Biographisches


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HORVATH - EINIG BIOGRAPHISCHE DATEN
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geboren am 9.12.1901 in Rijeka/Kroatien als Sohn eines oesterreichisch-ungarischen Diplomaten und einer deutsch-ungarischen Mutter ("typisch altoesterreichische Mischung")

aufgewachsen in Belgrad und Budapest, ab 1909 in Muenchen; 1919 das Abitur in Wien

studiert ab 1919 Theaterwissenschaften in Muenchen und hoert germanistische und Philosophische Vorlesungen
Das Studium tritt wegen seiner schriftstellerischen Arbeit in den Hintergrund.

1922 entsteht sein erstes Werk "Das Buch der Taenze"; 1926 kauft er die Restauflage auf und vernichtet sie (seine selbstkritische Haltung)

ab 1923 lebt er hauptsaechlich in Berlin, veroeffentlicht Kurzprosa in Zeitschriften: die "Sportmaerchen"

hat Kontakt zu Menschenrechtsorganisationen; er wendet sich zunehmend sozialen Problemen zu; er wird als politisch Linker bezeichnet, obwohl er nie einer Partei angehoerte (eher Beobachter als als politisch Aktiver)

ab 1926 entstehen die Theaterstuecke, die seinen Ruhm begruenden. Er ist einer der hoffnungsvollsten Dramatiker Deutschlands und erhaelt 1931 den Kleist-Preis. Titel: "Italienische Nacht" (1931), "Geschichten aus dem Wiener Wald" (1931), "Glaube, Liebe, Hoffnung"

In seinen Theaterstuecken ("Volksstuecken") portraitiert H. den typischen Kleinbuerger, den Philister, den Spiesser (des Mittelstandes) - eine soziale Schicht, die den Grossteil der Bevoelkerung ausmacht. Dessen Wesen und Ideologie demaskiert Horvath praezis und radikal: der Spiesser sei nur auf Anpassung bedacht, feige, egoistisch und unreflektiert.

Sprachverwendung zur Demaskierung

Die Demaskierung seiner Figuren erreicht Horvath durch die eigentuemliche Sprache, die seine Charaktere sprechen: ein Gemisch aus Zitaten, Phrasen, Floskeln und abgegriffenen Redewendungen. Diese Sprache nennt H. einen Bildungsjargon. Ihn finden wir auch in "JoG". Die Figuren wollen gebildet klingen, ohne es jedoch zu sein. Sie reproduzieren woanders Gehoertes, ohne den Inhalt zu verstehen (Bsp. N: "der typische Ausdruck der typischen Selbstueberschaetzung...". Die Sprache steht im Kontrast zur Wirklichkeit, das Sprechen im Kontrast zum Handeln, wodurch sich die Figuren selbst entlarven (>> Baeckermeister N)
Die Sprachverwendung draengt den Leser zur kritischen Reflexion, sie provoziert eine kritische Haltung.

Politisch erkannte H., dass der Mittelstand die zentrale Stuetze des aufkeimenden Faschismus war. Dieses wurde spaetestens im 1929 erschienenen "Der ewige Spiesser" deutlich.

1929 trifft H. Adolf Hitler auf einer Privatgesellschaft; er erkennt fruehzeitig die Gefaehrlichkeit des Mannes.

ab 1933 wurde H. Ziel der NS-Agitation, was angesichts des zeitkritischen Inhalts seiner Stuecke nicht verwundert. Die Auffuehrung seiner Stuecke auf dt. Buehnen wurde verboten. H. zieht nach Wien, reist aber immer wieder nach Berlin, um die politische Situation zu beobachten und Stoff fuer seine Arbeit zu sammeln.

1936 wird ihm jeglicher Zutritt zum Dt. Reich verwehrt. Nach der Okkupation Oesterreichs beginnt fuer ihn eine Emigrationsodyssee, die ihn durch Zuerich, Prag, Rom, Bruessel und Amsterdam fuehrt.

Die Verfolgung durch die Nazis fuehrte bei H. zu einer tiefgreifenden persoenlichen Verunsicherung. Er litt unter Depressionen, zusammen mit Arbeitsfieber und Unrast; hinzu kamen finanzielle Probleme.

Elemente des Irrationalen und Unheimlichen halten Einzug in seine Werke; er wendet sich zunehmend ethisch-moralischen und religioesen Problemen zu. Dafuer ist "Jugend ohne Gott" ein Beispiel.

"JoG" ist 1937 entstanden, sein vorletztes Werk. Danach entstand das thematisch eng verwandt "Ein Kind unserer Zeit".

Am 1. Juni 1938, drei Tage nach seiner Ankunft in Paris, wird er auf der Champs-Elysee von einem niederfallenden Baum getroffen. OEdon von Horvath stirbt im Alter von 36 Jahre.