PRO1


PRO1 (Gebrauch von Pers.pr., bes. es)

A. Beispiele zum refentiellen Gebrauch der Personalpronomen

Anaphorischer/deiktischer Gebrauch:

(1) Ich heiBe Karin. Wie heiBt du?

(2) Kannst du mir einen Augenblick den Bleistift leihen? Du kriegst ihn gleich zurück.

(3) Ich bin deiner nicht würdig. Ein Verwandter nahm sich meiner an.

(4) Sie nahm die Kreide und schrieb damit (mit ihr)

(5) Wir trafen Freunde und unterhielten uns mit ihnen.

(6) Wer ist da? Wir sind es. / Ich bin es. / Es ist mein Freund. / Es sind meine Freunde.

(7) Es ist Hans, der den Apfel geklaut hat. / Es sind meine Eltern, die zu Besuch kommen.

([smiley: cool] Du bist es, der den Apfel geklaut hat. / Wir sind es, die das getan haben.

(9) Ich bin Student und er ist es auch. / Er ist noch krank, seine Schwester ist es aber nicht mehr.

(!0) Peter hat im Lotto gewonnen. Ich weiB es.

(11) Wer soll den Sack tragen? Ich tue es gerne.

Gebrauch als vorläufiges Subjekt/Objekt (nur es):

(1) Es ist sehr nett von dir, mir zu helfen. Sehr nett ist es von dir, mir zu helfen.

(2) Es gefällt ihnen eben, uns zu ärgern. Ihnen gefällt es eben, uns zu ärgern.

(3) Es wurde uns befohlen, auf die Flüchtlinge zu schieBen. Uns wurde befohlen, auf  zu schieBen.
(4) Es zeigte sich bald, dass alle gerettet waren. Bald zeigte (es) sich, dass alle gerettet waren.

(5) Es passiert eben nicht oft, dass alles so gut klappt. Oft passiert es eben nicht, dass klappt.

(6) Es wurde uns gesagt, dass niemand zu Hause sei. Uns wurde gesagt, dass niemand zu Hause sei.

(7) Ich halte es für meine Aufgabe, das zu tun.

([smiley: cool] Ich liebe/hasse es, früh aufzustehen.

(9) Er hat es geschafft/fertiggebracht, das Geheimnis für sich zu behalten.

(10) Wir überlassen es dir, die Arbeit zu Ende zu führen.

(11) Wer kann es dir verübeln, dass du da nicht mitmachst?

(12) Er sieht es gern, dass wir ihn besuchen.




B. Beispiele zum nicht-referentiellen Gebrauch von es

Formales Subjekt:

a) Bei Verben und in Prädikativsätzen, die Witterungsverhältnisse, zeitliche Verhältnisse, Temperatur, zeitlichen und räumlichen Abstand bezeichnen (= äuBere Verhältnisse). es steht in der Regel im Satzinnern, kann aber in gewissen Prädikativsätzen auch wegfallen.
Es regnet, schneit, hagelt, blitzt, donnert, dunkelt etc.
Es ist Abend, Morgen; Es ist kalt, heiB; Es ist halb zwei, zwei Uhr; Es ist weit; Es sind zwei Wochen bis
Weihnachten.
Hat es gestern geregnet?
Heute ist (es) Donnerstag. Dort war (es) sehr kalt.

b) Bei Verben, die eine Sinneswahrnehmung bezeichnen (= äuBere Verhältnisse), besonders
Geräusche. es bleibt im Satzinnern stehen.
Es klingelt, klopft, spukt, rauscht, riecht, zieht.
Spukt es wirklich in diesem Haus?

c) Bei Verben und in Prädikativsätzen mit Adjektiv, die eine körperliche oder seelische Empfindung
bezeichnen (= innere Verhältnisse). Der Träger der Empfindung steht entweder im Dativ oder im
Akkusativ, bei gewissen Verben gibt es beide Möglichkeiten. es fällt im Satzinnern in der Regel weg,
bei gewissen Verben kann es aber auch stehenbleiben.
Es friert mich. Mich friert. Es ist mir kalt. Mir ist kalt.
Es graut mir (mich) vor dem Examen. Mir (mich) graut (es) vor dem Examen.
Es ekelt mir/mich. Mir/mich ekelt.
Es schwindelt mir. Mir schwindelt.
Es wurde mir schwindlig. Mir wurde schwindlig.
Es ist mir schlecht/übel. Mir ist schlecht/übel.

Dieser Konstruktionstyp stirbt besonders bei den Verben langsam aus und wird mehr und mehr durch persönliche Ausdrucksweise ersetzt, d. h. mit dem Träger der Empfindung als grammatischem Subjekt und oft in reflexiver Form:
Ich friere, fröstele; ich graue mich, ekele mich (Ausnahme: schwindeln)

d) In einigen unpersönlichen reflexiven Konstruktionen, mit oder ohne lassen. Wenn lassen steht, fällt es in der Regel weg im Satzinnern, sonst nicht.
Es schläft sich gut in diesem Bett. In diesem Bett schläft es sich gut.
Es fährt sich gut auf dieser StraBe. Auf dieser StraBe fährt es sich gut.
Es lässt sich hier gut leben. Hier lässt (es) sich gut leben.

e) Bei einer Restgruppe von Verben, in der Regel mit einer Kasus- oder Präpositionalergänzung. es bleibt im Satzinnern stehen.
Es gibt wohl einen Ausweg. Wie geht es dir? Es bedarf keiner Erklärung. Es fehlt mir an Geld.
Es handelt sich um nichts Wichtiges. Worum dreht es sich?

Formales Objekt:

f) In einigen festen Wendungen. Oft ein inhaltsloses det in entsprechenden Wendungen im Norwegischen.
Wir haben es eilig/lustig etc. Ich habe es mir leicht gemacht. Er hat es auf ihr Geld abgesehen.
Er konnte es mit ihm nicht aufnehmen.




Satzeinleitendes es:

Das satzeinleitende es kann nur im Vorfeld eines Satzes stehen, im Satzinnern fällt es immer weg. Das entsprechende det im Norwegischen steht auch im Satzinnern, deshalb muss man hier besonders aufpassen.
Es gibt zwei Fälle, wo das satzeinleitende es gebraucht werden kann:

a) In unpersönlichen Passivsätzen (unpersönliches Passiv = Passiv von einem intransitiven Verb, d.h. ohne Akkusativobjekt).

Es wurde lange geplaudert. Lange wurde geplaudert.
Es wurde den Flüchtlingen geholfen. Den Flüchtlingen wurde geholfen
Es wurde gesungen und getanzt bis tief in die Nacht. Bis tief in die Nacht wurde gesungen und getanzt.

b) In Sätzen, wo das Subjekt in der Form eines Substantiv oder substantivischen Wortes im Satzinnern steht, kann ein es den Satz einleiten. Dieses es wird oft vorläufiges Subjekt (für ein Substantiv) genannt, es bezieht sich aber nicht auf das Subjekt, es ist inhaltslos. Ein Unterschied zum Norwegischen besteht eben darin, dass dieses es nicht im Satzinnern stehen kann, ein zweiter Unterschied aber darin, dass das Subjekt im Deutschen in solchen Sätzen auch in bestimmter Form (Beispiel unten!) stehen kann. - Der Satz kann sowohl im Aktiv als im (persönlichen) Passiv stehen.

Es war nur eine alte Frau/ niemand zu Hause. Zu Hause war nur eine alte Frau/niemand.
Es liegen zwei Bücher auf dem Tisch. Auf dem Tisch liegen zwei Bücher.
Es wurden bei der Aktion viele Menschen getötet. Bei der Aktion wurden viele Menschen getötet.
Es sprach soeben der Bundeskanzler. Soeben sprach der Bundeskanzler.
Es war dort nichts zu sehen. Dort war nichts zu sehen.