Gedichte - Analyse und Interpretation

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LYRIKTHEORIE: Aufgaben zur Einführung

GEDICHTE - ANALYSE UND INTERPRETATION

Besprechen Sie nach Wahl in der Gruppe zwei (oder mehrere) der folgenden Gedichtbeispiele, indem Sie jedes der gewählten Gedichte
1) analysieren und 2) interpretieren. D.h.: Kommentieren Sie zuerst die formalen Elemente (Metrik*/Metaphorik) des Gedichts, und versuchen Sie danach anhand der Einzelelemente seine Thematik zu formulieren.

[*Zur Metrik siehe im Lyrik-Kap.(Vogt): http://uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/einladung.htm ]

I:

Goethe:

Wanderers Nachtlied

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest
- Ach, ich bin des Treibens müde,
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süsser Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!


Ein gleiches

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde
Warte nur, balde
Ruhest du auch.


Mörike:

Um Mitternacht

Gelassen stieg die Nacht ans Land.
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht ins Ohr
Vom Tage
Vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtets nicht, sie ist müd;
Ihr klingt des Himmels Bläue süsser noch,
Der flücht'gen Stunden gleichgeschwungnes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

Rilke:

Abend

Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,
ein himmelfahrendes und eins, das fällt;

und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt;

und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)
dein Leben, bang und riesenhaft und reifend,
so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,
abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.



Lasker-Schüler:

Weltschmerz

Ich, der brennende Wüstenwind,
Erkaltete und nahm Gestalt an.

Wo ist die Sonne, die mich auflösen kann,
Oder der Blitz, der mich zerschmettern kann!

Blick nun, ein steinernes Sphinxhaupt,
Zürnend zu allen Himmeln auf.


Benn:

Nachtcafe

824: Der Frauen Liebe und Leben.
Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
Rülpst drei Takte lang: das schöne Abendbrot.
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.

Grüne Zähne, Pickel im Gesicht
Winkt einer Lidrandentzündung.

Fett im Haar
Spricht zu offenem Munde mit Rachenmandel
Glaube Liebe Hoffnung um den Hals.

Junger Kropf ist Sattelnase gut.
Er bezahlt für sie drei Biere.

Bartflechte kauft Nelken,
Doppelkinn zu erweichen.

B-moll: die 35. Sonate.
Zwei Augen brüllen auf:
Spritztz nicht Blut von Chopin in den Saal,
damit drauf rumlatscht!
Schluss! He, Gigi! -
Die Tür fliesst hin: Ein Weib.
Wüste ausgedörrt. Kanaanitisch braun.
Keusch. Höhlenreich. Ein Duft kommt mit. Kaum
Duft.

Es ist nur eine süsse Vorwölbung der Luft
gegen mein Gehirn.

Eine Fettleibigkeit trippelt hinterher.