Alte Filme 08.04.02


-- Start der Aufzeichnung: Montag, 8. April 2002 5:33 Uhr Dreistadt-Zeit --


Tellef kommt.
Torjan sagt: "So -es geht los."

Anne_E kommt.
Torjan fragt: "Hat jemand Fragen/Proble, die sie/er gern diskutieren möchte?"
Torjan sagt: "Wenn nicht, versuche ich dort anzufangen, wo wir das vorige Mal aufgehört hatten."
Torjan sagt: "Ich zeige euch einen Textausschnitt"

Torjan zeigt Dia 11.

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S. 61
Und auf Mohrchen können wir alle stolz sein. Ein Früchtchen war das! Nach drüben wollte sie. Mit so einer halbstarke Mischpoche abhaun. Bummelei auf der Arbeit, öffentlicher Tadel und Jugendwerkhof! Die saß drin bis zum Hals in der Scheiße! Aber da kam Vater Biesold und seine Brigade Julius Fu?ik und hat eine Patenschaft abgegeben vor dem Hohen Gericht und seitdem Junge, du hättest sie nicht wiedererkannt. Mit der Hilfe von dem ganzen Kollektiv, ja! Und heute? Mohrchen, was biste heute, sags ihm, sags unserm Sesselfurzer! Ach, Mann, Albert, laß mir doch! Dann sage ichs! Ihren Facharbeiter hat se heute gekriegt. Jawohl!









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Torjan [zu Anne_E]: "Kannst du dir vorstellen, warum ich ausgerechnet diesen Textauszug diskutieren möchte?"
Anne_E sagt: "Ja"
Torjan [zu Anne_E]: "Kannst du vielleicht deine Auffassung begründen? "
Anne_E sagt: "Einmal wie behandelte DDR ihr misratene Jugendlichen"
Torjan meint: "Und weietr..."
Anne_E sagt: "zun zweiten welche Rolle hatte die Betriebe"
Torjan [zu Gut]: "- Kommentar dazu?"
Gro_L sagt: "Genau wie der Junge im "Ankunft im Alltag"
Tellef sagt: "Der Kommunismus rettet die Jugend."
Torjan [zu Tellef]: "Vielelicht ewas sehr überspitzt formuliert"
Torjan fragt: "Hier ist nicht von der Idelogogie die Rede, sondern von ...?"
Tore_T sagt: "Sie wurde von dem Betriebsleiter zur guter Arbeiterin und Kommunistin erzogen."
Torjan [zu Tore_T]: "Nicht vom Betriebsleiter, sondern von ...?"
Renate sagt: "Die Bedeutung des Kollektivs - sie haben das Mädchen auf den rechten Weg gebracht."
Torjan [zu Renate]: "Genau - und in welcher Gestalt tritt hier das Kollektiv auf?"
Tore_T fragt: "Vater Bieshold - wer ist er?"
Torjan [zu Tore_T]: "Das ist der Brigadenleiter "
Tore_T sagt: "ok"
Torjan fragt: "Wer möchte das Wort Brigade kommentieren?"
Renate sagt: "Sie sind die sogenannten Paten. Sie geben Unterstützung, moralisch jedenfalls."
Ingeborg_A fragt: "Genau wie in der Armee?"
Tellef sagt: "Arbeiterbrigade, sehr wichtig im Aufbau des sozialistischen Staates."
Renate sagt: "Eine Gruppe von Arbeitern, die zusammen ein Ziel erreichen sollen."
Tore_T fragt: "Brigade - ist das das Arbeitskollektiv?"
Torjan [zu Renate]: "Die DDR-Betriebe waren in Kleingruppen - in Brigaden - organisiert."
Torjan erzaehlt: "Im offiziellen Jargon war die Brigade die kleinste planende und abrechnende Struktureinheit eines Betriebs. Für die Arbeiter war sie so etwas wie ein zweites Zuhause. Oft nahm das Brigadeleben auch außerhalb der Fabriktore seine Fortsetzung. Dazu trug vor allem bei, dass ein Betrieb in der DDR nicht nur Betrieb war. Er übernahm zahlreiche soziale Funktionen, vom eigenen Kindergarten bis zu eigenen Urlaubsheimen. Der Betrieb konnte sich auch in fast alle Belange des Alltags einmischen."
Anne_E fragt: "Frage: Wenn das Mädchen sich nicht angepasst hätte was dann? Gefängniss? Hat das Wort Kesselfurzer eine zweite Bedeutung?"
Torjan sagt: "In diesem Textauszug sieht man ein Beispiel für eine Brigade, die etwas gemeinsam untrenimmt."

Solfrid kommt.
Renate sagt: "Sessel... ein Büromann"
Else_[Gast] sagt: "man wird wohl hier auch an der Republikflucht erinnert"
Torjan sagt: "Kesselfurzer - das finde ich gut - allerdings ist hier von Sesselfurzer die Rede."
Tore_T fragt: "Wieviele Mitglieder konnte eine Brigade haben?"
Torjan [zu Tore_T]: "Unterschiedlich - zwischen 5 und 20"
Tore_T sagt: "ok"
Torjan [zu Else_[Gast]]: "Genau - und hier wirds langsam interessant."
Torjan sagt: "Das Mohren ist eine der vielen Parallel- und Kontrastfiguren zu Kotte"
Torjan [zu Geir]: "Welche Parallelen gibt es zwischen ihr und Kotte?"
Anne_E fragt: "Mohrchen ist das ein Wort Für nicht ganz wiss?"
Geir meint: "Kann ich jetzt nicht erläutern ..."
Renate sagt: "ein Mohr = ein Neger."
Renate meint: "Mohrchen sagt man zu schwarzhaarigen..."
Torjan [zu Anne_E]: "Mohrchen - ´imunitivform von "Mohr" = Neger = dunkelhaariger Mensch"
Torjan sagt: "Diminutivform"
Geir sagt: "Mohr kommt von Maure, also Nordafrikaner."
Torjan [zu Geir]: "OK - sonst jemand."
Torjan [zu Geir]: "Wird normalerweise auch von Negern benutzt."
Geir sagt: "Mohrchen und Kotte: Sie wollen sich nicht ganz anpassen."
Torjan sagt: "Mohrechen ist eoin Beispiel für eine gelungene Rehabilitierung"
Else_[Gast] fragt: "paralell - öffentlicher Tadel?"
Anne_E fragt: "Ist das Mädchen vielleicht äusserlich eine aussenseiter und hat desswegen Probleme in der DDR?"
Gro_L sagt: "Mohrchen wollte flüchten. Kotte flüchtet wohl eigentlich auch"
Renate fragt: "Ist Mohrchen hier das 'schwarze Schaf' gewesen - jetzt aber auf dem rechten Wege?"
Torjan sagt: "Sehr viele gute Kommentare"
Torjan meint: "Mohrechen ist rehabilitiert worden, ist wiedewr ein Teil der Herde..."
Geir sagt: "Mit Kotte ist das umgekehrt."
Torjan sagt: "Kotte steht am Anfang seines Ausreißversuchs"
Torjan [zu Geir]: "Das ist richtig"
Torjan sagt: "Und beide werden an sich durch das Kollektiv zum Kollektiv zurückgebracht."
Torjan [zu Gro_L]: "Morchen scheint sich für Kotte zu interessieren. Warum ist sie für ihn nicht interessant?"
Gro_L sagt: "Dass er schon verheiratet ist, ist vielleicht hier nicht vichtig, aber sie ist eine Arbeiterin"
Tellef sagt: "Er ist in ein anderes Mädchen interessiert."
Renate sagt: "Am Tisch des Künstlers sitzt Ulla."
Else_[Gast] sagt: "und er hat schon Ulla entdeckt"
Torjan [zu Gro_L]: "Meinst du, das dies das Wesentliche ist?"
Anne_E sagt: "Er ist nicht an das angepasste interesiert"
Torjan sagt: "Ich denke, es hängt damit zusammen, dass sie etwas repräsentiert, wovor er jetzt flüchtet - was er satt hatt - das Angepasste."
Gro_L sagt: "Weiss er überhaupt was er tut, er ist ja soooo betrunken"
Torjan [zu Anne_E]: "Du warst schneller als ich"
Torjan [zu Gro_L]: "Das ist natürlich eine gute Frage - das Ganze ist ja schließlich eine gewaltige Sauftour"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Welche Bedeutung hat es, dass er besoffen ist?"
Renate sagt: "Man ist nicht zurechnungsfähig"
Ingeborg_A fragt: "Er sieht vielleicht nicht allea klar?"
Renate sagt: "kann keine Verantwortung für seine Handlungen tragen."
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Kann man sagen - und man sieht die Dinge anders "
Anne_E fragt: "Wann wurde die Geschichte in DDR veröffentlich?"
Torjan sagt: "und das normale Verantwortungsgefühl geht verloren"
Torjan [zu Anne_E]: "1975"
Torjan sagt: "Er wird von einer Welt angezogen, die einen diametralen Gegensatz zu seiner Welt bildet."
Else_[Gast] ist soeben ausgestiegen.
Der Hausmeister kommt und bringt Else_[Gast] nach Hause.

Torjan zeigt Dia 16.

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S. 72

Viele Straßen sind darauf mit Häusern, die denen in seiner Straße ähneln. Wenn die Straßen in der Länge gesehen sind, verengen sie sich auf ganz kurzem Raum, so daß Kotte glaubt, er ist in der Straße gefangen. Die Menschen darauf sind alle dünn und haben große Augen, die ganz tief hinten liegen.








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Torjan sagt: "Diesen Auszug wollte ich vorläufig nicht zeigen, ´schuldigung"

Torjan zeigt Dia 12.

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S. 65
Kotte sieht in dem rotgedämpften Licht viel Leute mit Bart und Haaren, die über die Schultern hängen, und Mädchen mit Hosen und Pullovern. An der Wand gegenüber steht eine alte Kommode mit viel Zierat und geschliffenen Glasscheiben; in der Ecke ein hoher geschwungener Stuhl, auch so altmodisch; aber keiner sitzt darauf.
Kotte ist ganz eigenartig zumute. So etwas hat er noch nie erlebt, nur mal in einem Film gesehen, einem französischen, glaubt er, mit Alain Delon.








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Torjan [zu Renate]: "Wie würdest du die Atmosphäre charakterisieren?"

Else2 kommt.
Renate sagt: "Bürgerlich."
Renate sagt: "die Einrichtung"
Renate sagt: "Aber nicht die Erscheinung der Anwesenden."
Anne_E sagt: "Lang eHaaren und Bart: Symbole des Protests"
Anne_E sagt: "Die einrichtung ebenfalls"
Gro_L sagt: "Künstlerfreunde"
Solfrid sagt: "alternative"
Torjan sagt: "Die Einrichtung ist vielleicht bürgerlich - die Leute jedoch ganz anders als die Leute, die er kennt."
Anne_E fragt völlig verwundert: "Der film mit A.D hatheisst???"
Torjan [zu Solfrid]: " Genau - die ostberliner Boheme."
Torjan [zu Anne_E]: "Um welchen Film es sich handelt wird nichtb gesagt."
Torjan fragt: "Warum ausgerechnet ein Film mit Alain Delon?"
Geir sagt: "Eine andere Gesellschaft - Westeuropa."
Torjan fragt: "alle sind stúmm geworden - wer sieht gern französische Filme?"
Torjan [zu Geir]: "Das ist ein möglicher Grund."
Ingeborg_A sagt: "Ein schöner, französischer Schauspieler ist er jedenfalls"."
Anne_E sagt: "kunst gleich Franz."
Torjan sagt: "Der französische Film - für einen DDR-Bürger etwas ganz Exotisches."
Tore_T sagt: "Im Fernsehen gibt es dazu keine Chancen - fast alle Filme sind amerikanisch"
Geir sagt: "Franz. Film: Existenzialismus, Filosofie usw."
Solfrid [zu Tore_T]: "ja. leider."
Renate fragt: "Hat er nicht damals im 'Nebelkai' gespielt?"
Renate meint: "Für Kotte ist jetzt alles nebelig, verschwommen..."
Renate sagt: "nicht durchschaubar"
Torjan [zu Renate]: "Das war Jean Gabin - Alain D. ist etwas jünger"
Renate ruft erregt: "Peinlich!!"
Renate meint: "das hätte so gut zum Nebel gepasst..."
Torjan sagt: "AD spielte in einer Reihe von Filmen den Unangepassten, Nicht-Bürgerlichen -"
Torjan sagt: "Menschen, die außerhalb der Bürgelichkeit lebten"
Anne_E fragt: "frauenscwarm und Schönling, ist Kotte das?"
Torjan sagt: "Es gibt sogar eine französiche Variante der japanischen Sanurai-Filme mit Alain Delon in der Rolle des "edlen" Killers."
Torjan [zu Anne_E]: "Das weiß ich nicht - aber in diesem Fall möchte er etwas erleben, was gänzlich anders ist."
Gro L ist soeben ausgestiegen.
Torjan [zu Solfrid]: "Welche Unterschiede gibt es zwischen Kotte und den Menschen, die hier anwesend sind?"
Renate sagt: "Niemand achtet auf ihn."

Gro_L geht ins Mellomfags-Atelier.
Renate sagt: "Er gehört nicht dazu."

Gro_L kommt.
Torjan [zu Renate]: "Warum nicht?"
Solfrid sagt: "Kotte lebt ein Leben wo alles vorausgesetzt ist"
Renate sagt: "Er sieht anders aus - und niemand redet mit ihm"
Gro L ist eingestiegen.
Solfrid sagt: "Die Alternative wollen die totale Freiheit"
Solfrid sagt: "Die Freiheit auch im sexuellen Bereich"
Torjan [zu Solfrid]: "OK - wir werden jedoch sehn, dass auch dies höcst problematisch ist."
Torjan [zu Tellef]: "Auf welche Weise geling es aber Kotte, die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich zu lenken?"
Tellef sagt: "Er beginnt eine Rede zu halten."
Torjan [zu Tellef]: "Richtig - und worum geht es in dieser Rede?"

Torjan zeigt Dia 15.

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S. 68
-- Haben Sie schon mal am Band gestanden? fragt Kotte mit einer Stimme, deren Zittern ihm Schweißströme über den Körper jagt.
-- Oder an einer Maschine?
-- Machen Sie das mal acht Stunden oder neun am Tag, sagt Kotte und starrt auf diesen Punkt inmitten des Mädchens, das Ulla heißt. Machen Sie das mal, dann haben Sie abends die Nase voll vom Theater und von allem anderen.
-- Dann sind Sie zufrieden, sagt Kotte, wenn Sie noch die Augen aufhalten können beim Fernsehen. Dann freun Sie sich, wenn Sie warme Beine haben und ein bißchen lachen können, wenns was zum Lachen gibt.
-- Dann ist Ihnen alles andere egal, sagt Kotte, weil Sie morgens um sechs wieder raus müssen, um wieder an die Maschine zu kommen, und am nächsten Tag wieder und am übernächsten und jede Woche, jeden Monat und ihr ganzes Leben.







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Anne_E sagt: "Er spricht über das Verhältnis der Arbeiter zur kunst"
Else2 sagt: "er ruft Quatsch wenn er die Diskussion über Theater hört.."
Tellef sagt: "Es handelt sich um die Monotonität der Arbeit."
Torjan sagt: "Viele gute Kommentare - dazu wollte ich einen Textauszug zzeigen - es scheint allerdings noch ein Weilchen zu dauern, bis der erscheint."
Renate sagt: "Er erklärt, warum das die Theater die Arbeiter nicht anzieht. -"
Tore_T sagt: "Kotte lehrt die Künstler wie der Alltag der Arbeiter aussieht."
Renate sagt: "Er weiss, wovon er spricht."
Torjan [zu Tore_T]: "Genau - und wozu führt denn das?"
Tellef sagt: "S. 68 sehen wir schon."
Tore_T sagt: "Es führt dazu, das Ulla auf ihn aufmerksam wird."
Torjan [zu Tore_T]: "Richtig - warum wohl?"
Solfrid ruft: "Er ist interessant - ein "echter" Arbeiter!"
Tore_T sagt: "Sie ist mit seiner Aussage einverstanden. "Du hattest doch recht"
Solfrid fragt: "Die meisten in der Gruppe scheinen Akademiker zu sein - oder?"
Torjan [zu Solfrid]: "Genau - Kotte nicht als Theoretiker, sondern als einer, der den eintönigen Berufsalltag kennt"
Torjan [zu Solfried]: "Künstler, Akademiker - vielleicht ein bisschen weltfremd."
Torjan [zu Anne_E]: "Welche Rolle spielt das Theater im Text?"
Torjan sagt: "Auf das Theater wird 3x hingewiesen. Diese Szene ist das zweite Mal."
Anne_E fragt: "verstehe ich nicht?"
Solfrid sagt: "Die Arbeiter gehen nicht ins Theater"
Anne_E fragt: "Wie meinst du?"
Torjan [zu Solfrid]: "Das stimmt nicht ganz im Gegenteil - es wird betont, dass sie immer wieder ins Thea´er gehen."
Anne_E fragt: "Der Zahl drei?"
Tellef sagt: "Vieleicht wird angedeütet dass das ganze Leben ein Theater ist."
Anne_E sagt: "Die Zahl"
Torjan sagt: "Das erste Mal S. 32 - guckt euch das mal an."
Torjan sagt: "S. 32 Yeile 6 - 9"
Torjan sagt: "Zeile"
Anne_E fragt: "Das der Betrieb gemeinsam hingeht?"
Torjan [zu Anne_E]: "Genau"
Renate sagt: "Sie gehen nicht aus eigenem Interesse"
Torjan sagt: "Wir haben es hier mit einem Teil der DDR-Kulturpolitik zu tun"
Torjan [zu Renate]: "Das ist sicher richtig - welches Stück haben sie gesehen?"
Geir sagt: "Die Kultur sollte zu dem Aufbau des soz. Staates beitragen."
Torjan [zu Geir]: "Genau - das ist es"
Solfrid sagt: "Ins Theater zu gehen ist ein Teil die "Ausbildung"
Anne_E sagt: "Das Kunst die Menschen miterziehen sollt"
Geir sagt: "Sie haben 'so'n Betriebsstück' gesehen."
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig - Kunst und Kultur als wesentliche Beiträge zur Realisierung der sozialistischen Persönlichkeit."
Anne_E fragt: "Künstler im Betrieb auch nach 71 ?"
Torjan [zu GeirUnd]: "was wird durch diese Aussage angedeutet? "
Gro_L sagt: "Ich habe irgendwo gelesen, sehr viele lehre Plätze im Theater obwohl die Plätze ausverkauft sind"
Tellef sagt: "Ein langweiliges Stück."
Geir sagt: "Betriebsstück: aufbauliche Kunst mit den richtigen Meinungen usw."
Ingeborg_A sagt: "Etwas Langweiliges, das sich um die Arbeit handelte"
Renate sagt: "man bietet nicht nur Arbeit, sondern auch Erbauliches."
Torjan sagt: "Und wahrscheinlich auch etwas ganz schön Langweiliges."
Solfrid sagt: "ein Stück, wo man alles voraussagen kann"
Torjan [zu Solfrid]: "- und deshalb ganz langweilig "
Geir sagt: "keine Konflikte, alles Harmonie"
Torjan [zu Geir]: "Richtig - Positive Menschen - postive Beispiele - alles wird gut"
Geir sagt: "keine 'Skeptizismus'"
Solfrid fragt: "aufgebaut wie "Ankunft im Alltag?"
Renate ruft: "ungefährliche Konflikte und eine Moral!"
Anne_E sagt: "Warun konnte diese kritische Gechichte"
Torjan sagt: "An sich dasselbe wie in der Rehabilitierung Mohrchens."
Anne_E sagt: "veröffentlich werden"
Solfrid [zu Anne_E]: "_E "meinst du "alte Filme"?"
Torjan [zu Anne_E]: "Diese Geschichte ist auf hintergründige Art und Weise kritisch - aber bei weitem nicht so fundamental kritisch wie "Flugasche"
Tore_T fragt: "Waren das die Theaterstücke, die die künstler auch gern sahen?"
Torjan [zu Tore_T]: "Garantiert nicht - deshalb ist Kotte für sie interessant, weil hier einer auftritt, ungeschminkt redet."
Torjan sagt: "der ungeschminkt redet."
Anne_E fragt: "Wurde das Buch von den Lesern in DDR kritisch aufgefasst?"
Torjan [zu Anne_E]: "Garantiert als eine ungeschminkte Darstellung DDR-spezifischer Phänomene - DDR-Leser besaßen eine große Fähigkeit zwischen den Zeilen zu lesen."
Torjan sagt: "Gucken wir uns nun diese ander Welt ezwas genauer an"
Torjan [zu Gro_L]: "Wie würdest du Jakob charakterisieren?"
Gro_L sagt: "GroBzügig"
Torjan [zu Gro_L]: "Auf welche Weise?"
Bjørg sagt: "Er ist ein typischer Künstler , der nicht in einer engen familie leben kann, er braucht die Freiheit"
Gro_L sagt: "Kotte ist überrascht, Jacob interessiert sich für ganz fremde Menschen"
Tellef sagt: "Er möchte keine Bindungen haben. Er lebt nur für seine Kunst."
Torjan sagt: "Gute Kommentare"
Torjan fragt: "Ist das ganz unproblematisch?"
Renate sagt: "Nein, den später sehen wir, dass er Frau und Kind hat"
Renate sagt: "denn"
Ingeborg_A sagt: " Fast unmöglich, würde ich sagen".."
Tellef sagt: "Nein, es zeigt sich dass es ihm nicht egal ist was Ulla macht."
Gro_L sagt: "Sein Benehmen zu seinem Schwiegervater hat bewirkt, dass er seine Ausbildung nicht beenden konnte"
Torjan [zu Tellef]: "Richtig - da sieht man das Problematische des gänzlich ungebundenen Lebens."
Anne_E fragt: "Jede Tätigkeit, die von dem Gemeinschaft losgelöst eksistiert ist wohl schwierig?"
Torjan [zu Anne_E]: "Kann man sagen."
Torjan fragt: "Hat jemand gesehn, wie Ulla ihn charakterisiert?"
Tellef sagt: "Er hat nie rücksicht genommen"
Torjan [zu Tellef]: "OK"
Gro_L sagt: "Das ist Jakob. Er verschenkt alles"
Renate sagt: "er verschenkt alles, er verschenkt sein halbes Leben. Er ist lebensuntüchtig."
Torjan sagt: "S. 81 - Ulla sagt, dass er ebenso talentiert wie lebensuntüchtig ist"
Gro_L sagt: "Eben so talentiert wie lebensuntüchtig"
Torjan [zu Ingeborg_A]: "Was ist für seine Kunst charakteristisch?"
Ingeborg_A sagt: "..Erinnere ich mich leider nicht"
Torjan sagt: "Ich zeige einen Textauszug"

Torjan zeigt Dia 16.

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S. 72

Viele Straßen sind darauf mit Häusern, die denen in seiner Straße ähneln. Wenn die Straßen in der Länge gesehen sind, verengen sie sich auf ganz kurzem Raum, so daß Kotte glaubt, er ist in der Straße gefangen. Die Menschen darauf sind alle dünn und haben große Augen, die ganz tief hinten liegen.








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Anne_E sagt: "Bild der Angst"
Bjørg sagt: " Nicht leicht zu verkaufen"
Torjan [zu Björg]: "Warum nicht?"
Tellef sagt: "Wie im Gefängnis."
Torjan [zu Tellef]: "Kommentar dazu?"
Tore_T sagt: "Er karakterisiert die inneren Zustände der Menschen, die er zeichnet."
Bjørg sagt: "Sie sind nicht schöne Zeichnungen"
Tellef sagt: "Enge Strassen, die Leüte sehen wie Gefangene aus."
Torjan [zu Björg]: "Garantier nicht"
Solfrid sagt: "Munch verkauft sich gut - mit viel Angst"
Geir fragt: "Expressionismus?"
Else2 sagt: "wenn er Geld braucht, macht er eine Kinoreklame"
Torjan [zu Tellef]: "Entspricht dies der offiziellen Kunstauffassung?"
Anne_E sagt: "Nein"
Tellef sagt: "Nein."
Torjan [zu Geir]: "Das ist richtig - eine deutliche Parallele zu expresionistischen Großstadtdarstellungen"
Torjan [zu Anne_E]: "Warum nicht?"
Tellef sagt: "Die DDR-Künstler haben das Leben in der DDR immer verschönert."
Solfrid sagt: "Die Künstler sollen die harmonische Teile des Lebens zeigen"
Torjan [zu Tellef]: "Richtig = sozialistischer Realismus"
Anne_E sagt: "Arbeit sollt verherrlicht werden"
Torjan [zu Solfrid]: "Heißt das, dass Jakob in seinen Bildern die Wirklichkeit nicht gezeigt hat?"
Tore_T sagt: "Das Kunstwerk sollte dem Motiv ähneln - keine Experimente."
Solfrid sagt: "Es gibt ja verschiedene Wirklichkeiten - er hat eine - oder seine - gezeigt"
Torjan [zu Tore_T]: "OK - aber versuch nicht an den soz. Realismus zu denken."
Solfrid sagt: "es gibt die Äussere und Innere Wirklichkeit - und die Beiden stimmen oft nicht miteinander überein"
Torjan [zu Solfrid]: "Er hat ein Bild von Kotte gemalt - wie erscheint Kotte in deisem Bild?"
Solfrid sagt: "das muss ich nachlesen"
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig - Jakob zeigt in seinen Bildern die innere Wirklichkeit..."
Tore_T sagt: "Er scheint, Angst zu haben."
Torjan sagt: "und es durchaus möglich, diese politisch zu deuten."
Gro_L sagt: "Sein Gesicht zeigt viel Angst"
Torjan [zu Tore_T]: "Richtig - vgl. S. 81"
Torjan sagt: "Das Bild zeigt das, was Kotte selbst nicht sehen kann."
Torjan sagt: "Jakob ist im Grunde genommen eine sozialistische Variante eines alten literarischen Motivs"
Torjan sagt: "der ununangepasste Künstler"
Torjan sagt: "unangepasst"
Torjan fragt: "Wie sieht es nun bei Ulla aus?"
Renate sagt: "ein bisschen künstlerisch ist sie auch"
Torjan sagt: "Der ganze Text lebt von Kontrasten und Parallelen - deshalb diese Frage."
Torjan [zu Renate]: "Stimmt"
Renate sagt: "sie dekoriert Schaufenster."
Torjan [zu Renate]: "Wie würdest du ihr Zimmer charakterisieern?"
Tore_T sagt: "Sie ist von einem sicheren Leben ausgebrochen."
Renate meint: "aber dort kann man wohl nicht alles zeigen..."
Torjan [zu Tore_T]: "Richtig - ihr Vater scheint in der DDR ein großes Tier gewesen zu saein."
Renate fragt: "ihr Zimmer?"
Torjan [zu Renate]: "S. 78"
Renate sagt: "sie hat nicht viel Geld, ist praktisch eingerichtet."
Renate sagt: "Ihr Bett ist die Hauptsache"
Torjan [zu Renate]: "- Kann man sagen - immerhin ein deutlicher Kontrast zu Kottes eigenen Wohnverhältnissen."
Torjan [zu Renate]: "OK - und wie sieht es aus?"
Bjørg sagt: "Die Wände sind weiss"
Geir sagt: "Mauersteinen unterm Bett"
Torjan [zu Björg]: "Ein großer Kontrast zu Kottes Wohnung"
Ingeborg_A sagt: "Die küchenbank ist halbfertig"
Torjan [zu Geir]: "Richtig - praktisch, aber ganz und gar "unbürgerlich"
Torjan fragt: "Möchte jemand die Musik kommentieren?"
Solfrid sagt: "make love, not war" ist meine Assoziation"
Renate sagt: "sie legt keinen Wert auf Wohnkomfort - wie Kotte"
Torjan [zu Renate]: "Eben ein Beispiel für ein ganz und gar andersartiges Leben"
Renate sagt: "der wollte ja sogar eine grössere Wohnung"
Ingeborg_A sagt: "Hippie-Musik"
Geir sagt: "Sie strebt keinen materialistischen Werten nach."
Bjørg sagt: " Eric Burdon und the Animals"
Torjan sagt: "Eric Burdon und The Animals" - das war garantiert keine Hippie-Band, sondern ein Teil der englischen Rock-Revolution der siebziger Jahre."
Ingeborg_A sagt: "ok"
Torjan sagt: "was an sich auch durch "The Animals" angedeutet wird."
Solfrid sagt: "sie scheint die freie sexualität haben zu wollen"
Torjan meint: "Was hier passiert ist, ist beinahe etwas Animalisches..."
Solfrid fragt: "und die Frauen waren ja sexuell unfrei - oder?"
Torjan sagt: "ein gegensatz zu den geordeneten offiziellen Radionachrichten (S. 79)."
Torjan sagt: "Die Ulla allerdings nicht, die mit einem Mann schläft, weil er ihr gefällt und die ´icht gebunden sein will."
Anne_E fragt: " Was mit den Kindern im Buch, waren die DDR Kinder alle so pflegleicht?"

Torjan zeigt Dia 17.

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S. 81

Ulla: Die Liebe geht immer kaputt, wenn ihr zu eng ist ... Forderungen, Forderungen ... Kannst du dir eine Liebe ohne Forderungen vorstellen? Das ist die einzige Sache, die zählt, wenn du keine Forderungen hast ...
Kotte: Weißt du, ich glaube, man ist immer auf der Suche.








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Ingeborg A ist soeben ausgestiegen.
Torjan [zu Anne_E]: "Das ist eine gute Frage, es gehörte jedenfalls dazu, dass die Kinder wie gepäckstücke in den Kindergarten gebracht wurden und dort abgeholt wurden."
Torjan sagt: "Die entscheidende Frage ist, ob Kottes Position mit Ullas Position identisch ist."
Anne_E sagt: "Kinder z.b. stellen Forderungen"
Solfrid fragt: "ist das Thema "freie Liebe" ein grosses Thema 1976 in der DDR?"
Torjan [zu Solfrid]: "Eigentlich nicht - was wichtig ist, ist die Tatscahe, dass die DDR eine sehr hohe Scheidungsrate hatte."
Anne_E sagt: "Ich würde sagen beide sind auf der Suche ab er auch nicht mehr"
Renate sagt: "ich habe gehört, dass sei auf den hohen Alkoholverbrauch zurückzuführen"
Renate sagt: "die vielen Scheidungen."
Solfrid sagt: "die hohe Scheidungsrate hängt wohl damit zusammen, dass beide Geld verdienten - so wie auch in Norwegen"
Torjan [zu Reante]: "Teilweise ja - aber auch auf die Doppelbelastung der Frauen im Beruf und im Familienleben."
Torjan [zu Solfrid]: "Genau."

Torjan fragt: "Gut - machen wir eine kleine Verschnaufpause?"
Anne_E sagt: "ok"
Renate fragt: "bis 19.15?"
Solfrid sagt: "eine Frage habe ich noch zu Torjan"
Torjan sagt: "Bis Viertel nach sieben"
Solfrid sagt: "S. 66 und ins Theater gehen"
Torjan sagt: "Oder auf DDR-Deutsch: Dreiviertel acht"
Renate ist soeben ausgestiegen.
Solfrid fragt: "der grosse Blonde sagt, du krigst sie einfach nicht ins theater - wen meint er dann?"
Torjan [zu Solfrid]: "Hatte ich vergessen - das wäre ein vierter Hinweis auf das Theater."
Torjan sagt: "Weil das Theater meisten uninteressant ist."
Solfrid sagt: "ich dachte, die Arbeiter sind hier gemeint, die wollen lieber vor der Glotze sitzen"
Torjan sagt: "Nur mit einer Operette würde es gehen"
Solfrid sagt: "OK - also die Arbeiter sind in Ordnung, aber die Theaterstücke nicht"
Torjan [zu Solfrid]: "- das ist richtig - wer hat Nach der Arbeit Lust, ein langweiliges Betriebstück zu sehen."
Solfrid sagt: "ja, er sagt " gerade bei den Gegenwartssachen"
Anne_E fragt: "Verfolge ich deinen Gedanken Theater als Symbol, für was ist Film Symbol?"
Torjan [zu Anne_E]: "Was repräsentieren die Filme für Kotte?"

Anne_E sagt: "Ende des Lebens"
Anne_E sagt: "Vergäglichkeit"
Torjan [zu Anne_E]: "das ist wohl zu stark gesagt - eher Wirklichkeitsflucht"
Torjan sagt: "Aber dann wird er durch Frau Jeske auf die Vergänglichkeit aufmerksam"
Torjan sagt: "gewissermaßen ein existenzielelr Schock"
Anne_E sagt: "Er geht aber nicht ins Kino, er geht in Leben hinaus und lebt kräftig"
Torjan [zu Anne_E]: "Richtig - die Frage ist allerdings, ob er etwas findet, was dazu beitagen könnte, seinen Frust zu überwinden"
Else2 ist soeben ausgestiegen.
Torjan sagt: "beitragen, wollte ich sagen"
Solfrid sagt: "Was er erlebt, ist ja "ein Theater" auch"
Anne_E sagt: "Aber er resigniert ja später vor dem nächsten Film"
Torjan [zu Solfrid]: "- oder ein Film - zwei Seiten derselben Sache"
Solfrid sagt: "Die Menschen die er begegnet, spielen alle seine Rollen"
Torjan sagt: "Und Filme/Theaterstücke sind von begrenzter Dauer"
Anne_E fragt: "Das gleiche Thema wie Spiegelgeschichte?"
Anne_E sagt: "Film und Theater eine grosse Unterschied, meine ich"
Solfrid sagt: "aber nicht in diesem Zusammenhang"
Torjan [zu Anne_E]: "Das glaube ich nicht"
Anne_E sagt: "Als Symbole - doch"
Torjan sagt: "an einer Stelle im Text wird das Leben mit einem Film verglichen, aber im Augenblick finde ich sie nicht."
Anne_E sagt: " Film ist z.b. Scnitte, Plastik"

Ingeborg_A kommt.
Solfrid sagt: "Die Wirklichkeit - und was sie ist scheint hier Thema zu sein"

Anne_E sagt: "Keine stumme Dialog mit Dem Publikum wie im Theater"
Torjan [zu Solfrid]: "Das ist der wesentliche Punkt - gut dass du es gehsehen hast."
Torjan [zu Anne_E]: "Das ist kaum richtig - auch der Film macht den Zuschauer durch seine Trick zum Mitspieler."
Torjan fragt: "Wollen wir wieder anfange?"
Solfrid sagt: "hier stellt aber Film und theater das gleiche Motiv da"

Else2 kommt.
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig"
Torjan fragt: "Die Frage die jetzt gestellt werden muss: Wie/Warum findet Kotte den Weg yu seiner Frau zurück?"

Renate kommt.
Torjan sagt: "Und das gleichzeitig auch zum Kollektiv"
Torjan fragt: "Was kann in einer gewissen Hinsicht als der Höhepunkt des Textes betrachtet werden?"
Torjan sagt: "Die Frage kann buchstäblich aufgefasst werden."
Gro_L sagt: "Kottes Klättern in der Fontäne"
Tore_T fragt: "Als er auf die Fontäne klettert?"
Bjørg sagt: "Er wurde von den Polizisten mitgenommen nach seinem Kletterntour am Alexanderplatz"
Torjan [zu Gro_L]: "Genau - warum klettert er auf die Fontäne?"
Torjan fragt: "Nur zum Spaß?"
Gro_L fragt: "Wieder weil er sooo besoffen war, aber sonst?"
Tore_T sagt: "Er ist glücklich."
Tellef sagt: "Er möchte nicht zur Menge gehören."
Torjan sagt: "Glücklich und besoffen - da tut man natürlich dumme Dinge"
Torjan [zu Tellef]: "Kann man sagen - er möchte gewissermaßen seine Fähigkeit zur Freiheit beweisen"
Else2 sagt: "aber hat auch so viel "Frustration"
Anne_E sagt: "Seine Erfahrung hat Ihm gelert schon am Anfangdes Buches, dass dann die Ordnungsmacht eingreifen wird aller wahrschlichkeit"
Solfrid sagt: "Freiheit beweisen - er macht was er will"
Solfrid sagt: "oder ist dazu im Stande, wenn er das wirklich will"
Torjan [zu Anne_E]: "Das ist richtig - aber schon früher wurde gezeigt, dass die Polizei diejenigen unter Aufsicht halten , die sich auf dem Alex herumtreiben."
Torjan [zu Tore_T]: "Was wird das Ergebnis seiner Klettertour?"
Tore_T sagt: "Er wird von der Polizei festgenommen"
Anne_E fragt: "das weiss Kotte, ist er das protestieren müde?"
Torjan [zu Anne_E]: "Wir haben es eher mit einem Ernüchterungsprozess zu tun"

Torjan zeigt Dia 19.

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S. 98

Kotte schwankt wieder, diesmal nach vorn, und der zweite Polizist greift nach seinem Arm und hält ihn fest. So nicht, Freunde, so nicht. Nicht anfassen, bitte! Wenn Kotte etwas nicht vertragen kann, dann ist es, daß ihn einer anfaßt. Das war schon früher so, das war schon von klein auf bei Kotte so! Wenn Kotte einer anfaßt, dann sieht er rot! Das muß man wissen.








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Torjan [zu Björg]: "Wie würdest du Kottes Reaktion charakterisieren?"
Bjørg sagt: " Er habe Angst angefasst zu werden"
Solfrid sagt: "er will frei sein und selber entscheiden"
Tore_T sagt: "Die Szene hat Humor."
Torjan [zu Tore_T]: "Dem stimme ich zu"
Else2 sagt: "als Kind muss er irgendetwas erlebt haben"
Torjan [zu Geir]: "Was sagst du zum Verhalten der Polizei?"
Torjan [zu Else2]: "Durchaus möglich - aber der Text gibt keine Antwort darauf"
Ingeborg_A sagt: "Es ist freundlich und gemütlich"
Geir sagt: "Zurückhaltend"
Geir sagt: "Kotte reagiert ziemlich stark, vielleicht unerwartet."
Torjan [zu Geir]: "Das ist richtig"
Geir sagt: "..für die Polizei."
Tore_T sagt: "Es wird von der Polizei ein menschliches Gesicht gezeigt."
Torjan sagt: "Die Reaktion der Polizei ist aber durchaus verständlich - was Kotte gemacht hat, ist eigentlich lebensgefährlich gewesen"
Solfrid sagt: "Kotte ist besoffen und nicht gefährlich, das scheint die Polizei zu erkennen"
Torjan [zu Solfrid]: "Gefährlich ist er nicht - aber die Fontäne ist schön hoch"
Torjan sagt: "Ein Fall könnte den Tod bedeuten"
Torjan sagt: "S. 101 - hier ist die Polizei auch schön schroff - allerdings bei einem Besoffenen verständlich"
Torjan fragt: "Was wird das Resultat seiner Festnahme durch die Polizei?"
Tellef sagt: "Sein Arbeitsplatz wird unterrichtet."
Torjan sagt: "S. 102: Grober Unfug und Trunkenheit. Kein Widerstand."
Renate sagt: "Er wird frei gelassen"
Ingeborg A ist soeben ausgestiegen.
Torjan [zu Renate]: "Was heißt "grober Unfug"?"
Renate sagt: "Man belästigt die Umgebung mit dummen Streichen"
Torjan sagt: "Genau = grov ordensforstyrrelse"
Renate sagt: "man stört die Ordnung"
Torjan sagt: "Das Positive ist, dass im Bericht der Polizei nicht von Widerstand die Rede ist - was eigentlich nicht stimmt"
Torjan [zu Björg]: "Was macht er nach seiner Begegnung mit der Staatsmacht/der Polizei?"
Bjørg sagt: " Er geht zurück zum Alex, und geht so in einer Kneipe.."
Tellef sagt: "Er geht etwas trinken."
Torjan [zu Björg]: "Und danach?"
Renate sagt: "und dann will er Ulla aufsuchen"
Renate sagt: "Entschuldigung."
Bjørg sagt: " Er geht nach Hause"
Else2 sagt: "er hat Sehnsucht nach irgendeinem, den er kennt"
Torjan [zu Renate]: "Du hast recht"
Bjørg sagt: " Entschuldigen, zuerst zu Ulla"
Torjan sagt: "Er will zu Ulla"

Bjørg sagt: " Entschuldigung.. viele Fähler"
Anne_E sagt: "Ulla ist aber mit Jacob"
Gro_L fragt: "Meinst du, dass er in Ulla die Karla von vor der Ehe sieht?"
Torjan sagt: "Hier ein Textauszug:"
Torjan sagt: "S. 103"
Torjan sagt: "Wir versuchens noch einmal"
Torjan sagt: "S. 103"
Torjan erzaehlt: "Und plötzlich hat er Sehnsucht nach irgendeinem, nach Jakob, nach Ulla, sogar nach dieser Niketta. Hauptsache ein Mensch, den er kennt. Mann Gottes, die wartet ja. Die Ulla, die wartet ja! Kotte kramt Geld aus der Tasche. Da sind nur noch ein paar Mark, aber es reicht. Frau Wirtin, Kotte will zahlen. Nebenan spielen sie Skat und brüllen bei jedem Stich, viele Pärchen sitzen um ihn herum und junge Leute. An der Decke hängen bunte Lämpchen wie auf einem Gartenfest. Am besten, Ulla wäre jetzt hier. So ein Tag! Kotte als Ordnungsstörer, Kotte als Säufer. Vorsicht, mein Lieber, Vorsicht. Warum die nicht kommt. Kotte legt das Geld auf den Tisch und läuft hinaus. Bloß weg. Ulla, die wartet. Ulla mit dem dollen Gesicht. Ulla, die sagt: Du kannst heute abend kommen. Los, los."
Torjan sagt: "Hier hat man es mit einer Verkennung der Lage zu tun - er glaubt, dass Ulla auf ihn wartet"
Torjan fragt: "Was allerdings nicht stimmen kann. Warum?"
Torjan fragt: "Keine Reaktionen?"
Geir sagt: "Ulla will keine feste Verbindung mit ihm."
Torjan sagt: "Ulla ist ja eine, die frei sein will, die keine Bindungen akzeptieren will."
Tore_T sagt: "Ulla hat gesagt, er kann kommen, wenn er will."
Bjørg sagt: "Ulla ist frei sie wartet auf niemand"
Torjan [zu Geir]: "Wer wartet nun auf ihn?"
Torjan [zu Björg]: "Genau"
Geir fragt verwundert: "??"

Torjan zeigt Dia 20.

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S. 106

Drinnen sieht er, daß Karla sein Frühstücksgedeck auf dem Tisch stehengelassen hat. Die Kaffeeekanne ist in eine Art Wollmütze gehüllt. Die tapetenrollen sind wieder an ihrem Platz und mit einem Stück buntem Stoff bedeckt. Die Tür zum kleinen Zimmer steht offen, und Kotte entdeckt sein Bett, das aufgeschlagen ist.








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Torjan sagt: "Die Rückkehr ins traute Heim"
Solfrid sagt: "Das finde ich süss.."
Torjan sagt: "Karla hat nach ihrem Urlaub vom Alltag auf ihn geartet."
Torjan [zu Solfrid]: "OK - die Frage ist, ob der Schluss befriedigend ist, ob damit alle Probleme gelöst werden."
Tore_T sagt: "Karla hat warscheinlich auch ihre kleine Abenteuer gehabt. Jetzt will sie sich versöhnen."
Torjan [zu Tore_T]: "Das ist sicher richtig"
Torjan [zu Tore_T]: "Welche Folgen bekommt die Ordnungsstörung in seinem beruflichen Alltag - anders gesagt: Welche Strafe bekommt er?"

Torjan zeigt Dia 21.

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S. 111

-- Wenn du nicht vor die Konfliktkommission mußt, hast du das mir zu verdanken, mein Lieber, sagt Patig und lief auf und ab. Ich hab bei der Kadertante geredet wie ein Prdeiger. Um ein Gespräch, da kommst du aber nicht herum. Das ist dir doch klar, oder?
Kotte nickte.
-- Mensch, sagte Patig beschwörend und blieb vor Kotte stehen. Sdo was kommt doch in die Akten. Damit versaust du dir doch alle Chancen für die nächsten zwei Jahre. Wie soll ich dich mit so'ner Eintragung zur dritten Technischen empfehlen?
Patig schüttelte verständnislos den Kopf.
-- Nee, Günter, sagte er dann. So was mach nicht öfter.






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Solfrid sagt: "die Probleme sind nicht gelöst, aber ich denke Kotte ist sich sein Leben etwas bewusster"
Geir sagt: "Er bekommt keine Beförderung."
Torjan [zu Solfrid]: "Er wurde jedenfall mit einem tief menschlichen Problem konfrontiert (Leben/Tod). "
Tore_T sagt: "Seine Vorgesetzten halten ihre Hand über ihm. Er wird nicht bestraft."
Tellef sagt: "Es wird in seine Papiere eingetragen.Nach zwei Jahre guten Verhaltens kann es wieder gestrichen werden."
Torjan [zu Tellef]: "Er bekommt einen negativen Aktenvermerk, der nach zwei Jahren gelöscht weden kann."
Torjan sagt: "Aber er bekommt auch eine Aufgabe, die als Strafe betrachtet werden kann."
Tore_T ruft: "Als Zeichner - Künstler!"
Gro_L sagt: "Im Büro gibt es Erger. "Strafe": Theatervertreter für seine Kollegen"
Torjan [zu Gro_L]: "Das ist richtig - das ist der dritte Theaterhinweis"
Torjan sagt: "S. 119 Werbung für Theateranrechte"
Renate fragt: "und deren Vertrieb - ich verstehe das eigentlich nicht. Worum handelt es sich?"
Torjan sagt: "Es ist ein Teil der Kulturpolitik"
Torjan sagt: "Die Kollegen müssen einmal im Monat geschlossen ins Theater"
Renate fragt: "Was ist die konkrete Aufgabe?"
Torjan sagt: "es wird seine Aufgabe sden Kontakt mit den Theatern aufrechtzuerhalten und die Karten unter die Kollegen zu verteilen."
Tore_T sagt: "(Ich habe mich falsch erinnert)"
Torjan sagt: "Und da er ja das Theater früher kritisiert hat, wird dires kaum eine allzu reizvolle Aufgabe sein"
Geir sagt: "Mit solchen trüben Theatervorstellungen müsste es eine schwierige Aufgabe sein, die Karten zu verteilen."
Torjan sagt: "Das Wesentliche: ER ist wieder ein nützlices Rädchen im Kollektiv"
Geir sagt: "niemand wollte wohl hin"
Bjørg ist soeben ausgestiegen.
Geir sagt: "ins Theater"
Gro_L ruft: "Aber das Ende des Buchs finde ich traurig!"
Anne_E erzaehlt: "Frau Jescke stirbt, mit ihr vielleicht auch seinen Traum von einem anderen Leben, nur die Glotze bleibt als Flucht, oder man hat sich "ausrebelliert" und angepasst."
Solfrid [zu Gro_L]: "was verstehst du unter der letzten Scene?"
Tore_T fragt: "Ja, wie soll man den Schluss verstehen?"
Gro_L sagt: "Wieder am Fernseher"
Torjan [zu Geir]: "Das stimmt - aber sie sind mehr oder weniger dazu verpflichtet - die Betriebe konkurreieren miteinander, wer die meisten Theaterbesuch aufweisen kann."
Tellef fragt: "Stirbt sie denn? Steht dass nicht offen?"
Gro_L sagt: "Zurück zum alten Sitten"
Torjan sagt: "Man darf wohl annehmen, dass Frau Jeske stirbt"
Torjan sagt: "Das Positive: Sie bekommen eine größere Wohnung"
Torjan sagt: "Sonst ist aber im Grunde genommen alles beim Alten geblieben"
Torjan fragt: "Nun die Frage: Lässt sich der Schluss politisch interpretieren?"
Anne_E fragt: "Die alte Film sind besser als das Leben im Kommunismus?"
Renate meint: "Irren ist menschlich..."
Tore_T fragt: "Erregt sich Kotte in dem letzten Satz nur wegen dem Film?"
Solfrid fragt: "Hochzeitsnacht im Paradies?"
Torjan [zu Anne_E]: "So würde ich das nicht auffassen"
Anne_E sagt: " Das hab eich schon gedacht"
Solfrid sagt: "Die ewige Sehnsucht nach ein besseres Leben"
Torjan [zu Tore_T]: "Wohl kaum - wir haben es wohl auch mit einer Freude ganz anderer Art zu tun"
Torjan [zu Solfrid]: "Kann man sagen"

Solfrid sagt: "und das Paradies ist eine andere Wirklichkeit"
Torjan sagt: "Wesentlich ist, dass Kotte zu seiner Frau und zum Kollektiv zurückfindet"
Gro_L fragt: "Wie meinst du die Antwort zu Tore?"
Torjan [zu Gro_L]: "Er freut sich wohl auf eine Liebesnacht??"
Gro_L ruft: "Aha!"
Geir sagt: "Er wird jetzt freier, weil sie jetzt unter sich sein können."
Torjan sagt: "Der Schluss ist aber, finde ich, ziemlich resigniert"
Renate sagt: "Ich muss leider gehen. Tschüss und danke für die Stunden heute."
Renate ist soeben ausgestiegen.
Torjan sagt: "OK - wir müssen sowieso aufhören"
Tore_T sagt: "Es ist also nicht alles beim Alten. Das Leben ist besser geworden."
Solfrid fragt: "Kotte ist kluger geworden - ist es ein Bildungsroman?"
Torjan sagt: "Das Leben ist etwas besser geworden - die Frage ist, ob dies auf die Dauer genügt"
Torjan [zu Solfrid]: "Wohl kaum - von einer reifen, harmonischen Persönlichkeit wie in einem Bildungsroman kann kaum die Rede sein."
Torjan sagt: "Kotte - einer von denen, die sich anpassen, auch wenn nicht alles perfekt ist"
Solfrid sagt: "ja, da hast du Recht"
Torjan sagt: "Auf DDR-Dutsch: "Am Staate mäkeln, aber doch ihn tragen"
Torjan sagt: "Kjefte paa staten, men likevel stötte den"
Torjan sagt: "Dies wäre eine politische Lesart"
Solfrid fragt verwundert: "Das beste aus der Situation machen - ja, so wollen sie uns doch haben??"
Torjan sagt: "Versucht darüber nachzudenken - ich bin für aAnregungen dankbar"
Solfrid fragt: "vielen Dank für einen interessanten Unterricht - werden wir dich in Bergen sehen?"
Torjan [zu Solfrid]: "Richtig - deshalb ist Kotte im mGrunde genommen auch eine tragische Figur"
Torjan [zu Solfrid]: "Das hoffe ich!"
Torjan sagt: "So jetzt habe ich eure Geduld sicherlich aufgebraucht."

Torjan meint: "Ich bedanke mich für anregende Diskussionen ..."
Gro_L sagt: "Tschüss und vielen Dank"
Torjan ruft: "und wünsche euch weiterhin alles Gute!"
Geir ruft: "Auf Wiedersehen!"
Solfrid sagt: "tschüss .."

-- Ende der Aufzeichnung: Montag, 8. April 2002 8:08 Uhr Dreistadt-Zeit --