Auszug aus dem Briefwechsel zwischen J. W. L. Gleim und J. G. Jacobi


Was soll ich Ihnen sagen, liebster Freund? Tausend und tausend Danksagungen sind nich genug für das, was ich empfinde! Oh, lassen Sie mich weinend Sie umarmen: Diese Sprache der Liebe, der Erkenntlichkeit sagt mehr als jede andere, und sie ist am wenigsten entheiligt. Nur diejenigen können so reden, die in das innerste Heiligtum der Freundschaft hineingegangen sind. Voller Wehmut versammle ich itzt alle die Stunden um mich her, die ich bei Ihnen zugebracht. Wie schön sind sie! durch mein ganzes Leben sollen sie mich begleiten. Liebster, bester Freund, warum kann ich nicht, da ich Sie ebenso stark liebe, mein Gefühl wie unsre teutsche Sappho verewigen? Wie viele Jünglinge, wie viele Mädchen sollten sich einst in mein Jahrhundert zurück und an meine Stelle wünschen!