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Dia Nr. 1:
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THEODOR FONTANE: IRRUNGEN WIRRUNGEN (188
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Wir sehen uns heute einige ausgewählten Szenen des Romans an, zuerst aber kurz ein paar einleitende Punkte (Stichworte) zu Text und Kontext:
* Zeitgeschichte: Das bürgerliche Jahrhundert (1830-90), Ära Bismarck
* Literaturgeschichte: Realismus (1850-1890)
* Biographie: Theodore Fontane (1819-189![]()
* Gattung: Gesellschaftsroman
* Ort und Zeit der Romanhandlung: Berlin, Mitte der 70iger Jahre ("Gründerzeit")
* Thema: Die unstandesgemässe Liebe
* Erzählsituation: Aktorial, Aussenperspektive
* Erzählweise: "Objektive" Beobachtung des zurückgezogenen Erzählers.
(Durch die vielen Dialogszenen, wo die Handlung weitergetrieben wird, ensteht eine vorwiegend szenische Darstellungsweise).
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Dia Nr. 2:
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Die Romanfabel:
- Lene, eine junge Plätterin lebt mit ihrer Pflegemutter, der alten Waschfrau, Frau Nimptsch zusammen in einem Häuschen in der Gärtnerei der Familie Dörr.
- Eines Tages trifft Lene zufällig den jungen Baron Botho von Rienecker, in den sie sich verliebt. Die Liebe ist gegenseitig, doch die gesellschaftliche Ordnung/Norm ist stärker als die unstandesgemässe Liebe, und der Tag der Trennung muss unweigerlich kommen.
- Höhepunkt und Ende des Liebesglücks bildet eine Landpartie, ein Ausflug nach "Hankels Ablage", wo die gesellschaftliche Ordnung einbricht: drei von Bothos Freunden tauchen plötzlich mit ihren "Damen" auf, Lene wird in die Rolle des "Standesverhält-nisses" gedrängt und das Liebesglück ist auf einmal zu Ende.
- Botho wird am Tage danach in einem Brief von der Mutter an seine Familienpflichten erinnert. Er soll eine reiche Kusine heiraten, um sein Gut zu sanieren und sieht ein: "Ordnung ist doch das Beste, die Grundbedingung, auf der Staat und Famile beruhen, wer dauernd dagegen verstößt, geht zugrunde". Damit ist die unumgängliche Trennung vollzogen, das Glück ist aus, heißt wie es Botho allmählich einsieht: "Viel Freud, viel Leid. Irrungen, Wirrungen. Das alte Lied", und die Ordnung/Norm der Gesellschaft herrscht wieder: Botho heiratet Käthe, seine dalbrige und oberflächliche Kusine, lebt mit ihr in einer konventionellen Ehe. Lene heiratet einige Jahre später, den älteren und ehrenhaften Laienprediger, Gideon Franke.
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Dia Nr. 3:
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DER GESELLSCHAFTSROMAN zeichnet "in breiter Zustandsschilderung bei zeitlichen Nebeneinander vieler Handlungsstränge das ganze Gesellschaftsleben einer Zeit und die daraus entstehenden Konflikte; er ist meist weltgläubig und selbst Verkörperung des Gesellschaftsgeistes. [...] Der Gesellschaftsroman setzt relative Einheit, Gliederung und Einheit der Gesellschaft voraus [...] sonst führen fließende Übergänge zum Zeitroman". (Gero v. Wilpert: SACHWÖRTERBUCH DER LITERATUR)) Der Zeitroman ist ein Produkt des Realismus des 19. Jhdts. Fontanes Typ des GR läßt sich als Zusammenfügung vom trad. Zeit - und Gesellschaftsroman sehen. Die Tradition wurde im 20. Jhdt. von Thomas Mann weiterentwickelt.
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Dia Nr. 4:
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Realismus:
- Der Definition entsprechend versucht der realistische Roman eine wirklichtkeitgetreue Darstellung der gegebenen Tatsachen und natürlichen Verhältnisse zu bieten. Darin sollen Vorgänge mit den ihnen angemessenen einfachen sprachlichen Mitteln im Gegensatz zu idealisierender Verklärung und traumhaft-dämmernder romantischer Phantasie geschildert werden.
- Das eigentliche Thema realistischer Dichtung auf den gemeinsamen Nenner gebracht war: Die Spannung zwischen der menschlichen Seele und der den Menschen umgebenden Welt. Oder anders gesagt: Die soziale Frage, das Staatswesen und der Gemeinschaftsgedanke.
- Resignation, Entsagung und Illusionslosigkeit waren die Gründzüge und prägten die Haltung des Realisten, dem in seiner objektiven Darstellung der Humor als Waffe gegen die Bedrohungen des Daseins diente.
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Dia Nr. 5:
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FUNKTION DES HUMORS:
Der Humor hat "das Darüberstehen, das heiter souveräne Spiel mit der Erscheinungen des Lebens zur Voraussetzung", sagte Fontane. In diesem souveränen Spiel ging es immer um die Wahrung des inneren Anstandes, um das Sittengesetz als Ordnungsmacht im menschlichen Leben, vor allen gegenüber den Leidenschaften. Dies kommt im Stil des Realismus zum Vorschein: Er war sach- und dinggebunden, gedämpft, nüchtern und gefeilt, bürgerlich kontrolliert und immer exemplarisch wohlerzogen.
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Dia Nr. 6:
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FONTANES KUNSTAUFFASSUNG:
- Definition des Realismus: "Er ist die Wiederspiegelung alles wirklichen Lebens, aller wahren Kräfte und Interessen im Element der Kunst; er ist, wenn man uns diese scherzhafte Wendung vezeiht, eine "Interessenvertretung" auf seine Art.
- Die Aufgabe des modernen Romans:"ein Leben, eine Gesellschaft, einen Kreis von Menschen zu schildern, der ein ein unverzerrtes Widerspiel des Lebens ist, das wir führen".
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