J. C. Gottsched "Der Biedermann"


Johann Christoph Gottsched: Der Biedermann

Ich wohne in keiner volkreichen Stadt, sondern auf dem Lande. Ein kleines Gut, welches sich mein Vater in Meißen angeschafft, ist mein ständiger Aufenthalt. Ich halte mich für einen glücklichen Untertan in dem Reiche des großen Urhebers der ganzen Natur. Überall, wo ich meine Augen hinwende, finde ich Gelegenheit, mein Gemüt an der herrlichen Ordnung, der ausbündigen Schönheit und untadeligen Gerechtigkeit zu belustigen, die der Herr aller Dinge in seinem weisen Regimente blicken läßt. Ich habe es erkennen gelernt, daß er keinen einzigen von seinen Untertanen hasse; daß er vielmehr alles und jedes glücklich zu machen, und zu größerer Vollkommenheit zu bringen suchet. Ich habe es gelernt, daß die scheinbare Unordnung in der Welt, in der Tat lauter Ordnung sei.