-- Start der Aufzeichnung: Montag, 17. September 2001 7:14 Uhr Dreistadt-Zeit --
Benedikt sagt: "So der Recorder läuft."
Gast18 kommt.
Gast18 geht zur Literatur.
Solfrid sagt: "Für Gruppe 1 fand ich es OK - es fordert aber dass wir uns etwas vorbereitet haben. Aber wir können alle so mehr aktiv teilnehmen"
Bjørg ist eingestiegen.
Benedikt sagt: "Mit dem sozialistsichen Realismus sind die meisten nichtrealistischen Verfahren der modernen Literatur nicht vereinbar."
Bjørg ist soeben ausgestiegen.
Tellef fragt: "Wenn ich ein Weile nichts geschrieben habe, muss ich aussteigen um wieder schreiben zu können. Ist das normal?"
Tellef sagt: "j"
Gast18 kommt.
Benedikt [zu Tellef]: Nein.
Ingeborg_A kommt.
Gast18 sagt: "Hallo, Gro muss immer noch als Gast dabei sein"
Lars2 kommt.
Benedikt sagt: "Bitte schaut euch das Kapitel in der Literaturgeschichte zu Formalismus und sozialistischem Realismus an. Dort wird es gut erklärt."
Benedikt [zu Gruppe]: 3 Was war der Bitterfelder Weg?
Ingrid_J kommt.
Benedikt fragt: "Oder war das Gruppe 2? Entschuldigung?!?"
Lars2 meint: "Ulbricht wurde zu einer Konferenz in Bitterfeld eingeladen......"
Bjørg kommt.
Benedikt [zu Lars2]: Und was forderte er dort?
Ingrid J ist soeben ausgestiegen.
Ingrid J ist eingestiegen.
Lars2 erzaehlt: "..und wollte dann über die Grundlagsprobleme der Literatur sprechen. Dann hat ereine Kulturprogram vorgelegt, wie man in einer sozialistischen Staat schreiben sollte"
Bjørg ruft: "noch einmal Probleme mit dem Komputer!"
Ingrid J ist soeben ausgestiegen.
Ingrid J ist eingestiegen.
Ingrid J ist soeben ausgestiegen.
Benedikt fragt: "Was sah dieses Kulturprogramm vor?"
Bjørg fragt: "Sprechen wir über Honecker?"
Hans_E kommt.
Geir [zu Bjørg]: Ulbricht
Lars2 sagt: "Er forderte, die Autoren sollten behilflich sein, einen neuen Mensch zu erziehen"
Bjørg sagt: "danke, Geir"
Gast18 sagt: "Die Arbeiter sollten schreiben und die Schriftsteller sollten am harten Arbeit teilnehmen"
Ingrid J ist eingestiegen.
Benedikt [zu Gast8]: Ja. Die Arbeiter sollten schreiben und die Schriftsteller sollten in die Produktion.
Benedikt sagt: "Das Motto für die Arbeiter war: 'Greif zur Feder Kumpel'"
Benedikt sagt: "Und die Schriftsteller sollten eine längere Zeit (nicht nur eine Woche) in die Betriebe."
Benedikt fragt: "Hat das funktioniert?"
Solfrid fragt: "was ist ein Laienkunstler?"
Benedikt [zu Solfrid]: ein Künstler der keine Ausbildung hat
Geir erzaehlt: "Um die Entwicklung des Idealstaates zu fördern, sollte die Literatur direkt aus dem Leben des arbeitenden Menschen entstehen, nicht aus irgendeinem träumenden Kopf herkommen."
Hans_E sagt: "Sie sollte aber die Träume der SED entsprechen."
Geir sagt: "Die wahren Träume."
Hans_E fragt: "Wie meinst Du?"
Benedikt sagt: "Ja, die Literatur stand im Auftrag der Mächtigen und sollte nach deren Vorgaben erziehen."
Benedikt [zu Gruppe]: 3+4 Bisher haben wir nur über die Vorgaben der Kulturpolitik gesprochen. Es kam auch zu Konflikten. Welche?
Hans_E sagt: "Was aber nicht eine Widergabe der Wirklichkeit entspricht"
Else2 sagt: "es wurde viel "produziert/geschrieben", die professionellen Schrifsteller waren aber nicht so begeistert"
Oddny erzaehlt: "Honecker meinte dass viele Künstler durch ihre Kunst Tendenzen von Widersprüche des Sozialismus, MiBachtung der Dialektik der Entwicklung und konstruierte Konfliktsituationen zeigten"
Benedikt [zu Else2]: Ja richtig. Entschuldigt nun war ich etwas zu schnell mit meiner Frage.
Bjørg sagt: "Ich muss leider gehen,Tchüss"
Bjørg ist soeben ausgestiegen.
Benedikt erzaehlt: "Abschliessend zum Bitterfelder Weg: Die Schriftsteller folgten nur widerwillig den Aufforderungen. Franz Fühmann war einer der wenigen, der fast ein Jahr in einer Werft arbeitete."
Benedikt [zu Oddny]: Kannst Du Deine Aussage noch mal wiederholen. Vielen Dank.
Oddny erzaehlt: "Honecker meinte dass viele Künstler durch ihre Kunst Tendenzen von Widersprüche des Sozialismus, MiBachtung der Dialektik der Entwicklung und konstruierte Konfliktsituationen zeigten"
Oddny sagt: "aber zitiert ist vielleicht besser als arzählt.."
Gast9 kommt.
Benedikt sagt: "Er geht noch weiter und meint, dass diese Kunstwerke etwas verletzen."
Ingeborg_A sagt: "Ich war ganz imponiert, Oddny"
Oddny sagt: "aber du kennst ja mich Ingeborg.."
Geir fragt: "Durch solche Kunst wurde wohl die ganze DDR gefährdet?"
Ingeborg_A sagt: "Ich dachte:"Dialektik, nicht schlecht, Oddny"
Oddny sagt: "ok Ingeborg"
Benedikt sagt: "Nonecker sagt, "Unsere DDR ist ein sauberer Staat. In ihr gibt es unverrückbare Massstäbe der Ethik und der Moral."
Benedikt sagt: "Honecker natürlich"
Oddny sagt: "Honecker meinte dass die Künstler sollten den Parteilichen Standpunkt vertreten"
Solfrid fragt: "hat Honecker Ulbrichts Linie noch "strenger" weitergeführt?"
Hans_E meint: "In Honecker Wohnung wurde aber nach die Ender der DDR massenweise Pornos sichergestellt..."
Benedikt sagt: "Ja. Er meint, dass die Künstler parteilich sein sollen, erst dann nehmen sie am Aufbau des Sozialismus teil."
Hans_E sagt: "ES gab großen Abstand zwischen Lehre und Leben"
Benedikt sagt: "Wer kritisierte, machte sich in Honeckers Augen des Skeptizismus schuldig."
Gast18 ist soeben ausgestiegen.
Der Hausmeister kommt und bringt Gast18 nach Hause.
Oddny [zu Hans_E]: so ist es ja oft
Benedikt fragt: "Wir haben nun über das ZK-Plenum von 1965 gesprochen. Gab es noch weitere spektakuläre Konflikte zwischen dem Staat und den Künstlern?"
Lars2 sagt: "Ideologiekritik wurde als Verrat angesehen"
Solfrid sagt: "den Fall Biermann"
Ingeborg_A sagt: "Einigen von den Kûnstlern wurden ausgebürgert"
Hans_E fragt: "Es wurde doch irgendwann in den siebzigern ein Manifest geschrieben?"
Benedikt sagt: "1976 wurde Wolf Biermann augebürgert."
Geir sagt: "Wolf Biermann habe die DDR im Westen nicht verteidigt, sondern habe sich in der Öffentlichkeit kritisch geäussert."
Benedikt fragt: "Wer ist Wolf Biermann?"
Tellef sagt: "Einige Künstler wurden "ausgebürgert, (Biermann)"
Solfrid sagt: "und Manfred Krug"
Tinas dunkelhaarig, freundliches Gast13 kommt.
Geir sagt: "Wolf Biermann ist ein Verfasser."
Geir sagt: "Schriftsteller."
Tore_T sagt: "Sänger und Lyriker"
Hans_E sagt: "Er war woll Liedermacher in erster Lienie"
Tellef sagt: "Wolf Biermann war ein Sänger"
Benedikt sagt: "Alles richtig - Lidermacher ist er vor allem"
Geir sagt: "...und Kritiker."
Oddny sagt: "der Biermann wurde von Honecker stark kritisiert"
Benedikt sagt: "Damit ihr einen Eindruck bekommt kommt hier (in einem neuen Fenster) ein Liedtext von Wolf Biermann"
Tellef fragt: "Aber Biermann hat sich selbst als Kommunist bezeichnet?"
Geir sagt: "Aber ein kritischer Kommunsit."
Hans_E sagt: "Deshalb war er wohl den Machtaparat unangenehm, nehme ich an. Sie waren ja alle sehr Bürgerlich"
Benedikt sagt: "Ich habe gerade technische Probleme. Ja Biermann war Kommunist, wollte aber dennoch das Recht haben, den SED Staat zu kritisieren"
Benedikt zeigt den Link 'Biermann-Ermutigung'.
<http://cmc.hf.uib.no:7001/3871>.
Tellef sagt: "Ausbürgerung, ein komischer Begriff."
Oddny sagt: "Biermann kritisierte die MiBstande in der DDR, aber verteidigte gleichzeitig das Land als den besseren deutschen Staat"
Gast9 ist soeben ausgestiegen.
Der Hausmeister kommt und bringt Gast9 nach Hause.
Else2 sagt: "In Köln hatte Biermann sein Gift gegen DDR verspritzt, beleidigte die Bürger und die Parteiführung - so sagte die Partei - und er wurde ausgebürgert"
Hans_E sagt: "Ist irgendwie der Beweis dass die DDr kein kommunistischer oder sozialister staat im idealsinn war."
Solfrid geht ins Mellomfags-Atelier.
Ingeborg_A sagt: "Ich siehe den Link nicht"
Solfrid kommt.
Benedikt [zu Oddny]: Genau. Er wollte trotz aller Probleme lieber in der DDR leben als in der BRD. Dehalb ist Ausbürgerung so tragisch
Benedikt fragt: "Wie reagierten die anderen Schriftsteller auf die Aubürgerung?"
Ingeborg_A sagt: "Es gefällt ihnen nicht"
Oddny sagt: "sie demonstrierten"
Ingrid_J sagt: "Viele Künstler haben demonstriert"
Solfrid sagt: "viele haben protestiert"
Geir sagt: "Sie behaupteten, dass die DDR solche Kritik ertragen müsste."
Else2 sagt: "sie protestierten, aber möchten sich nicht ganz mit ihm identifizieren"
Tellef sagt: "Viele waren solidarisch"
Lars2 fragt: "Im Osten oder Westen?"
Tore_T sagt: "Sie verfassten eine Protestschrift."
Geir [zu Lars2:]: "z.B. Christa Wolf
Benedikt sagt: "Alles richtig. Seitdem war das Verhältnis Staat Künstler sehr stark gestört und die Autoren wurden vom Staat behindert."
Solfrid sagt: "150 Künstler haben sich dem Protestbrief angeschlossen"
Benedikt [zu Lars2]: Im Osten. Im Westen kostete die Solidarität nichts.
Oddny sagt: "Fürstenprotest wurde auch erwähnt"
Tellef sagt: "Der einzige Mitteldeutsche Philosof von bedeutung, Wolfgang Heise, Schikte ein e KlageschriftIns Politbüro."
Benedikt erzaehlt: "Die Probleme, die die Autoren bekamen, waren sehr unterschiedlich. Berühmte Autoren wie Christa Wolf wurden stärker von der Stasi überwacht, unbekanntere wie Jürgen Fuchs kamen ins Gefängnis."
Hans_E sagt: "Mitteldeustch ist wohl ein sehr revanschistischer Ausdruck. Politisch nicht mehr korrekt. Die Ostgrenze ist inzwischen anerkannt"
Tellef sagt: "Möglicherweise, aber wird noch öfters benutzt"
Benedikt erzaehlt: "Wir sind heute nicht ganz so weit gekommen, wie ich mir das gewünscht habe. Die Gruppenarbeit schluckt viel Zeit. Abschliessen möchte ich mit einer kleinen Vorlesung"
Benedikt sagt: "Bitte schaut ab morgen auf die Info-Tafeln im Kultur- und Literaturraum, damit ihr wisst, wie es weiter geht."
Benedikt sagt: "Jetzt aber die kleine Vorlesung zum Thema Rockmusik in der DDR - viel Spass"
Tellef sagt: "Danke"
Benedikt kramt die Vorlesung 'Rockmusik in der DDR' hervor, entfaltet sie und räusperst sich...
Benedikt liest vor: "Rockmusik war nie apolitisch. "
Benedikt liest vor: "Durch die geschlossene Gesellschaft der DDR wurde Rockmusik noch gefährlicher,"
Benedikt liest vor: "da sie die Lebensbedingungen von Jugendlichen artikulierte."
Benedikt liest vor: "Rockmusik wurde zum Symbol der Freiheit und des Nicht-Angepaßtseins."
Benedikt liest vor: "Die ersten Versuche galten der Vereinnahmung der Musiker und sollten sich vom dekadenten Westen absetzen: "
Benedikt liest vor: ""Es genügt nicht, die kapitaistische Dekadenz in Worten zu verurteilen,"
Benedikt liest vor: "gegen Schundliteratur zu Felde zu ziehen, "
Benedikt liest vor: "gegen die Hotmusik und die ekstatischen Gesänge eines Elvis Presley zu sprechen. "
Benedikt liest vor: "Wir brauchen etwas Besseres.""
Benedikt liest vor: "Dies sagte Ulbricht 1959 auf der Bitterfelder Konferenz."
Benedikt liest vor: "In Discos mussten 60 % DDR oder Ostblock Musik gespielt werden."
Benedikt liest vor: "Populäre Musik wurde daher auch dem Verdikt der Erziehung zum neuen, sozialistischen Menschen unterworfen. "
Benedikt liest vor: "Man versuchte daher die Gruppen unter staatliche Aufsicht zu bringen. Dazu dienten eine Vielzahl gesetzlicher Regelungen."
Benedikt liest vor: "Typische Versatzstücke der Rockmusik, wie:"
Benedikt liest vor: "Hedonismus (Peace, Sex, Drugs and Rock`n Roll)"
Benedikt liest vor: "informelle Gruppenbildung "
Benedikt liest vor: "und Aussteigerattitüde"
Benedikt liest vor: "wertete die SED als Kontrollverlust über die Jugendlichen. "
Benedikt liest vor: "Rockmusik verletzte Kardinaltugenden der DDR: "
Benedikt liest vor: "sie setzte sich nicht vom Westen ab, "
Benedikt liest vor: "sondern hatte dort ihre Vorbilder,"
Benedikt liest vor: "sie entzog sich zudem den Prinzipien von Ordnung und Sicherheit."
Benedikt liest vor: "Auch Rockmusik unterlag den gleichen Auflagen wie die Buchproduktion: zentrale Planung und Genehmigungsverfahren regelten die Produktion. "
Benedikt liest vor: "Dadurch entwickelten sich Netzweke auf dem Schwarzmarkt, die die Platten vertrieben."
Benedikt liest vor: "Die Hochphase des DDR-Rocks waren die 70er Jahre mit dem Höhepunkt der Weltjugendspiele in Ost-Berlin. "
Benedikt liest vor: "Danach setzen wieder Repressionen ein, weshalb viele Künstler nur noch im Westen Entwicklungsmöglichkeiten sahen."
Benedikt liest vor: "Auf folgender Homepage findet ihr eine Rubrik zum DDR-Rock"
Benedikt liest vor: "<http://www.ddr-suche.de>."
Benedikt faltet die Vorlesung 'Rockmusik in der DDR' wieder zusammen und sieht auf.
Tore T ist soeben ausgestiegen.
Benedikt sagt: "Hm, vielleicht ging es in einigen Zeilen ein wenig zu schnell, aber ihr könnt es ja im Protokoll nochmals nachlesen."
Oddny fragt: "und diese Web-seite können wir auch später im Rekorder finden ?"
Benedikt sagt: "Vielen Dank für heute abend. Ich mache dann gleich den Recorder aus."
Ingeborg A ist soeben ausgestiegen.
Benedikt [zu Oddny]: Ja, ich meine schon.
Lars2 sagt: "Tchüss"
-- Ende der Aufzeichnung: Montag, 17. September 2001 8:03 Uhr Dreistadt-Zeit --