10.5.05


Nr. 1 show images see all slides

Nr. 2 show images see all slides


Der Kaspar, der war kerngesund,
Ein dicker Bub und kugelrund.
Er hatte Backen rot und frisch;
Die Suppe aß er hübsch bei Tisch.
Doch einmal fing er an zu schrein:
"Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe eß ich nicht!"
Nr. 3 show images see all slides


Am nächsten Tag - ja sieh nur her!
Da war er schon viel magerer.
Da fing er wieder an zu schrein:
"Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe eß ich nicht!"
Nr. 4 show images see all slides


Am dritten Tag, o weh und ach!
Wie ist der Kaspar dünn und schwach!
Doch als die Suppe kam herein,
Gleich fing er wieder an zu schrein:
"Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe eß ich nicht!"
Nr. 5 show images see all slides


Am vierten Tage endlich gar
Der Kaspar wie ein Fädchen war.
Er wog vielleicht ein halbes Lot -
Nr. 6 show images see all slides


Und war am fünften Tage tot.
Nr. 7 show images see all slides
Da der Heinrich [...] in ungeregelter Tätigkeit und leichtsinniger Vergeßlichkeit fortlebt, [...], so will ich ihm hiermit nochmals die Pflicht ans Herz legen und ihn auffordern: zur Ordnung, zum geregelten Fleiß, zur vernünftigen Einteilung seiner Zeit zurückzukehren, damit er ein nützliches Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft werde [...].
In der Besorgnis, daß auch diese Ermahnung nichts helfen wird, [...] befehle ich folgende Einteilung der Zeit.

1. 20 Minuten Zeit zum Waschen und Anziehen.

2. Bis zum Kaffee: Klavierübung.

3. Von 8-10 Uhr: Zeichnen.

4. Von 10 Uhr bis zum Mittagessen: Repetition der lateinischen und griechischen Grammatik.

5. Von 2-4 Uhr: Klavierübung.

6. Von 4-7 Uhr: Repetition der deutschen, französischen und englischen Grammatik.

7. von 7-9 Uhr: Algebra.

(Brief des Vaters Philipp Jacob Hoffmann an seinen Sohn Heinrich)
Nr. 8 show images see all slides

Nr. 9 show images see all slides
Das Hungerlied
Georg Weerth

Verehrter Herr und König,
Weißt du die schlimme Geschicht?
Am Montag aßen wir wenig,
Und am Dienstag aßen wir nicht.

Und am Mittwoch mußten wir darben,
Und am Donnerstag litten wir Not;
Und ach, am Freitag starben
Wir fast den Hungertod!

Drum laß am Samstag backen
Das Brot, fein säuberlich -
Sonst werden wir sonntags packen
Und fressen, o König, dich!


Georg Weerth: Das Hungerlied (um 1845). In: Benno von Wiese (Hg.): Echtermeyer - Deutsche Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin 1993, S. 439.
Nr. 10 show images see all slides

Nr. 11 show images see all slides
"Die Eltern des Suppenkaspar sind für seinen Tod strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Sie haben zu seinem Tod auf mehrfache Weise beigetragen: So unterließen sie es, ihm etwas anderes als Suppe vorzusetzen.
[...] Zum anderen riefen die Eltern trotz des drohenden Todes von Suppenkaspar [...] weder ärztliche Hilfe herbei, noch leiteten sie kurzfristig dringend erforderliche Zwangsernährungsmaßnahmen ein. [...] Insofern haben seine Eltern durch ihre Passivität seinen Tod mitherbeigeführt. Sie handelten [...] auch vorsätzlich, denn sie nahmen seinen Tod als Höhepunkt erzieherischer 'Konsequenz' zunmindestens billigend in Kauf." (Jörg Michael Günther: Der Fall Struwwelpeter. Juristisches Gutachten über Umtriebe von Kindern zur Warnung für aufsichtspflichtige Eltern und Pädagogen. Frankfurt a.M. 1989, S. 85f.)

Das Gutachten kommt zu dem Schluss: "Die Eltern vom Suppenkaspar haben sich eines Totschlags durch Unterlassung strafbar gemacht, §§ 212, 13 StGB."