230102 Steinar


-- Start der Aufzeichnung: Mittwoch, 23. Januar 2002 7:13 Uhr Dreistadt-Zeit --

Oddny fragt: "ich hoffe so, und du ?"
Renate meint: "Ich überlege noch..."
Oddny ruft: "komm, Renate!"
Renate sagt: "Mal sehen."
Steinar sagt: "Einen wunderschönen guten Abend ...und ein gutes Neues"

Gro_L kommt.
Renate ruft: "Danke, gleichfalls!"
Anne_E sagt: "ebenfalls"

Bjørg kommt.
Steinar sagt: "Ich hatte Probleme mit meinem Computer. Aber diejenigen, die mir Arbeiten geschickt haben, bekommen sie - so schnell wie möglich"
Steinar sagt: "Heute geht es um Walthers 1. Reichston. Also brauchen Sie die Aufgaben."
Steinar fragt: "Haben Sie sie griffbereit?"
Renate sagt: "Ja, direkt vor mir."
Steinar fragt: "gut, und die anderen?"
Oddny sagt: "ja"
Anne_E sagt: "nein"
Steinar sagt: "Finden Sie rechts, Anne"
Tellef sagt: "Ja"
Anne_E fragt: " kannst du die zeigen?"
Gro_L sagt: ""Ja, alles OK"
Steinar fragt: "Haben Sie sie, Anne?"
Bjørg ist soeben ausgestiegen.

Solfrid kommt.
Anne_E sagt: "ja gefunden"
Steinar sagt: "Prima."

Tore_T geht ins Mellomfags-Atelier.

Tore_T kommt.
Steinar fragt: "Wie ordnen Sie diesen Text litarturgeschichtlich ein?"
Steinar sagt: "literatur.."

Bjørg geht zum Kolloquienraum 1.
Steinar fragt: "weiss jemand?"
Renate sagt: "Es entstand zwischen 1198 u. 1202."
Steinar sagt: "gute Zeitangabe"
Renate sagt: "Es gehört zu den sogen. politischen Gedichten."
Steinar sagt: "Gut, das zum Thema"

Else2 kommt.
Steinar fragt: "Welche Gattung?"

Else2 geht ins Mellomfags-Atelier.

Bjørg kommt.

Else2 kommt.
Oddny sagt: "Kannn Männer- UND Frauenlied sein"
Steinar fragt: "Ok...lassen wir erstmal so stehen. Welche Gattung?"
Steinar fragt: "Welche drei Hauptgattungen gibt es in der Literatur?"
Gro_L sagt: "Christentum"
Bjørg sagt: "Epik, Lyrik und"
Steinar fragt: "Verstehen Sie die Frage?"
Tore_T sagt: "Epik, Lyrik und Drama"
Else2 sagt: "Drama"
Steinar sagt: "gut Bjørg und Tore"
Bjørg sagt: " und Drama"
Steinar sagt: "und Else2"
Steinar fragt: "Welche Gattung haben wir hier?"
Solfrid sagt: "Lyrik"
Steinar sagt: "gut"
Steinar fragt: "Es gibt in der mhd. Lyrik zwei Untergattungen, Welche?"
Else2 sagt: "sogenannte Spruchdichtung"
Steinar sagt: "ja"
Renate sagt: "und Lieder"
Bjørg sagt: "Srüche"
Steinar sagt: "Minnesang und Sprachdichtung"
Bjørg sagt: " Sprüche und Lieder"
Steinar sagt: "Spruch"
Steinar fragt: "Hier liegt ein Text der Spruchdichtung vor. Wie erkenne ich das?"
Renate sagt: "Er gibt Ratschläge am Schluss"
Steinar fragt verwundert: "das Thema ist...??"
Solfrid sagt: "es ist erzierisch"
Steinar sagt: "nicht Liebe, sondern"
Bjørg sagt: " es erzählt über das ethische Verhalten der Menschen"
Else2 sagt: "Die Sprucdichtung befasst sich mit religiösen oder politischen Fragen - hier politisch"
Steinar sagt: "Richtig, Else2"

Steinar zeigt Dia 1.

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Aufgabe 1
(diese Frage kann man in der Tat ein bisschen ausführlicher beantworten. Ich beschränke mich auf ein paar Stichwörter)

Literaturgeschichtliche Einordnung:
a) Literarischer Text in mhd. Sprache
b) Gattung: Lyrik
c) Untergattung: Spruchdichtung
d) Thema: Politik, Religion, Weltlage
e) Zur Metrik: paarweise geordneter Endreim





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Steinar sagt: "ungefähr so"
Steinar fragt: "Worum geht es im Text?"
Renate sagt: "Besitz, weltliche Ehre und Gottes Gnade."
Steinar fragt: "gut, Renate. Was war in der Welt los?"
Steinar sagt: "d.h. im deutschen Reiche"
Else2 sagt: "die Ich-Person reflektiert über die Unruhe seines Landes"
Solfrid sagt: "Kampf um die Macht"
Steinar sagt: "gut, Else2"
Steinar sagt: "gut, Solfrid"
Steinar fragt: "Kampf zw. wem?"
Oddny sagt: "ein Streit zwischen Kaiser/Papst/Feudalherren"
Steinar sagt: "prima"

Steinar zeigt Dia 2.

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Aufgabe 1 (Fortsetzung)Worum es im Gedicht geht:
a)Der politische Hintergrund (Kaiserwahl, Einmischung des Papstes)
b)Walthers Position (arbeitet bei Philipp von Schwaben)
c)3 Werte müssen kombiniert werden (Besitz, Ansehen in der Gesellschaft und Gottes Segen), um in Harmonie leben zu können. Der wichtigste Wert ist Gottes Segen (gotes hulde, der zweier übergulde = gilt mehr als die beiden anderen). Wenn ein Wert zu dominierend wird, geht das auf Kosten der beiden anderen.. Ein solches Ungleichgewicht scheint also in der Welt vorzuherrschen (untriuwe ist in der sâze, gewalt vert ûf der strâze). Worauf beruht das?
d)Die Voraussetzung für ein harmonisches Nebeneinandersein der drei Werte sind vride (pax) und reht (iustitia). Friede und Recht müssen wieder geschaffen werden (gesund werden), um ein harmonisches Nebeneinander der drei Werte zu ermöglichen. Erst dann können die Menschen in Harmonie leben.
e)Möglicherweise liegt eine sanfte Kritik Walthers vor: die geistlichen und weltlichen Fürsten (in erster Linie der Papst und der Kaiser) sollten sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich wieder für Friede und Gerechtigkeit sorgen.








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Else2 sagt: "gleichzeitigen Wahl zweier Kaiser"
Steinar sagt: "ja, es geht um die Kaiserwahl und den Papst und das Chaos im Reich"
Steinar sagt: "Harmonie ist ein wichtiger Begriff"
Steinar fragt: "Merken Sie, wie vorsichtig die Kritik geäussert wird?"
Steinar fragt: "Haben Sie zur 1. Aufgabe Fragen?"
Else2 fragt: "ja, und warum so vorsichtig?"
Steinar fragt: "Ich leite die Frage weiter... warum so vorsichtig?"
Oddny sagt: "es war vielleicht gefährlich mehr direkt zu sein"
Steinar fragt: "Welche Folgen konnte eine Kritik damals haben?"
Steinar sagt: "richtig, Oddny"
Solfrid sagt: "Um die Freiheit und das Leben zu retten"
Steinar sagt: "Es war sehr riskant, zu direkt zu sein"
Renate sagt: "Ich habe irgendwo gelesen, dass er von der Gunst der Herrschenden abhängig war - und mehrmals die Seite wechselte."
Steinar sagt: "ja, Walther war ja auf die Gunst mehrerer Herrscher angewiesen"
Else2 sagt: "Welche "Position" hatte ein Lyriker in der Gesellschaft"
Steinar sagt: "Er war teilweise ein Fahrender - ohne Besitz. Walther bekam erst spät im Leben ein Lehn"
Oddny sagt: "damals waren die Künstnern direkt unter den Fürsten angestellt"
Steinar sagt: "richtig"
Steinar sagt: "Jetzt zur Aufgabe 2"
Steinar fragt: "Welche drei Lautwandel gibt es?"
Bjørg meint: "Diphtongierung..."
Oddny sagt: "Monophtongierung, Diptongierung und Vokaldehnung"
Steinar sagt: "prima"
Bjørg sagt: " Monophtongierung und Vokaldehnung"

Steinar zeigt Dia 3.

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Aufgabe 2
Lautwandel im Übergang zwischen dem Mhd.. und dem Frühneuhochdeutschen (vgl. Stedje, Kap. 14.5)
(bitte bemerken Sie, dass diese Lautwandel nicht in allen Dialekten erfolgt sind!)

1.Die frühneuhochdeutsche Diphthongierung (siehe Stedje, Kap. 14.5.1). Beispiele aus dem Text: ûf > auf, schrîn > Schrein. (Das Alemannische kennt diese Diphthongierung nicht uf schwyzerdütsch)







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Steinar sagt: "also, zunächst die Diphthongierung"
Steinar sagt: "Bitte lesen Sie nach bei Stedje. Merken Sie sich vielleicht folgendes:"
Steinar sagt: "mîn niuwez hûs > mein neues Haus"
Steinar sagt: "iu=ü"
Steinar sagt: "und wenn Sie in der Schweiz sind, dann hören Sie immernoch die alten Langvokale"
Steinar fragt: "Fragen?"
Steinar sagt: "dann zur Monophthongierung"
Renate sagt: "tuot - tut"

Steinar zeigt Dia 4.

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Aufgabe 2 (Fortsetzung)
2. Die mitteldeutsche Diphthongierung (siehe Stedje, Kap. 14.5.2) Beispiele aus dem Text: wie > wie (das e wird nicht ausgesprochen (bezeichnet Länge des vorangehenden Vokals (Dehnungs-e)), tuot > tut .
(Diese Diphthongierung hat das Bairische und Alemannische nicht erreicht; daher der Terminus mitteldeutsche Diphthongierung)








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Steinar sagt: "HIER IST EIN FEHLER"
Anne_E sagt: "Umwandlungeines D. ineinfaches Vokal"
Steinar sagt: "ich meine: die mitteldeutsche Monophthongierung"
Steinar sagt: "Merken Sie sich folgendes:"
Steinar sagt: "liebe guote brüeder > liebe gute Brüder"
Steinar sagt: "dann haben Sie es"
Bjørg ist soeben ausgestiegen.
Steinar fragt: "Fragen?"
Steinar sagt: "(ich war offensichtlich müde als ich die meinen Lösungsvorschlag schrieb)"
Steinar sagt: "Also: die mitteldeutsche Monophthongierung"
Renate fragt: "Ich muss leider noch einmal zurück zur Arbeit und die Stunde hier verlassen. Das tue ich sehr ungern. Bis zum nächsten Mal - in Oslo?"
Renate ist soeben ausgestiegen.
Steinar sagt: "jetzt zum letzten Punkt"
Solfrid sagt: "wie- der e wurde dann wahrscheinlich mal ausgesprochen"
Steinar sagt: "ja, Solfrid. Das e im wie wurde im Mhd. ausgesprochen"

Steinar zeigt Dia 5.

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Aufgabe 2 (Fortsetzung)
3. Die Vokaldehnung (siehe Stedje, Kap. 14.5.3). Beispiele aus dem Text: (ellen-)bogen (kurze o) > Ellenbogen (langes o), vride (kurze i) > Friede (langes i + Dehnungs-e).









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Steinar sagt: "Diese Änderung sieht man nicht in der Schrift"
Steinar sagt: "jedenfalls nicht immer"
Steinar sagt: "AUch hier bitte bei Stedje nachlesen"
Steinar fragt: "Fragen?"
Steinar sagt: "dann zur Aufgabe 3"

Oddny sagt: "zeight das H z.B. in FAHREN dass das Vokal länger ist"
Steinar sagt: "ja, Oddny. Das h nennen wir ein Dehnungs-h"
Oddny sagt: "ok"
Steinar sagt: "im Mhd. war das a kurz."

Steinar zeigt Dia 6.

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Aufgabe 3
Zur Form: vert: 3.Pers.Sg.Präs.Ind. von varen (=fahren)
Zur Konjugation: varen, vare : vuor : vuoren : gevaren
Zum Vokalunterschied im Präs. (ich vare, du verest, er veret/ich fahre, du fährst, er fährt).
Das e (heute ä geschrieben) geht auf das Phänomen i-Umlaut zurück, und zwar wurde im Ahd. in diesem Fall ein kurzes /a/ zu einem /e/ umgelautet (Primärumlaut, vgl. Stedje, Kap. 9.7.1). Die Ursache für diese Änderung war ein nachfolgendes i oder j, das auf den vorangehenden Vokal (in diesem Fall /a/) assimilierend wirkte.
Ahd. Formen: faran (Inf.) aber feris (<*faris) (2.Sg)/ ferit (<*farit) (3. Sg).
Das i-Element findet man nur in der 2. und 3. Pers. Sg. In den restlichen Formen bleibt daher das a erhalten.






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Steinar sagt: "Ja, Leute. Es ist also NICHT das Verb werden, sondern Präs. von varen"
Steinar sagt: "=Fahren"
Solfrid sagt: "dann habe ich heute auch viel neues gelernt"
Steinar sagt: "das e (heute ä geschriben) geht also auf den i-Umlaut zur¨uk"
Steinar sagt: "zurück"
Steinar sagt: "freut mich, Solfrid"
Steinar fragt: "Haben Sie Fragen?"
Steinar sagt: "(es steht halt sehr viel auf dem Dia)"
Steinar sagt: "Sie können mich ja in Oslo fragen"
Steinar fragt: "können wir weitermachen?"
Steinar fragt verwundert: "??"
Gro_L sagt: "ja, gern"
Else2 sagt: "ja"
Anne_E sagt: "ja"
Steinar sagt: "ok, dann zur 2. Lautverschiebung"
Steinar fragt: "Haben Sie erkannt, dass es die 2. Lautverschiebung ist?"
Solfrid fragt: "aber wann ist "v" - "f" geworden?"
Steinar meint: "zu Solfrid. Sie haben lange v und f um einander verwendet..."
Solfrid sagt: "und das muss man einfach wissen.."
Steinar fragt: "Welche Laute wurden in der 2. Lautverschiebung verschoben?"
Else2 sagt: "die berühmten p,t,k"
Steinar sagt: "zu Solfrid: v wird /f/ ausgesprochen. Wenn Sie die Form laut lesen, hören Sie ein /f/"
Steinar sagt: "ja, Else2"
Steinar sagt: "Nun, jetzt ist die Zeit gleich um. Ich möchte daher in Oslo Frage 4 und 5 behandeln. Es ist nämlich recht umfangreich"
Gro_L sagt: "OK, wir freuen uns auf Oslo"
Steinar erzaehlt: "Ausserdem bitte ich Sie, das Nibelungenlied vorzubereiten (d.h. nur das, was Pensum ist). Ich werde Ihnen bald nähere Informationen geben (hier im Netz)"
Steinar sagt: "Ich werde 3 Stunden zur Verfügung haben"
Anne_E sagt: "Prima"
Steinar sagt: "Ich freue mich auch, Sie wieder 'in natura' zu sehen"
Anne_E sagt: "ebenfalls"
Solfrid fragt: "gut - freue mich auf Oslo auch. Gehen wir Freitag abend gemeinsam was Essen?"
Gro_L ruft: "Das wäre nett!"
Oddny sagt: "ich komme gern mit"
Steinar sagt: "ich bin nur am Samstag in Oslo (wir müssen ja Geld sparen)"

-- Ende der Aufzeichnung: Mittwoch, 23. Januar 2002 8:03 Uhr Dreistadt-Zeit --

Gro_L sagt: "Schade"