-- Start der Aufzeichnung: Montag, 28. Januar 2002 7:17 Uhr Dreistadt-Zeit --
Renate fragt: "zu Gro Und einen Schlafplatz?"
Benedikt fragt: "Anne, Bjørg, Tore - ihr habt in der Gruppe den Begriff Zersetzung diskutiert. Was versteht man darunter?"
Gro_L sagt: "Ja, Renate"
Renate sagt: "Wir reden später darüber."
Else2 fragt: "werden wir Kiel nach der Unterricht diskutieren?"
Renate sagt: "Ja"
Gro_L sagt: "OK"
Heinrich_Guest sagt: "Disskeditierung des öffentlichen Rufs"
Else2 sagt: "entschuldigen, Benedikt"
Bjørg ist soeben ausgestiegen.
Benedikt [zu Heinrich_Guest]: "Ja - genau. Weitere Punkte"
Heinrich_Guest sagt: "Wiist du die Praxis Hören"
Benedikt [zu Heinrich_Guest]: "Später. Es gab noch andere Methoden der Zersetzung"
Bjørg ist eingestiegen.
Benedikt fragt: "Wie sah es mit der beruflichen Zukunft aus?"
Tellef sagt: "Z.B.Schwierigkeiten in dem öpffentlichen undim arb"
Heinrich_Guest sagt: "Wurde verbaut"
Benedikt fragt: "Galt das nur für die direkt Verfolgten?"
Tellef sagt: "Entschuldigung, ich habe falsch gedrückt."
Heinrich_Guest sagt: "auch die Zukunftchansen der Agehörigen waren schlcht"
Gro_L sagt: "Man durfte nicht studieren, wenn man sich politisch schlecht benahm"
Tellef sagt: " Auch die Familie bekam in vielen Fällen Probleme."
Benedikt [zu Heinrich_Guest]: "Genau. Man schüchterte auch das Umfeld ein."
Benedikt meint: "Gut ich glaube wir können diesen Punkt mit einem Dia abschliessen und dann kann die Gruppe über den Fall Fuchs berichten ..."
Benedikt zeigt Dia 4.
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Zersetzungsmassnahmen:
- Diskreditierung des öffentlichen Rufes
- systematische Organisierung beruflicher und gesellschaftlicher Misserfolge zur Untergrabung des Selbstbewusstseins
- Erzeugen von Misstrauen und gegenseitige Verdächtigungen innerhalb von Gruppen.
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Benedikt fragt: "Wie ging man im Fall Jürgen Fuchs vor?"
Hans E ist soeben ausgestiegen.
Solfrid sagt: "Anrufen -auch in der Nacht - ohne sich zu melden"
Benedikt [zu Solfrid]: "Gut. Habt ihr weitere Beispiele und wie würdet ihr das Vorgehen charakterisieren?"
Solfrid sagt: "Das Vorgehen ist einfach SCHRECKLICH"
Solfrid sagt: "Psykologischen Terror"
Heinrich_Guest sagt: "Psychoterror"
Solfrid sagt: "so macht man "Pasienten"
Benedikt [zu Heinrich_Guest]: "+ Solfrid Ja genau. Man wollte die Menschen psychisch zerstören."
Heinrich_Guest sagt: "Die möglichkeit sich zu wehren ist nicht da, aber man konnte sich mit andern Opfern unterhalten"
Benedikt fragt: "Wurden die von uns hier beschriebenen Massnahmen nur von der Stasi ausgeführt?"
Heinrich_Guest sagt: "Nein"
Heinrich_Guest sagt: "Von Betrieben"
Heinrich_Guest sagt: "von Ausbildungst¨ten"
Heinrich_Guest sagt: "von Grezpolizei"
Benedikt [zu Heinrich_Guest]: "Womit drohte man?"
Heinrich_Guest sagt: " Keine Beruflichen fortkommen"
Heinrich_Guest sagt: "keine Ferien im Ausland"
Tellef sagt: "Es fing sogar schon in den Schulen an."
Renate sagt: "Man wurde zu 'Aussprachen' vorgeladen"
Heinrich_Guest sagt: "Drohung mit Verhaftung"
Benedikt [zu Renate]: "Sicherlich sehr beängstigend des öfteren 'Gespräche' bzw. Verhöre mit den Leitern der Betriebe zu haben."
Solfrid fragt: "was hat "genügt" um von der Stasi als "verdächtig" angesehen zu werden?"
Benedikt sagt: "Ich finde es sehr wichtig, dass alle diese Massnahmen der Verfolgung von vielen unterschiedlichen Stellen ausgeübt wurden."
Heinrich_Guest sagt: "Nicht im allen konform zu sein"
Tellef sagt: "Es war wohl genug Kontakt mit Verwandte im Ausland zu haben."
Benedikt [zu Solfrid]: "Sehr wenig. Verwandtschaft, Unangepasstsein usw."
Renate [zu Benedikt]: "Dadurch erzielten sie massive Angst bei den Bewohnern - man wusste nie, was einen erwartete. "
Benedikt sagt: "Ich möchte noch einmal an den Ausreiseantrag von Manfred Krug erinnern, der viele dieser Punkte exemplarisch darstellt (#2694)."
Else2 fragt: "von vielen untersch. Stellen ausgeübt, aber DOCH von/durch Stasi geregelt, trotzdem?"
Benedikt fragt: "Was waren die schärfsten Massnahmen der Einschüchterung?"
Heinrich_Guest sagt: "Verhaftung"
Gro_L sagt: "Ausbürgerung"
Benedikt [zu Else2]: "Meistens ja. Allerdings gab es sehr viel vorauseilenden Gehorsam. Man tat das, wovon man annahm, dass die Stasi dies wünsche."
Heinrich_Guest fragt: "Wurde nicht nur bekannte persönlichkeiten ausgebürert?"
Benedikt [zu Gro_L]: "und Guest: Ja. Zudem sollten wir noch über den Punkt offene Observierung sprechen."
Renate sagt: "Man wurde dauernd überwacht, Autos verfolgten sie, standen vor der Haustür."
Benedikt erzaehlt: "Christa Wolf hat dies in einem Text beschrieben. Lest bitte folgendes Dia. Zu Beginn der Stunde wurde, glaube ich Maron mit Wolf verwechselt ... Maron war nie IM"
Benedikt zeigt Dia 2.
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Wolf, Christa:
Was bleibt. Erzählung Frankfurt/Main: Luchterhand 1990
Wer sind sie? Wer schickt sie? Was wollen sie? Christa Wolf beschreibt einen Tag ihrer Bespitzelung durch die Staatssicherheit - einer auffälligen, auf Einschüchterung abzielenden Observation. 1979 hat sie die Erzählung niedergeschrieben, elf Jahre später publiziert. Nicht weniger als 42 Bände, so wurde 1992 bekannt, füllen die Spitzel-Berichte über das Schriftstellerehepaar Christa und Gerhard Wolf, von der Stasi als operativer Vorgang Doppelzüngler" abgelegt. Als für die Zeit von 1959 bis 1962 ein früher Kontakt der Schriftstellerin als Geheime Informatorin" (GI Margarete") für die Staatssicherheit an die Öffentlichkeit drang - die Akte umfaßt zwei Bände mit zusammen exakt 130 Blatt, entbrannte ein erbittert geführter Streit über die Glaubwürdigkeit und Integrität Christa Wolfs und die Rolle der Intellektuellen in der DDR.
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Heinrich_Guest fragt: "Ich mein gelesen zu haben dass M.M eine IM war?"
Heinrich_Guest fragt: "und zwar in Spiegel?"
Benedikt [zu Heinrich_Guest]: "Das ist mir unbekannt und im Who is who der DDR steht dazu nichts. Müssen wir wohl mal weiter bohren ..."
Benedikt fragt: "Welche Auswirkungen auf die Gesellschaft hatte wohl die Existenz der Stasi (hier sind die Gruppen zwei und drei gefragt)?"
Heinrich_Guest sagt: "Vor einige Jahren war eine sehr lange Art. über sie"
Renate sagt: "Die Bewohner verloren ihr Vertrauen, sie wurden misstrauischer."
Solfrid sagt: "Angstfördern"
Renate sagt: "Einige litten bestimmt an Verfolgungswahn."
Tellef sagt: "Viele Menschen lebten in unsicherheit. Sie hatten immer Angst jemand hört etwas falsches."
Renate sagt: "viele wurden einsam, weil sie kein Vertrauen mehr hatten."
Benedikt [zu Renate]: "Welche Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen hat Misstrauen?"
Gro_L sagt: "Man konnte nie die eigene, ehrliche Meinung sagen"
Renate sagt: "Ehe wurden zerstört"
Renate sagt: "denn man versuchte, die Eheleute gegeneinander auszuspielen. Sie sollten sich bespitzeln"
Tellef sagt: "Man muss aber auch nicht vergessen dass die DDR leider sehr viele" treüe" Bürger hatte. Die fanden es natürlich o.k."
Benedikt fragt: "Welche Auswirkungen hatte dies alles für die Sprache in der DDR?"
Tellef sagt: "Das ist mir leider nicht ganz klar."
Renate fragt: "Man lernte es, sich "zwischen den Zeilen" auszudrücken?"
Benedikt meint: "Ich würde die These formulieren, dass die Sprache sich veränderte. Zum einen so wie Renate andeutet, aber es gibt noch andere Konsequenzen ..."
Renate sagt: "Jedenfalls durfte man nichts schriftlich ausdrücken, da die Briefe kontrolliert wurden (die von verdächtigen Personen)"
Else2 fragt: "machte man sich eigene "Koden" um etwas ausdrucken zu können?"
Benedikt [zu Else2]: "Ja. Man spricht doppeldeutig, aber auch das ist gefährlich. Wie vermeidet man die Gefahr missverstanden zu werden?"
Tellef fragt: "Aber die Stasibeamten waren doch in diesen Sachen Experten. Wurde dies nicht meistens durchschaut?"
Gro_L sagt: "Gar nichts zu sagen ist vielleicht das Beste"
Benedikt [zu Tellef]: "Das meinte ich mit meiner letzten Aussage."
Tellef sagt: "Danke"
Heinrich_Guest sagt: "Ich denke an die Norweger in der 2. Weltkrieg, die mussten auch lernen sich so auszudrucken, sonst kein vergleich"
Benedikt [zu Gro_L]: "Ganz genau. Den Mund halten oder man gebrauchte genau die Formulierungen, die die SED vorgab."
Solfrid erzaehlt: "Das ist die Aussage, die ich vonFreunden/Kollegen die in der DDR lebten, höre. Wenn man überhaupt keine Interesse an politik zeigte, hat man Ruhe gehabt"
Benedikt erzaehlt: "Die Punkte Angst, Misstrauen, fehlende Offenheit und damit verbunden Abkapselung zeigen schon deutlich, dass die DDR Gesellschaft imm er stärker erstarrte. Und das spiegelte sich auch in der Sprache wieder ..."
Heinrich_Guest fragt: "Was war mit den Witzen?"
Gro_L sagt: "aber Deutsche d e m o k r a t i s c h e Republik - nein"
Benedikt [zu Heinrich_Guest]: "Zu denen kommen wir nächste Woche, aber ich zeige euch schon mal einen."
Benedikt zeigt den Link 'Der Sozialismus siecht'.
<http://cmc.hf.uib.no:7001/4711>.
Benedikt meint: "siechen bedeutet langsam sterben. Im Sächsischen ist es gleichlautend mit siegt ..."
Benedikt meint: "So ich hoffe ihr habt einen genaueren und interessanten Einblick in die Maschinerie Stasi und staatliche Kontrolle bekommen..."
Benedikt sagt: "Wenn es keine Fragen gibt, würde ich hier gerne für heute aufhören."
Bjørg sagt: "ja, sehr interessant. Auf Wiedersehen"
Benedikt sagt: "Arbeitsanweisungen für n"
Heinrich_Guest fragt: "Machen wir nächsten Montag weiter?"
Renate sagt: "einiges kannte ich durch Fälle, für die Amnesty sich eingesetzt hatte - anderes von einer parteitreuen Kollegin."
Tellef sagt: "Ich danke für einen sehr guten Unterricht.Auf Wiedersehen."
Benedikt sagt: "Entschuldigung falsch gedrückt"
Renate fragt: "Neue Aufgaben finden wir - wo?"
Benedikt ruft: "Arbeitsanweisungen für nächste Woche kommen morgen per Mail!"
Renate sagt: "O.K."
Heinrich_Guest sagt: "danke"
Benedikt ruft hocherregt: "Vielen Dank für die gute Mitarbeit - Tschö!!!"
Solfrid sagt: "gute Witze"
Gro_L sagt: "Tschüss"
-- Ende der Aufzeichnung: Montag, 28. Januar 2002 8:02 Uhr Dreistadt-Zeit --
Tellef ist soeben ausgestiegen.