19:17:45
>> Michael2 turns on the recorder. A little red light begins flashing, indicating that everything said publicly in this room will be taped. <<
19:18:21
Tove_A: "Guten Abend""
19:18:34
Michael2: "Wir haben uns beim Samling in Bergen zunächst mit einem Text von Hugo von Hofmannsthal beschäftigt. Könnt ihr euch noch erinnern, worum es in dem Text ging?"
19:19:46
Ranveig_T: ""Leider nicht"
19:19:56
Britt_Aa: "Es war ein Brief"
19:20:52
Michael2: "Ja, ein Brief, richtig. Ich zeige ihn noch einmal."
19:20:59
Michael2 shows the slide 1 on the projector 05_04_21
Hugo von Hofmannsthal
Ein Brief (auch: Brief des Lord Chandos an Francis Bacon)
[Auszug]
Mein Fall ist, in Kürze, dieser: Es ist mir völlig die Fähigkeit abhanden gekommen, über irgend etwas zusammenhängend zu denken oder zu sprechen.
Zuerst wurde es mir allmählich unmöglich, ein höheres oder allgemeineres Thema zu besprechen und dabei jene Worte in den Mund zu nehmen, deren sich doch alle Menschen ohne Bedenken geläufig zu bedienen pflegen. Ich empfand ein unerklärliches Unbehagen, die Worte "Geist", "Seele" oder "Körper" nur auszusprechen. Ich fand es innerlich unmöglich, über die Angelegenheiten des Hofes, die Vorkommnisse im Parlament oder was Sie sonst wollen, ein Urtheil herauszubringen. Und dies nicht etwa aus Rücksichten irgendwelcher Art, denn Sie kennen meinen bis zur Leichtfertigkeit gehenden Freimut: sondern die abstrakten Worte, deren sich doch die Zunge naturgemäß bedienen muß, um irgendwelches Urtheil an den Tag zu geben, zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze.
Hugo von Hofmannsthal: Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Prosa II. Hg. v. Herbert Steiner. Frankfurt [S. Fischer] 1976. S. 7-20. Erstdruck 1902 in der Zeitung "Der Tag".
http://gutenberg.spiegel.de/hofmanns/prosa/chandos.htm
19:21:16
Michael2: "Worum ging es in dem Brief?"
19:21:22
Britt_Aa: "Er sagte, dass er nicht mehr denken oder sprechen könnte"
19:21:43
Michael2: "Richtig. "
19:22:00
Michael2: "In dem Brief drückt er seinen Zweifel an der Sprache aus."
19:22:15
Michael2: "Zu welcher literarischen Epoche ist dieser Text zu zählen?"
19:23:07
Michael2 [zu Britt_Aa]: "(könne)"
19:23:54
Britt_Aa: "zum Naturalismus"
19:23:57
Ranveig_T: "Am ende Naturalismus"
19:24:37
Michael2: "Es ist die gleiche Zeit, ja - aber ist der Inhalt des Briefes eigentlich typisch für den Naturalismus?"
19:26:24
Ranveig_T: "nein, imn Norwegische Literaturgeschichte nennen wir es -90-åra, "fin de sciecle""
19:27:05
Ranveig_T: "mit S. Freud und symbolismus"
19:27:25
Michael2: "Richtig. Um welche Themen geht es im Fin de Siècle?"
19:28:23
Ranveig_T: "die unbewusste, die Psychoanalyse, das moderne Welt"
19:29:06
Michael2: "Ja, das Unbewusste ist wichtig. Das Vertrauen zur Vernunft hat abgenommen."
19:29:11
Sigrunn_K arrives from Fernstudien-Gruppenraum
19:29:22
Michael2: "Wir werden in der nächsten Sitzung auf dieses Thema zurückkommen."
19:30:07
Michael2: "Bei Hofmannsthal werden die Themen des Zweifels an der Sprache und an den Ausdrucksmitteln deutlich."
19:30:41
Michael2: "Sie sind verbunden mit einem Zweifel an der Erkennbarkeit der Wirklichkeit"
19:31:17
Michael2: "Und das hat natürlich Konsequenzen für die künstlerische Gestaltung, insbesondere für die Literatur, die neue Wege finden muss."
19:31:54
Michael2: "Es handelt sich also um eine ganz andere Position als die des Naturalismus, aber sie entstand zur gleichen Zeit."
19:32:03
Michael2: "Epochenbegriffe sind also offenbar Hilfskonstruktionen. Zur gleichen Zeit können sehr unterschiedliche Phänomene auftreten. Wir dürfen unsere Begriffe nicht mit der Wirklichkeit verwechseln - das ist etwas, was wir von Hofmannsthal lernen können."
19:32:51
Ranveig_T: "Wie Sigbjørn Obstfelder: Jeg ser "
19:33:13
Michael2: "Wir werden im nächsten Semester, wenn wir uns mit dem 20. Jahrhundert beschäftigen, die Konsequenzen dieser Haltung kennen lernen."
19:34:14
Michael2: "Ranveig, wie geht das weiter?"
19:35:11
Ranveig_T: "Es ist der erste norwegiche Modernist in Lyrikk. Es endet " jeg er visst kommet på feil klode."
19:35:30
Ranveig_T: " Her er så underligt"
19:36:13
Michael2: "Ich kenne das nicht, werde es mal nachlesen."
19:36:26
Michael2: "Aber die Haltung ist tatsächlich sehr modern."
19:36:59
Michael2: "Ganz typisch auch in Deutschland der melancholische Gedanke, auf der falschen Welt gelandet zu sein."
19:37:54
Michael2: "Wir werden sehen, dass dieser Gedanke, auch der Abschied vom Realismus, im zwanzigsten Jahrhundert weiterhin wichtig bleiben wird."
19:38:03
Michael2: "Wir haben beim Samling in Bergen dann drei sehr schöne Referate über die CD-ROM "Themenpark Ernährung" gehört. "
19:38:25
Michael2: "Ranveig hat einen interessanten Vortrag über ein Gemälde von Velazquez gehalten und im Rückgriff auf den Kunsthistoriker Erwin Panowski gezeigt, wie man ein solches Bild analysieren kann und wie es als schulisches Unterrichtsmaterial genutzt werden könnte."
19:38:45
Michael2: "Mary-Hilde hat das didaktische Arrangement "Wortfeld essen" vorgestellt und viele Möglichkeiten eines produktiven und intuitiven Umgangs mit der Lernumgebung in der Schule gezeigt. "
19:39:06
Michael2: "Siri hat einen der Sachtexte der CD-ROM zum Ausgangspunkt ihres Referates genommen. Sie hat gezeigt, wie sich der Begriff des Geschmacks im Laufe der Geschichte verändert hat und wie die Geschichte der Ernährung sozialen Aspekten der Differenzierung unterworfen ist."
19:39:36
Michael2: "Alle Referate waren sehr interessant, vielen Dank!"
19:39:53
Michael2: "Wir wollen uns heute mit einem anderen Thema der CD beschäftigen. Ich habe euch den Download zur "Geschichte vom Suppenkaspar" angegeben - hat das funktioniert?"
19:40:49
Ellen_E: "Ja, wann ich endlich fand wie ich es machen sollte"
19:42:08
Michael2: "Könnt ihr kurz die "Geschichte vom Suppenkaspar" nacherzählen? (Bitte in mehreren vollständigen Sätzen, ihr habt fünf Minuten Zeit)"
19:43:01
Michael2: "Für diejenigen, die die CD nicht installieren können, findet sich die Geschichte vom Suppenkaspar auch hier: http://gutenberg.spiegel.de/hoffmanh/struwwel/struww61.htm"
19:46:19
Ranveig_T: "Es war einmal ein Kind, der dick war, und er ass immer sein Essen. Aber einen Tag wollte er nicht seine Suppe haben. Er bekam nichts anderes, aber wollte doch nicht essen. Den fünften Tag war er tot!"
19:46:43
Ellen_E: "Der kleine Kaspar war ein dicker Junge, aber plötzlich setzte er sich vor, dass er nicht mehr seine Suppe essen wollte. Und ohne Essen kann man nicht leben. Deshalb starb er nach wenigen (sehr wenigen!) Tagen. "
19:47:08
Gro_G: "Es handelt sich um der Kaspar, der am anfang kerngesund war.Dick und rund. Er hat sich dann entschieden keine Suppe mehr zu essen. Nach funf Tage ohne Suppe war er Tot."
19:47:18
Michael2 [zu Ranveig_T]: "ein Kind, das... und es"
19:47:31
Britt_Aa: "Der Junge war sehr frich und gesund, weil er jeden Tag gute Suppe ass.Eines Tages sagte er aber, dass er keine Suppe essen wolle, und dann wurde er mager und schwach. Am fünften Tag hat er gestorben."
19:47:40
Michael2 [zu Ellen_E]: "plötzlich nahm er sich vor"
19:47:59
Tone_R: "Suppenkaspar wollte nicht seine Suppe essen. Erste Tag, zweite Tag, dritte Tag und auch vierte Tag hat er nichts gegessen. Er wurde jeden Tag immer dunner. Dann am funfte Tag ist er gestorben."
19:48:06
Michael2 [zu Gro_G]: "den Kaspar .. nach fünf Tagen"
19:48:41
Michael2 [zu Britt_Aa]: "frisch ... ist er gestorben"
19:49:11
Tove_A: "Kaspar wollte nicht Suppe essen. Er war dick, aber er war Tot nach fünf Tage""
19:49:21
Michael2 [zu Tone_R]: "Am ersten Tag, am zweiten... am fünften"
19:49:22
Sigrunn_K: "Das ist eine Geschichte die uns über ein gesund Junge erzält. Er ist gesund weil er viel Suppe isst. Als er nicht mehr Suppe möchten bleibt er dünn und schwach, und am fünften Tage war er tot.""
19:49:45
Britt_Aa: "Ja natürlich. Danke."
19:49:45
Michael2 [zu Tove_A]: "keine Suppe... nach fünf Tagen tot"
19:50:52
Michael2 [zu Sigrunn_K]: "einen gesunden Jungen erzählt ... Als er keine Suppe mehr möchte, wird er .."
19:51:40
Sigrunn_K: "Danke"
19:51:41
Michael2: "Sehr gut, danke!"
19:51:59
Michael2: "Wir wollen uns nun einmal die Ausgangssituation des Suppenkaspar ansehen."
19:52:02
Michael2 shows the slide 1 on the projector 10.5.05
19:52:22
Michael2: "Was ist hier zu sehen?"
19:53:01
Sigrunn_K: "Kaspar protestiert, er will kein Suppe haben."
19:53:05
Ellen_E: "Der Kaspar, wann er sich vorgenommen hat, dass er keine Suppe essen will."
19:53:24
Michael2 [zu Ellen_E]: "als er"
19:53:29
Sigrunn_K: "keine Suppe"
19:53:40
Michael2 [zu Sigrunn_K]: "ja"
19:53:48
Britt_Aa: "Der kleine Kaspar will keine Suppe essen."
19:53:50
Tone_R: "Ein bøser Junge."
19:53:59
Gro_G: "Einen dicken Junge, der schreit, und seigt mit seinen körper das er keinen Suppe mag."
19:54:05
Tove_A: "Ein Kinder wie protestieren""
19:54:21
Michael2: "Lassen sich in diesem Bild Gründe finden für das Verhalten Kaspars?"
19:55:14
Ranveig_T: "Er isst alein"
19:55:44
Michael2: "sehr richtig, Ranveig, er isst allein. Was hat das mit seinem Verhalten zu tun, kannst du das erläutern?"
19:56:00
Britt_Aa: " Er sitzt ja ganz allein beim Tisch."
19:56:05
Gro_G: "Er sieht aleine aus.Er hat ein kleines Tisch für sich selbst."
19:56:15
Tove_A: "Er ist böse""
19:56:24
Sigrunn_K: "Es ist kein Spass seine Suppe alein zu essen."
19:56:35
Ranveig_T: "Es ist nicht gut alein zu essen."
19:56:56
Michael2: "Ja, er sitzt allein am Tisch. Und er hat einen Tisch ganz für sich allein."
19:57:05
Michael2 [zu Ranveig_T]: "allein, zwei l"
19:57:27
Tove_A: "Es ist langweilig alein zu essen!""
19:57:59
Michael2: "ja, Tove, das stimmt. Langeweile also ist vielleicht ein Motiv, und Einsamkeit.."
19:58:13
Michael2: "Wie sieht die Umgebung Kaspars aus?"
19:58:49
Sigrunn_K: "Kinder möchten am liebsten zusammen essen, oder jedenfalls mit seine Eltern essen."
19:59:06
Michael2 [zu Sigrunn_K]: "ja, mit ihren Eltern"
19:59:34
Ranveig_T: "es ist keine Umgebung, es ist Vakuum"
19:59:40
Sigrunn_K: "Alles ist weiss, wie im Krankenhaus."
19:59:48
Michael2: "es gibt keine Umgebung. Und auf dem Tisch gibt es auch keine Blumen oder Ähnliches."
20:00:08
Michael2: "genau! Es ist wie ein Straftisch."
20:00:54
Michael2: "Und vor dem Kaspar steht also ein Teller mit Suppe. Ist Suppe ein Essen, das Kindern besonders gut schmeckt?"
20:00:55
Gro_G: "Es sieht so aus als alles geht um die Suppe zu essen. Ein Tisch. Ein Suppenteller. Ein Junge mit ein Serviette um hals."
20:01:25
Michael2: "Sehr gute Beschreibung, Gro. Ganz genau. Es geht alles darum, die Suppe zu essen."
20:01:43
Ranveig_T: "ich glaube dass man lernen soll, sein Essen zu essen"
20:02:10
Michael2: "Ja, das könnte die Moral der Geschichte sein. Wir kommen darauf zurück."
20:02:18
Gro_G: "Ja, meine Kinder mögen Suppe,aber es ist keine Lieblingsessen."
20:03:05
Michael2: "Ja, und es kommt natürlich auch auf die Suppe an. Aber was bedeutet eigentlich Suppe im 19. Jahrhundert? "
20:03:42
Sigrunn_K: "Kaspar hat keine Alternativ, er hat keine Wahl. Er ist in eine Situation indem er keine ander L¨sung findet, sonst "Nein" zu sagen."
20:04:24
Tove_A: "Gemüse?""
20:04:37
Michael2: "Sehr gut, Sigrunn! Kaspar hat keine Wahl, das ist sehr wichtig. Seine einzige Alternative ist es, "nein" zu sagen."
20:05:02
Britt_Aa: "Das die Familie arm war, vielleicht?"
20:05:03
Ranveig_T: "Es war nicht teuer zu machen. Man konnte viele Kartoffeln nutzen. "
20:05:07
Michael2: "Ja, Tove. Und vor allem: Suppe war ein Resteessen, nicht wahr?"
20:05:16
Ellen_E: "In manchen Familien war das vielleicht das Hauptessen"
20:05:48
Michael2: "Genau. Die Suppe war das Essen für arme Leute und in jedem Falle nichts Besonderes. Das Pflichtprogramm beim Essen, sozusagen."
20:05:51
Sigrunn_K: "Suppe war ein Billig und practish Essen, wenn man kein andere hat."
20:06:01
Michael2: "Richtig."
20:06:33
Michael2: "Sehen wir uns nun noch einmal den Kaspar an - welches Gesundheitsideal wird am Anfang der Geschichte vermittelt?"
20:06:45
Michael2 shows the slide 2 on the projector 10.5.05
Der Kaspar, der war kerngesund,
Ein dicker Bub und kugelrund.
Er hatte Backen rot und frisch;
Die Suppe aß er hübsch bei Tisch.
Doch einmal fing er an zu schrein:
"Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe eß ich nicht!"
20:07:34
Britt_Aa: "Es war "richtig", dick zu sein."
20:07:34
Ellen_E: "Der Dicke ist gesund! Man sollte nicht dünn sein."
20:07:48
Tone_R: "Man sollte dick sein"
20:07:55
Ranveig_T: "Man soll ein dicker Bub haben. Man sollte nicht dünn sein "
20:08:11
Gro_G: "Das man "runde Formen" haben soll. Rote dicke Backen."
20:08:23
Sigrunn_K: "Die Kinder sollten dicke und kraftige sein. Keine schlanke Modelle wie heute."
20:08:34
Michael2: "Genau. Also eine ganz andere Situation als heute. Kein Wort von Cholesterin und zu vielen Kalorien"
20:08:46
Tove_A: "Er war rot und frisch""
20:08:54
Michael2: "Die Grundsituation ist der Mangel. "
20:09:26
Michael2: "Sehen wir einmal das nächste Bild an.."
20:09:31
Michael2 shows the slide 3 on the projector 10.5.05
Am nächsten Tag - ja sieh nur her!
Da war er schon viel magerer.
Da fing er wieder an zu schrein:
"Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe eß ich nicht!"
20:09:44
Michael2: "Was ist hier zu sehen?"
20:10:52
Britt_Aa: "Er ist jetzt viel dünner geworden."
20:10:53
Ranveig_T: "Er ist nicht mehr dick. Er ist mager"
20:10:54
Ellen_E: "Er ist schon jetzt viel dünner."
20:11:07
Tone_R: "Er ist sehr dunn geworden. Er springt und schreit."
20:11:41
Michael2: "gut. Und was sehen wir auf dem nächsten Bild.."
20:11:43
Michael2 shows the slide 4 on the projector 10.5.05
Am dritten Tag, o weh und ach!
Wie ist der Kaspar dünn und schwach!
Doch als die Suppe kam herein,
Gleich fing er wieder an zu schrein:
"Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe eß ich nicht!"
20:12:06
Tove_A: "Er ist mager und böse""
20:12:09
Gro_G: "Ich finde der kleinen Kaspar sieht hier aus als ein dünner mann, und kein Bub mehr."
20:12:51
Ellen_E: "Er springt nicht mehr in die Luft, weil er schwächer ist."
20:12:53
Michael2: "Der kleine Kaspar sieht hier aus wie ein dünner Mann, ja. Er sieht alst aus."
20:13:13
Michael2: "ja, Ellen, gut beobachtet."
20:13:18
Britt_Aa: "Er ist sehr mager, und er sieht auch älter aus."
20:13:41
Tone_R: "Er versvindet gleich. Undeutlich und dunn."
20:13:50
Michael2: "Gut. Kaspar ist also noch dünner geworden."
20:14:03
Michael2: "Sehen wir das nächste Bild an.."
20:14:05
Michael2 shows the slide 5 on the projector 10.5.05
Am vierten Tage endlich gar
Der Kaspar wie ein Fädchen war.
Er wog vielleicht ein halbes Lot -
20:14:09
Tove_A: "Er hat grosse Kleidern weill er dünner ist""
20:14:11
Sigrunn_K: "Der was passiert, wenn man nicht genug Essen isst. Das ist wohl auch hier ein Schreckbild für Kinder die nicht ihren Eltern erlauten."
20:14:47
Michael2: "Ein Schreckensbild für Kinder, die ihren Eltern nicht gehorchen, ja."
20:14:50
Tone_R: "Er møchte weg gehen."
20:15:11
Michael2: "Ja, er geht weg. Wie sieht er jetzt aus? Was sagt der Text?"
20:16:09
Ranveig_T: "Er sieht wie ein F¨der aus. (ein sehr sturer Junge!)"
20:16:21
Tone_R: "Er war wie ein Fadchen."
20:16:27
Ellen_E: "Ein schönes Gute-nacht-gedicht! Dann wollen die Kinder nächsten Morgen vielleicht gehorchen!"
20:16:34
Tove_A: "Er ist verzweifeln""
20:16:43
Sigrunn_K: "Kaspar war wie ein Vogel, so leicht war er."
20:17:23
Michael2: "Ja, ein sturer Junge. Dann werden (nicht wollen) die Kinder am nächsten Morgen vielleicht gehorchen."
20:17:41
Michael2: "Vielleicht ist er verzweifelt, das kann sein."
20:17:49
Michael2: "Wieviel wiegt er jetzt?"
20:18:18
Gro_G: "Er verschwinden. Er ist bald weg."
20:18:30
Ellen_E: "Fast nichts."
20:18:45
Michael2: "ein Lot - das ist ein altes Gewichtsmaß. Ich musste selbst nachsehen, wieviel das eigentlich ist.."
20:18:57
Tove_A: "Ein halbes Lot""
20:18:57
Sigrunn_K: "Er wog ein halbes Lot. Ich weiss nicht wie viele Kilo das ist."
20:19:00
Gro_G: "Vielleicht ein halbes Lot"
20:19:03
Ranveig_T: "ein halbes Lot(?)"
20:19:26
Michael2: "Als Handelsgewicht war die Unze in Deutschland = 2 Lot = 1/16 Pfund"
20:19:42
Britt_Aa: "Er wiegt ein halbes Lot. Aber ich weiss nicht, wieviel ein Lot ist."
20:20:09
Michael2: "Es gibt verschiedene Angaben.."
20:21:03
Michael2: "aber ein halbes Lot sind ungefähr 8 Gramm"
20:21:24
Tone_R: "das ist wenig"
20:22:12
Michael2: "Sehen wir und das letzte Bild der Geschichte an."
20:22:18
Michael2 shows the slide 6 on the projector 10.5.05
Und war am fünften Tage tot.
20:22:31
Michael2: "Was ist hier zu sehen?"
20:22:38
Sigrunn_K: "Ein Fädchen ist das eine kleine Feder?"
20:22:51
Michael2: "nein, ein kleiner Faden."
20:22:57
Ranveig_T: "sein Grab"
20:23:12
Ellen_E: "Das Grab Kaspars"
20:23:13
Tone_R: "Die Suppe steht am Grab. Lustig!"
20:23:36
Gro_G: " Sein Grab. Mit den Suppentopf oben drauf"
20:23:40
Britt_Aa: "Auf seinem Grag sind keine Blumen, sondern die Suppe."
20:23:47
Michael2: "Richtig. Die Suppe verfolgt Kaspar bis ans Grab. "
20:23:47
Tove_A: "das Grab und die Suppe""
20:24:04
Michael2: "Welche Bedeutung hat eigentlich die Schüssel auf dem Grab?"
20:24:36
Sigrunn_K: "Er hat noch keine Wahl, er kriegt nur Suppe auch im Grab."
20:24:38
Michael2: "Wer könnte sie dort hingestellt haben?"
20:25:09
Tove_A: "Blumen""
20:25:23
Michael2: "Seine Eltern vielleicht?"
20:25:24
Tone_R: "Seine Eltern?"
20:25:27
Gro_G: "Die Eltern"
20:25:29
Ellen_E: "Seine Eltern, wer sonst?"
20:26:01
Michael2: "Ist das eigentlich realistisch? Was sind das für Eltern?"
20:27:05
Michael2: "Wie erscheinen die Eltern überhaupt in dieser Geschichte?"
20:27:09
Ellen_E: "Aber wenn er Eltern hätte, dann mussten sie wohl das Grab pflegen?"
20:27:21
Tove_A: "Die Schüssel sind die Blumen veill die Eltern unhöflich sind??""
20:27:41
Sigrunn_K: "Die Eltern haben den Junge eigentlich beim falschen Ernährungen ertötet."
20:27:43
Tone_R: "Die møchten so gerne Kaspar Suppe geben. Jetzt har die Eltern "gewonnen"?."
20:27:52
Michael2: "Ja, Tove, "unhöflich" ist noch recht charmant gesagt."
20:28:07
Britt_Aa: " Vielleicht waren seine Eltern tot, und die Nachbarn hatten den Jungen gehütet?"
20:28:16
Tove_A: "uinteresserte""
20:28:31
Michael2: "Die Eltern haben den Jungen eigentlich durch falsche Ernährung getötet, ja.."
20:29:07
Michael2: "Ja, Britt, das ist eine phantasievolle Erklärung. Schlimme Nachbarn, nicht wahr?"
20:29:49
Gro_G: "Die Eltern erscheinen eigentlich nicht in dieser Geschichte oder?"
20:30:05
Michael2: "Ja, die Eltern sind offensichtlich desinteressiert. Ein Jurist hat einmal eine ausführliche juristische Analyse der Geschichte geschrieben."
20:31:14
Ranveig_T: "interessant"
20:31:35
Michael2 shows the slide 11 on the projector 10.5.05
"Die Eltern des Suppenkaspar sind für seinen Tod strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Sie haben zu seinem Tod auf mehrfache Weise beigetragen: So unterließen sie es, ihm etwas anderes als Suppe vorzusetzen.
[...] Zum anderen riefen die Eltern trotz des drohenden Todes von Suppenkaspar [...] weder ärztliche Hilfe herbei, noch leiteten sie kurzfristig dringend erforderliche Zwangsernährungsmaßnahmen ein. [...] Insofern haben seine Eltern durch ihre Passivität seinen Tod mitherbeigeführt. Sie handelten [...] auch vorsätzlich, denn sie nahmen seinen Tod als Höhepunkt erzieherischer 'Konsequenz' zunmindestens billigend in Kauf." (Jörg Michael Günther: Der Fall Struwwelpeter. Juristisches Gutachten über Umtriebe von Kindern zur Warnung für aufsichtspflichtige Eltern und Pädagogen. Frankfurt a.M. 1989, S. 85f.)
Das Gutachten kommt zu dem Schluss: "Die Eltern vom Suppenkaspar haben sich eines Totschlags durch Unterlassung strafbar gemacht, §§ 212, 13 StGB."
20:31:50
Michael2: "Hier habe ich es kurz hineinkopiert.."
20:32:51
Michael2: "Die Geschichte vom Suppen-Kaspar ist also möglicherweise auch die Geschichte einer Kindesmisshandlung. Wenn Kaspar seine Suppe nicht isst, muss er eben verhungern."
20:33:17
Michael2: "Die Konsequenz und Prinzipienfestigkeit der Eltern geht zu weit."
20:34:09
Tone R a disparu.
20:34:32
Sigrunn_K: "Es kann auch eine Geshichte von Anorecksi sein."
20:34:50
Ranveig_T: "ja, absolut"
20:35:14
Michael2: "Ja, man kann dieses Verhalten Kaspars ganz unterschiedlich betrachten. Die Geschichte hält das offen."
20:35:36
Michael2: "Allerdings hat die Unerbittlichkeit des Vorganges auch ihre grotesk-komische Seite. Jedes Kind weiß, dass die Welt so einfach nicht ist. Kaspar könnte sich auch woanders etwas zu essen beschaffen. Aber das will Kaspar gar nicht. Kaspar verweigert jede Nahrung, und das scheinbar ohne jeden Sinn."
20:35:49
Sigrunn_K: "Vielleicht will er nicht mehr essen, obwohl es gutes Essen ist."
20:36:31
Michael2: "Ja, das ist auch möglich. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, die Nahrung zu verweigern."
20:36:42
Michael2: "Ihr kennt ja sicherlich den Roman von Hamsun, oder?"
20:36:56
Ranveig_T: "Sult, ja"
20:37:12
Tove_A: "Ja, Sult""
20:37:17
Michael2: "Dort wird ja auch nicht nur aus Not gehungert. Die Lage ist komplizierter."
20:38:03
Michael2: "Es gibt einen Auszug daraus in der Lernumgebung (im Menü unter "Übersicht")"
20:38:27
Michael2: "Eine ganz berühmte Geschichte ist die von Franz Kafka, Ein Hungerkünstler.."
20:38:31
Michael2: "Kennt ihr die?"
20:38:43
Ranveig_T: "nein"
20:38:50
Ellen_E: "Nein, leider nicht!"
20:38:59
Britt_Aa: "Nein, leider nicht."
20:39:24
Michael2: "Solltet ihr lesen, ist wirklich interessant und sehr rätselhaft. "
20:39:37
Sigrunn_K: "Es gibt wohl auch heute Leute, die sich um ein Grund getötet, durch Hunger."
20:39:43
Michael2: "Findet ihr auch im Download zum Suppenkaspar."
20:40:06
Michael2: "die sich aus einem Grund das Leben genommen haben, ja."
20:40:39
Michael2: "Heinrich Hoffmann hat die Geschichte vom Suppenkaspar für seinen Sohn geschrieben. Haltet ihr die Geschichte für eine sinnvolle pädagogische Maßnahme?"
20:41:14
Michael2: "Warum nicht?"
20:42:17
Sigrunn_K: "Kinder magen sehr starke Effekten."
20:42:23
Tove_A: "Es ist düster""
20:42:36
Ranveig_T: "nein, aber ich glaube dass solche Geschichte die Kinder gefällen "
20:43:18
Michael2: "Ja, solche Geschichten gefallen Kindern, weil Kinder starke Effekte mögen."
20:43:53
Michael2: "Vielleicht verstehen die Kinder auch die Übertreibung und das Groteske in diesen Geschichten, was meint ihr?"
20:44:05
Tove_A: "Dann muss er mit der Kindern über die Gesichte sprechen""
20:44:35
Tone_R arrives from Fernstudien-Gruppenraum
20:44:40
Ranveig_T: "ja, die Kinderverstehen die Übertriebung"
20:44:55
Elisabeth N a disparu.
20:44:56
Ellen_E: "Was ist eigentlich hier zu verstehen. Ist sie nicht nur eine lustige Geschichte?"
20:45:02
Gro_G: "Ich finde die Geschichte ist nicht realistisch. Die hat Humor, aber ich denke das "kapieren" die Kinder nicht, und desswegen ist die Geschichte auch nicht sinnvoll."
20:45:24
Britt_Aa: "Für die Kinder ist diese Geschichte wie ein Mârchen, glaube ich."
20:45:29
Michael2: "Ja, Tove, das ist vielleicht keine schlechte Idee. Es kommt wohl auch auf das Alter der Kinder an. "
20:45:34
Tove_A: "Es ist gewalttätig""
20:45:35
Sigrunn_K: "Ganz kleine Kinder haben sehr klar Logikk, und haben oft keine Probleme sehr einfache Lösungen zu akseptieren."
20:46:01
Michael2: "Wir sehen, es ist gibt sehr unterschiedliche Ansichten dazu! Eine bis heute kontroverse Sache."
20:46:13
Michael2: "Wir werden am Donnerstag noch ein wenig darüber sprechen."
20:46:43
Ranveig_T: "Meine Erfahrung ist dass Kinder solche Geschichte lieben"
20:47:50
Michael2: "Ihr findet noch weitere Geschichten aus dem berühmten Buch von Hoffmann hier: http://gutenberg.spiegel.de/hoffmanh/struwwel/struwwel.htm"
20:47:52
Sigrunn_K: "Ich kann meine Schülern Morgen fragen."
20:48:13
Michael2: "Das wäre interessant! Ja, fragt einmal eure Schüler und Kinder!"
20:48:22
Michael2: "Das würde mich interessieren."
20:48:50
Michael2: "Wir sprechen dann Donnerstag noch ein wenig weiter darüber. Außerdem.."
20:48:54
Michael2: "Informiert euch bitte bis zur nächsten Sitzung ein wenig über die Autoren Marx, Freud und Nietzsche. Überlegt, welche Bedeutung sie für die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts gehabt haben könnten."
20:49:09
Michael2: "Hier ein ganz guter Link für Recherchen zur Literaturgeschichte: http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/"
20:49:22
Michael2: "Im Index findet ihr dort Artikel zu allen drei Autoren."
20:49:35
Michael2: "Außerdem liegt im Landeskunderaum auch ein Projektor mit einem Text zum Thema."
20:50:10
Michael2: "Es hat mir wie immer viel Spaß gemacht mit euch heute. Vielen Dank! Ich wünsche euch einen schönen Abend, und wir sehen uns übermorgen!"
20:50:23
Ranveig_T: "Bis dann"
20:50:41
Ellen_E: "Schönen Abend und vielen Dank!"
20:50:46
Tove_A: "Danke. Bis dann!""
20:50:51
Britt_Aa: "Schönen Abend noch!"
20:51:03
Tone_R: "Tshuss!"
20:51:23
Gro_G: "Ich kann am Donnerstag nicht dabei sein .Wir fahren übermorgen in Urlaub.Wir haben jetzt 14 tagen Ferien hier in Baden Wüttenberg. Schönen Abend noch. Tschüss!"
20:52:00
Ranveig_T: "Gute Ferien, Gro"
20:52:47
Gro_G leaves for Dorfplatz
20:53:22
Ranveig_T: "Jetzt muss ich meine norwegische Aufgaben korrigieren!"
20:54:02
Ranveig T a disparu.
20:56:45
>> Michael2 turns off the recorder. The little red light stops flashing, indicationg that the recorder doesn't tape the conversation in this room any more. <<