
Tonio
S. 17: "[...] an einem Abend jedoch sah er sie in einer gewissen Beleuchtung, sah [...]". S. 18: "An diesem Abend nahm er ihr Bild mit fort [...] und er sehnte sich, reich und lebendig zu sein, statt in Gelassenheit etwas Ganzes zu schmieden".
Frage:
Was sieht und wonach sehnt er sich? Wie wird der Unterschied zwischen Tonio und Inge beschrieben?
S. 18: "Francois Knaak war sein Name, und was für ein Mann war das!", S. 19: "Dies war der Anstand. Was aber der Tanz betraf [...]."
Frage:
Ja, was für ein Mann war nun das, was repräsentiert er, und worin steckt die Ironie dieser Sätze?
S. 20: "Was für eine unbegreifliche Affe, dachte Tonio Krôger in seinem Sinn. Aber er sah wohl, dass Inge Holm, die lustige Inge, [...] Herrn Knaaks Bewegung verfolgte, [...]. Er verstand es so gut, dass Inge, die blonde, süsse Inge [...]. Da war Magdalena Vermehren, [...], mit dem sanften Mund und den grossen dunklen, blanken Augen voll Ernst und Schwärmerei. Sie fiel oft hin beim Tanzen, [...], sie wusste, dass er Verse schrieb, [...]"
Frage:
Was kommt hier im Hinblick auf den Grundkonflikt zum Ausdruck, und wie liest sich Magdalenas Hinfallen beim Tanzen?
S. 22: "Warum sass er nicht in seiner Stube am Fenster und las Storms "Immensee" und blickte hie und da in abendländischen Garten hinaus, [...]? Das wäre sein Platz gewesen. Mochten die anderen und frisch und geschickt bei der Sache sein!... Nein, nein, sein Platz war dennoch hier, [...]."
Frage: Was ist also der Konflikt?
S. 23: "Aber obgleich er einsam, ausgeschlossen und ohne Hoffnung vor einer geschlossenen Jalousie stand und in seinem Kummer tat, als könne er hindurchblicken, so war er dennoch glücklich. Denn damals lebte sein Herz".
S. 24: "Ich will treu sein und dich lieben, Ingeborg, so lange ich lebe! Und dennoch flüsterte in ihm eine leise Furcht und Trauer, dass er ja auch Hans Hansen vergessen habe, [...]".
Frage: Was drückt sich hier aus und was ist die Ironie von seiten des Erzählers?
S. 24: "Und er umkreiste behutsam den Opfer-Altar, auf dem die lautere und keusche Flamme seiner Liebe loderte, kniete davor und schürte und nährte sie auf alle Weise, weil er treu sein wollte. Und über ine Weile, unmerklich, ohne Aufsehen und Geräusch, war sie dennoch erloschen. Aber Tonio stand noch eine Zeit lang vor dem erkalteten Altar, voll Staunen und Enttäuschung darüber, dass Treue auf Erden unmöglich war. Dann zuckte er die Achseln und ging seiner Wege."
Frage: Was sagt diese Stelle über Tonio und seiner Lebenshaltung aus?
S. 24: "Er ging den Weg, den er gehen musste, ein wenig nachlässig und ungleichmässig, vor sich hinpfeifend, mit seitwärts geneigten Kopf ins Weite blickend, und wenn er irre ging, so geschah es, weil es für Etliche einen richtigen Weg überhaupt nicht gibt".
Frage: Was drückt sich hier aus? Warum "ein wenig nachlässig und ungleichmässig, vor sich hinpfeiefend, mit seitwärts geneigtem Kopf ins Weite blickend"?
S. 25: "Und er verliess die winklige Heimatstadt, [], verliess auch das Meer, dass er so sehr liebte, und empfand keinen Schmerz dabei. Denn er war klug geworden, hatte begriffen, [...], und war voller Spott für das plumpe und niedrige Dasein, [...]".
Frage: Kommentar?
S. 25: "Mit seiner jungen Leidenschaft ergab er sich [der Macht des Geistes und des Wortes], und sie lohnte ihm mit allem, [...], und nahm ihm unerbitterlich, all das, was sie als Entgelt dafür zu nehmen pflegt".
S. 25/26: "Sie schärfte seinen Blick, [...].Was er aber sah, war dies: Komik und Elend - Komik und Elend".
Frage: Kommentar?
S. 26: "Aber da sein Herz tot und ohne Liebe war, so geriet in Abenteuer des Fleisches, stieg tief hinab in Wollust und heisse Schuld und litt unsäglich dabei. [...] haltlos zwischen krassen Extremen, zwischen eisiger Geistigkeit und verzehrender Sinnenglut hin- und hergeworfen, [...] ein ausbündiges, ausschweifendes und ausserordentliches Leben, das er Tonio Kröger, im Grunde verabscheute."
Frage: Was für ein Leben führt er also, und wie kommt hier sein Konflikt zum wiederholten Male zum Ausdruck?
S. 27: "[...] weil er sich als lebendigen Menschen für nichts achtet, nur als Schaffender in Betracht zu kommen wünscht. [...] Er arbeitet stumm, abgeschlossen, unsichtbar und voller Verachtung für jene Kleinen, denen das Talent ein geselliger Schmuck war, die [...] unwissend darüber, dass gute Werke nur unter dem Druck eines schlimmen Lebens entstehen, dass wer lebt, nicht arbeitet, und dass mein gestorben sein muss, um ganz ein Schaffender zu sein".
Frage: Welche Kunstauffassung kommt hier zum Ausdruck, und inwiefern weist diese Textstelle auf das Kunstgespräch im nächsten Kapitel (IV) hin?
AUFSATZTHEMA (Individuell oder als "Gruppenarbeit"):
"Denn das, was man sagt, darf ja niemals die Hauptsache sein, sondern nur das an und für sich gleichgültige Material, aus dem das ästhetische Gebilde in spielender und gelassener Überlegenheit zusammenzusetzen ist". (S. 31)
Welche Kunstauffassung kommt hier zum Ausdruck? Skizzieren Sie - von dieser Textstelle ausgehend - das Gespräch, das Tonio mit der Malerin Lisaweta über Kunst und Künstlertum führt, und ziehen Sie dabei auch andere Stellen heran, die auf Tonios Konflikt hinweisen.