die An- und Abverse bestehen normalerweise aus 3 Hebungen (Hebung = betonte Silbe). Eine Ausnahme bildet der letzte Abvers (in der 4. Langzeile), der aus 4 Hebungen besteht.

Eine Strophe, die diese Struktur zeigt, nennt man eine Nibelungenstrophe (weil das die übliche Strophenstruktur im Nibelungenlied ist).

Die Strophe belegt auch Endreim, z. B. bewant : lant (reine Reime)
und jâr : hân (unreine Reime; hier: Assonanz (nur die Vokale reimen)).


Während die Strophenstruktur der Nibelungenstrophe auf einheimische (germanische) Traditionen zurückgeht, ist der Endreim ein Zeichen französischen Einflusses.

DIE FALKENJAGD
Die Falkenjagd stammte aus Arabien und kam über Spanien und Frankreich in das germanische Gebiet. Sie war ein elitäres Vergnügen, über das man - vor allem weil Kaiser Friedrich II. ein Buch darüber geschrieben hat - einiges weiss. Das Falkenmotiv findet man auch in anderen Schriftquellen der mhd. Literatur, z. B. auch im Nibelungenlied (Kriemhilds Falkentraum)