05_01_25


Nr. 1 show images see all slides
Studentane blir vurderte på grunnlag av 2 obligatoriske skriftlige oppgåver à 1500 ord (jf. Obligatoriske aktivitetar), ein munnleg presentasjon på 15 minutt, samt ein samtale på 15 minutt rundt eit pensumrelatert emne. Ved fastsetjing av endeleg karakter tel dei innleverte oppgåvene 60 %, presentasjon og samtale 40 %.
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Nr. 9 show images see all slides
Hans Sachs: Ein Tischzucht (1534)
Hör, Mensch! wenn du zu Tisch willt gahn,
Dein Händ sollt du gewaschen han.
Lang Nägel ziemen gar nit wohl,
Die man heimlich abschneiden soll.
Am Tisch setz dich nit oben an,
Der Hausherr wölls dann selber han!
De Benedeiung nit vergiß!
In Gottes Nam heb an und iß!
Den Altisten anfahen laß!
Nach dem iß züchtiglichermaß!
Nit schnaude oder säuisch schmatz!
Nit ungestüm nach dem Brot platz,
Daß du kein Gschirr umstoßen tust!
Das Brot schneid nit an deiner Brust!
Das gschnitten Brot oder Weck
Mit dein Händen nit verdeck
Und brock nit mit den Zähnen ein
Und greif auch für dein Ort allein!
Tu nicht in der Schüssel umstührn!
Darüberhaltn will nit gebührn.
Nehm auch den Löffel nit zu voll!
Wenn du dich treifst, das steht nit wohl.
Greif auch nach keiner Speise mehr,
Bis dir dein Mund sei worden leer!
Red nicht mit vollem Mund! Sei mäßig!
Sei in der Schüssel nit gefräßig,
Der allerletzt drin ob dem Tisch!
Zerschneid das Fleisch und brich den Fisch
Und käue mit verschlossem Mund!
Schlag nit die Zung aus gleich eim Hund,
Zu ekeln! Tu nit geizig schlinken!
Und wisch den Mund, eh du willt trinken,
Daß du nit schmalzig machst den Wein!
Trink sittlich und nit hust darein!
Tu auch nit grölzen oder kreisten!
Schütt dich auch nit, halt dich am weisten!
Setz hübschlich ungeschüttet nieder!
Bring keim andern zu bringen wieder!
Füll kein Glas mit dem andern nicht!
Wirf auch auf niemand dein Gesicht,
Als ob du merkest auf sein Essen!
Wer neben dir zu Tisch ist gsessen,
den irre nit mit den Ellenbogen!
Sitz aufgerichtet, fein geschmogen!
Ruck nit hin und her auf der Bank,
daß du nit machest ein Gestank!
Dein Füß laß unterm Tisch nit gampern,
Und hüt dich auch vor alle schambern
Worten, Nachredn, Gespött, Tät, Lachen!
Sei ehrberlich in allen Sachen!
In Buhlerei laß dich nit merken!
Tu auch niemand auf Hader stärken!
Gezänk am Tisch gar übel staht.
Sag nichts, darob man Grauen hat,
Und tu dich auch am Tisch nit schneuzen,
Daß ander Leut an dir nit scheuzen!
Geh nit umzausen in der Nasen!
Des Zahnstührens sollt du dich maßen!
Im Kopf sollt du dich auch nit krauen!
Dergleichen Maid, Jungfrau und Frauen
Solln auch keim Floch hinunterfischen.
Ans Tischtuch soll sich niemand wischen.
Auch leg den Kopf nit in die Händ!
Leihn dich nit hinten an die Wänd,
bis das des Mahls hab sein Ausgang!
Denn sag Gott heimlich Lob und Dank,
Der dir dein Speise hat beschert,
Aus väterlicher Hand ernährt!
Nach dem sollt du vom Tisch aufstehn,
Dein Händ waschen und wieder gehn
An dein Gewerb und Arbeit schwer.
So sprichet Hans Sachs, Schumacher.
Nr. 10 show images see all slides
Hans Sachs: Die verkehrt Tischzucht (1563)
Hör, Mensch, wenn du zu Gast willt essen,
sind dein Fäust gleich des Unlust voll!
Lang Nägel ziemen dir auch wohl!
Und setz am Tisch dich obenan,
setzt gleich der Wirt dich nit hinan!
Des Benedicte auch vergiß,
sunder zuck den Löffel und iß
und greuf hinein vor andern Alten!
Tu dich grob und ölperisch halten!
Am Tisch schaude und säuisch schmatz,
mit Ungestüm nach dem Brot platz!
Ein Becher zween umstoßen tust,
denn schneid das Brot an deiner Brust!
Das gschnitten Brot oder den Weck
fein mit der linken Hand verdeck
auf daß kein Schnitten dir entlauf
oder man's zähl und merk dir drauf!
Brock darnach mit den Zähnen ein
Und greuf nicht für dein Ort allein!
sunder sichst vor dem Nächsten dort,
der sitzet an eim andren Ort,
etwas liegen, des du Lust hast.
so denk: Ich bin doch auch ein Gast,
tu schnell das Schleckerbißlein zwacken
und spül mit der Zungen dein Backen!
Trägt man ein Eingebicktes her,
des Brüh voll Wurz und Zuckers wär,
so nehm den Löffel allmal voll,
wenn du dich gleich treifst,
es steht wohl,daß es gleich aufs Tischtuch rinn,
nemmt's doch das Wasser alles hin.
Nach ander Speis greuf wieder her,
eh dir dein Mund sei worden leer,
als wöll dir Schüssel dir entlaufen!
Scheub Brocken ein mit großem Haufen!
Mit vollem Mund red, sei gefräßig,
sprüh um dich und halt dich unmäßig!
Der Letzt ob der Speis sei am Tisch!
Zerbrich das Fleisch und schneid die Fisch!
Kleine Fischlein auch schmecken wohl,
der' nehm auch große Schnitten voll,
wann sie sind klein, nehm ihr'
dest mehr,darmit erlangst du Ruhm und Ehr!
Käu die mit dem Mund, unverschlossen!
Schnarch durch die Nasen gleich den Rossen,
und schlag dein Zungen aus dem Mund
eben gleich eim Fleischhackerhund,
und leck dich um das Maul herum,
daß dir nichts zu unnütz hinkumm,
und tu geizig dein Essen schlinken!
Wisch dein Maul nit, wenn du willt trinken,
ob du gleich schmalzig machst den Wein,
geht er nur dester sänfter nein!
Ob du gleich in den Becher hust',
daß du dein Bart mit traufen tust,
so trink's gar aus, tu darzu kreisten,
ein Grölzer drauf ziemt dir zum meisten,
das ist gesund und schadt dir nicht!
Auf jedermann wirf dein Gesicht,
merk auf sein Trinken und sein Essen!
Wer dir zunächst am Tisch ist gsessen,
den irr, und ruck stet mit der Bänk!
ob du gleich machest ein Gestänk,
daß dir etwas hinten entfahr,denk:
Es ist nur fahrende War.
Dein Füß laß unterm Tisch umgampern
Und sei der erst mit allen schampern
Worten, Glächter und Phantasei!
Treib Nachred, Zänk und Buhlerei!
An dem Tisch magst du dich oft schneuzen,
tut gleich den Leuten vor dir scheuzen!
Magst auch umzausen in der Nasen!
Des Zähnsturens darfst dich nit maßen!
Auch magst dich in dem Bart wohl krauen,
das Hemd auftan, in Busen schauen
und hinein nach dem Wildbret fischen!
Magst das Maul wohl ans Tischtuch wischen!
Ist man denn lang zu Tisch gesessen,
dass du voll bist mit Trinken, Essen,
so leg dich auf mit beidn Ellbogen,
breit dich aus und sitz nit geschmogen,
oder leg den Kopf in ein Händ
und spreiz dich hinten an die Wänd,
bis das Mahl hat seinen Ausgang!
Denn sag Gott weder Lob noch Dank!
Wenn man denn hebt das Tischtuch auf,
setz darnach ein Handwasser drauf,
wohlschmecket mit Kräuter und Würzen,
so tu beid Fäust ungstüm drein stürzen
und besprütz all, die zu Tisch sitzen!
Denn spricht jedermann wohl dein Witzen
und hält dich für ein Ordensmann
in dem Kloster Sant Grobian,
drin man lehrt weder Scham noch Zucht,
der' auch kein Mensch mehr bei dir sucht -
Dir bleibt fürhin allzeit das Lob,
du seist unverstanden und grob,
ohn alle gut Sitten und Tugend.
So bleibst ins Alter von deinr Jugend
wie all dein Brüder genset Bachs
Sant Grobians. So spricht Hans Sachs.