171001


-- Start der Aufzeichnung: Mittwoch, 17. Oktober 2001 7:14 Uhr Dreistadt-Zeit --


Tellef kommt.
Steinar sagt: "Einen wunderschönen guten Abend"
Renate sagt: "Danke, gleichfalls."
Ingeborg_A sagt: "GleichweiB"

Frode kommt.
Tellef sagt: "Guten Abend"
Else2 sagt: "Danke und gleichfalls"
Steinar erzaehlt: "Zunächst eine kleine Mitteilung: Am nächsten Mittwoch bin ich leider nicht hier. Wir können vielleicht in Bergen diskutieren, wann wir die Stunde nachholen können"
Bjørg sagt: "Guten Abend"

Frode geht ins Mellomfags-Atelier.
Renate sagt: "Das passt mir gut, denn dann bin ich in Deutschland."
Steinar sagt: "Wir hinken ja schon leider hinterher..Heute müssen wir die beiden ersten kleinen Gedichte fertigmachen"
Ingeborg_A sagt: "Kannst du dass auf der Infotafel schreiben, bitte, weil ich leider nicht zu Bergen komme"
Steinar sagt: "Ich nehme an, Sie haben noch die Aufgaben"
Steinar sagt: "Das mache ich, Ingeborg"
Renate fragt: "Die zum Falkenlied?"

Gro_L kommt.

Steinar zeigt Dia 6.

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phonologische Unterschiede

mhd. nhd.

mîn mein
dîn dein
sîn sein

verlorn verloren

muost musst




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Steinar sagt: "Wir waren ungefähr hier."
Steinar fragt: "Wo im Kompendium finden Sie etwas über diese Unterschiede?"
Ingeborg_A fragt: "Auf Seite 10?"
Renate sagt: "Monophtongierung - S. 10 z.B."
Steinar fragt: "Genau. Wie nennt man den Übergang î zu ei?"
Ingeborg_A sagt: "Diphtongierung"
Renate sagt: "Diphtongierung"
Gro_L sagt: "Diphtingierung"
Bjørg sagt: "Diphthongierung"
Steinar sagt: "Gut. Es schreibt sich Diphthongierung"
Steinar sagt: "Sie müssen nur drei Wörter lernen, um diese D. zu können"
Renate meint: "war bestimmt nur ein Tippfehler von Gro..."
Gro_L sagt: "Danke, Renate"
Renate ruft: "und von mir natürlich auch!"
Steinar sagt: "mîn niuwez hûs (iu=ü) > mein neues Haus"

Solfrid kommt.
Steinar fragt: "Welche Dialekte haben diese Di. nicht?"
Renate sagt: "das Alemannische"
Steinar sagt: "Gut, Renate."
Renate sagt: "Niederdeutsch"
Geir sagt: "das Hessische"
Ingeborg_A fragt: "Bayern?"
Gro_L fragt: "Plattdeutsch auch?"
Steinar sagt: "Richtig. Das Bairische hat die Di."
Steinar sagt: "Bairisch mit i statt y umfasst auch das Österreichische (minus Vorarlberg)"
Steinar fragt: "Wie beziechnet man den Übergang von uo zu u?"
Steinar sagt: "bezeichnet"
Geir sagt: "Monophthongierung."
Ingeborg_A sagt: "Monophtongierung"
Bjørg sagt: "Monothongiurung"
Steinar fragt: "Prima. Ist sie überall im deutschsprachigen Gebiet vertreten?"
Geir sagt: "Nein, nicht im Bairischen."
Renate sagt: "nicht im Bairischen."
Steinar sagt: "Richtig, Geir. Jetzt zum nächsten Bild"

Steinar zeigt Dia 7.

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morphologische Unterschiede

mhd. nhd.

solt sollst







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Steinar sagt: "Die t-Form ist älter als die -st-Form. Denken Sie an Shakespear-Englisch: thou art"

Steinar zeigt Dia 8.

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syntaktische Unterschiede

mhd.: dû bist beslozzen / in mînem herzen
nhd.: du bist in meinem Herzen verschlossen








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Steinar sagt: "Dieser Unterschied ist vielleicht nicht so deutlich, da man wohl in einem heutigen Gedicht auch eine 'mhd' Wortstellung finden kann."
Renate fragt: "Die Stellung der Verben ändert sich?"
Steinar sagt: "Sagen wir's so: Die Syntax war vielleicht nicht so fest wie heute"
Geir fragt: "Weil die Sprache analytischer war?"
Steinar sagt: "Ja, Geir. Das kann ein Grund gewesen sein"

Steinar zeigt Dia 9.

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Text 2

a) Übersetzung
Es grünt der Wald allenthalben (überall)
Wo ist mein Liebster so lange?
Der ist weggeritten.
O weh! Wer soll mich lieben?






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Steinar sagt: "Jetzt sind wir beim nächsten Text"
Steinar fragt: "Fragen?"
Steinar sagt: "Ok"
Bjørg fragt: "kann man nicht Gesell statt Liebster sagen?"
Solfrid fragt: "sagt das eine Frau oder ein Mann?"
Steinar sagt: "zu Bjørg: Ich glaube, Liebster ist besser (damit kein Mensch meint, es geht um ein Handwerker)"
Bjørg sagt: "ok"
Steinar sagt: "zu Solfried. Wir kommen gleich dazu"

Steinar zeigt Dia 10.

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b) Höchstwahrscheinlich eine Frau. Es ist jedoch keine Erlebnislyrik, d. h. das biographische Ich (der Autor) und das lyrische Ich (das 'Ich' im Text) sind nicht identisch (Brandt, S. 239 ff). Im Gegenteil: es geht um sog. 'Rollenlyrik', d. h. der Autor/Vortragende=Mann schlüpft in die Rolle einer Frau (Brandt, S. 243)









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Steinar fragt: "Ist das klar?"
Geir sagt: "Ziemlich."
Solfrid sagt: "oder der Mannliebt einen Mann"
Steinar fragt: "Damit ist wohl Ihre Frage, Solfrid, beantwortet?"
Geir [zu Solfrid]: "Könnte ja auch sein."
Steinar sagt: "zu Solfrid. Die Möglichkeit gibt es selbstverständlich auch"
Anne_E fragt: "Gibt es bekannte Frauen-Minne-Authoren?"
Steinar sagt: "Nein, es gibt keine"
Renate sagt: "Brandt behauptet, es gäbe keine."
Renate fragt: "Warum eigentlich nicht?"
Steinar sagt: "Es sei denn, Frauen verwenden Männernamen, wenn sie schreiben"
Renate fragt: "Sind das nicht alles nur Vermutungen?"
Anne_E fragt: "Geht Man davon aus dass nur Männer gedichtet haben?"
Steinar sagt: "Offensichtlich war die Position der Frauen in der damaligen Gesellschaft nicht so, dass sie öffentlich dichten durften"
Renate sagt: "Meistens weiss man doch gar nicht, wer sie geschrieben hat."
Renate meint: "vielleicht hat nur ein Mann die Lieder vorgetragen..."
Steinar erzaehlt: "Gedichtet haben Frauen bestimmt, aber nicht vorgetragen. Denken Sie bitte daran, dass noch bei Shakespear alle Frauenrollen von Männern gespielt wurden"
Steinar sagt: "Ich würde gerne jetzt mit dem Falkenlied anfangen"
Steinar fragt: "Haben Sie mein Dokument + Aufgaben gelesen/gemacht?"
Lars2 fragt: "Hildegard von Bingen? Kein Minnelyrik, abeer..?"
Solfrid sagt: "ja, aufjedenfall gelesen"
Bjørg sagt: "Ja, ich habe versucht"
Geir sagt: "Gelesen, und teilweise gemacht."
Ingeborg_A sagt: "Ich habe es auch gelesen"
Ingeborg_A sagt: "und teilweis gemacht"
Steinar sagt: "zu Lars: Hildegard war leider keine Minnedichterin. Sie hat auch nur Latein geschrieben"
Tellef sagt: "Ich habe es gelesen"
Steinar sagt: "Ok. Frage 1. Übersetzung"
Renate fragt: "Sollen wir sie schicken?"

Steinar zeigt Dia 1.

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1.Übersetzung
Ich zog mir einen Falken länger als ein Jahr
Als ich ihn gezähmt hatte, wie ich ihn haben wollte,
und ich ihm sein Gefieder mit goldenen Bändern umwunden hatte,
hob er sich hoch in die Lüfte und flog in andere Länder.

Später sah ich den Falken schön fliegen.
Es trug an seinem Fuße seidene Riemen,
und sein Gefieder was ganz rotgolden.
Gott führe die zusammen, die gerne Geliebte sein wollen/(die einander herzlich lieben wollen).





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Steinar sagt: "Sie brauchen die Aufgaben nicht zu schicken"
Steinar fragt: "Stimmt das ungef¨ar mit Ihrer Übersetzung?"
Steinar sagt: "ungefähr"
Renate sagt: "Abgesehen vom Land im Pural bei Ihnen."
Renate fragt: "Warum muss das Pl. sein?"
Steinar sagt: "Es muss Plural sein (wir kommen darauf zurück)"
Geir sagt: "Im grossen und ganzen, ja."
Steinar sagt: "Gut. Dann das nächste Bild"
Steinar sagt: "Das Genre des Gedichts"
Else2 fragt: "zog - in Bedeutung anfassen?"

Steinar zeigt Dia 2.

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2. Das Genre des Gedichts
a)Es handelt sich höchstwahrscheinlich um ein Frauenlied, d. h. die ich-Person (das lyrische Ich) ist eine Frau, zumal im Text die geliebte Person als maskulines Wesen (Falke, pers. Pron. (er/ihn etc.)) bezeichnet wird.









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Mette_J sagt: "Männerlied"
Steinar sagt: "zu Else2: in der Bedeutung 'erziehen'"
Renate sagt: "Ein Männerlied, denn nur Mäner gingen zur Jagd"
Steinar sagt: "zu Renate: dann bekommen wir ein Problem mit den pers. Pron."
Geir sagt: "Ich habe auch Männerlied gedacht."
Renate ruft: "Also habe ich es falsch verstanden!"
Anne_E sagt: "Frauenlied"
Steinar sagt: "HÖCHSTWAHRSCHEINLICH"
Renate fragt: "Aber welches Pers.Pr.?"
Renate sagt: "Der Falke - er"
Steinar sagt: "der Falke wird hier als Symbol für den Geliebten verwendet."
Else2 ruft: "Frauenlied - ich bin überrascht weil das so selten war!"
Renate sagt: "Ja, ich verstehe. -"
Geir sagt: "Aber als Rollenlyrik ist es ja möglich."
Steinar sagt: "Es handelt sich wahrscheinlich um eine Dame (adelige Frau), die einen Mann 'von unten' holt."
Anne_E sagt: "Frauenlied- weil die Frau von ihre Eroberung erzählt"
Renate fragt: "sie hat ihn 'gezähmt' und herausgeputzt?"
Steinar sagt: "zu Renate: ja"
Steinar sagt: "ihm schönen Kleider gegeben"
Steinar sagt: "jetzt zu b)"

Steinar zeigt Dia 3.

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b) Der Autor (der von Kürenberg) schlüpft in die Rolle einer Frau. Er ist Sprachrohr der Frau, die sich nach damaligen gesellschaftlichen Regeln auf diese Weise nicht selber äußern konnte. Rollenlyrik sieht man als Gegenbegriff zum Begriff Erlebnislyrik.









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Steinar fragt: "Können Sie damit einverstanden sein?"
Bjørg sagt: "ja"
Anne_E sagt: "Ja"
Mette_J sagt: "Ja"
Renate meint: "Nachdem ich Brandt gelesen haben, ja - wenn ich selber die Deutung versuche, nein..."
Renate sagt: "das habe ich ja eben schon gesagt."
Anne_E sagt: "Aber man hat wohl es mit viel Mimik uzw. vorgetragen"
Steinar fragt: "zu Renate: das macht ja die ganze Sache so spannende, oder?"
Renate ruft: "Ja, eben!"
Steinar sagt: "Ja, viel Mimik. Fast wie im Theater, glaubt man"
Steinar sagt: "Daher fehlt die Gattung Drama (vgl. Brandt)"
Steinar sagt: "Machen wir jetzt weiter. Bild 4"

Steinar zeigt Dia 4.

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3. Zur Entwicklung des Minnesangs
Diesen Text rechnet man zum Frühen oder donauländischen Minnesang.
Begründung (vgl. Brandt, S. 255 f.):
Zeit: vor 1170
Provenienz des Autors: Das Donauländische (Melk?/ Linz?)
Form: Langzeilen, Paarreim, jedoch mehrere unreine Reime Halbreimlizenz). Man erwartet jedoch Einstrophigkeit der Lieder
Thema: Trennung, Sehnsucht, Gefühle von Frauen werden thematisiert.






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Geir meint: "Hier gibt es ja zwei Strophen..."
Steinar sagt: "Eben Geir."
Geir fragt: "Stammt das Gedicht aus dem letzten Teil der Epoche?"
Steinar sagt: "Es ist schwierig es genauer zu datieren. Es wäre eine logische Vermutung."
Geir sagt: "Danke."
Steinar fragt: "Kommen Sie sonst zurecht mit meinen Ausführungen, oder geht es jetzt zu schnell?"
Ingeborg A ist soeben ausgestiegen.
Renate sagt: "Alles in Ordnung."
Solfrid sagt: "OK"
Mette_J sagt: "Geht schon"
Geir sagt: "OK"
Else2 sagt: "OK"
Tellef sagt: "In ordnung"
Steinar sagt: "Es geht mir darum, dass Sie verstehen, wie man diese Texte einordnen kann. Ich zeige es Ihnen, aber Sie müssen ja nicht immer einverstanden sein"
Steinar fragt: "Wie Sie aber merken, ist Brandt schon eine gute Hilfe, oder?"
Gro L ist soeben ausgestiegen.
Renate meint: "Nett, dass Sie so grosszügig sind. So sind nicht alle Dozenten..."
Renate sagt: "Ja, Brandt ist gut und interessant"
Renate sagt: "und eine gute Hilfe"
Anne_E sagt: "Ein sehr schönes Buch"
Steinar sagt: "Wir können ja leider nicht eweig diskutieren, daher brauchen wir ein Referenzbuch"
Renate ruft: "Genau!"
Renate sagt: "Ausserdem sind wir vorläufig nur Studenten.."
Solfrid sagt: "mich sagte dieses Gedicht - wen man liebt gibt man Freiheit - man gehört trotzdem zusammen"
Renate [zu Solfrid]: "Ja, eine lange Leine hält besser."
Steinar ruft: "So, jetzt müssen wir aufhören. Bis zum nächsten Mal..d.h. in Bergen!"
Solfrid [zu Renate]: "eben man braucht keine Leine.."
Geir sagt: "Bis November dann."


-- Ende der Aufzeichnung: Mittwoch, 17. Oktober 2001 8:04 Uhr Dreistadt-Zeit --

Tellef ist soeben ausgestiegen.
Renate [zu Solfrid]: "doch - aber das können wir demnächst diskutieren."