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Fischerei und Aquakultur in Norwegen

Norwegen gehört zu den großen Ausfuhrländern von Nahrungsmitteln aus dem Meer. Fische, Krustentiere und Meeresfrüchte sind nach Erdöl die wichtigsten Ausfuhrgüter. Sie brachten 1999 Einnahmen in Höhe von 30 Milliarden Kronen (7,5 Milliarden DM) ein. Ein zunehmender Teil des Nahrungsbedarfs der Welt wird aus dem Meer gedeckt werden müssen, und damit wachsen die Anforderungen an die Verwaltung der Meeresressourcen und die umweltfreundliche und effiziente Entwicklung der Aquakultur.

Pressereferent Bjarne Myrstad

Die Entwicklung der essbaren Meeresressourcen steckt zwar noch in den Anfängen, aber an ihrer Bedeutung besteht längst kein Zweifel mehr. Die Politiker setzen hohe Erwartungen in die Wachstumsbranche, die das Wirtschaftsleben des Landes immer stärker beeinflusst. Je mehr die Erdöl- und Gasvorkommen zur Neige gehen, desto wichtiger wird der marine Bereich für die norwegischen Finanzen. Dabei legt Oslo größten Wert darauf, dass die Produktion von Meeresfrüchten unter Einhaltung der strengen Vorschriften zum Schutz von Gesundheit und Hygiene auf der Grundlage einer nachhaltigen und umweltverträglichen Aufzucht und Ernte vor sich geht.

Seit Menschengedenken haben sich die Bewohner Norwegens vom Fischfang ernährt. Auf seiner Basis haben sich Leben und Kultur an der Küste entwickelt. Da Norwegen über einige der reichsten Fischgründe der Welt verfügt, ist verständlich, dass die Fischerei das Herz der norwegischen Wirtschaft ist. Die Nordsee, die norwegische Küste, die Barentssee und die Polarfront im Europäischen Nordmeer sind sämtlich hochproduktive Gebiete, und große Fischvorkommen laichen direkt vor der norwegischen Küste. Die Küstengebiete eignen sich außerdem besonders gut für Fischzucht, und das Aquakulturgewerbe hat in den letzten Jahren einen so kräftigen Aufschwung erlebt, dass es für die Küstenbevölkerung zu einem neuen wertvollen Wirtschaftszweig geworden ist. 1999 wurden Zuchtlachs und ­forelle im Wert von 12,5 Milliarden Kronen exportiert.

Als erstes Land der Welt richtete Norwegen 1946 ein Fischereiministerium ein. Zum Kompetenzbereich der Verwaltungsbehörde gehören außerdem die Häfen und die Anlegestellen der Fähren, der Lotsen- und Leuchtfeuerdienst und die elektronischen Navigationshilfen.

Nachhaltige Bewirtschaftung

In den letzten 30 Jahren hat sich die norwegische Fischerei vom nahezu unbegrenzten Fischfang zu einem durch Quotierungen und Fangkonzessionen regulierten, rentablen und nachhaltigen Gewerbe herausgebildet. Durch die technische Revolution nach dem Zweiten Weltkrieg ist die heutige Fischereiflotte so effizient, dass strenge Maßnahmen erforderlich sind, um Ab- beziehungsweise Überfischung zu verhüten. Da die Fische sich bei ihren Wanderungen um Fischereizonen nicht kümmern und die Fischereibetriebe vieler Länder in den internationalen Gewässern hocheffizient arbeiten, sind bindende internationale Übereinkommen über die Bewirtschaftung der Fischvorkommen in den Weltmeeren dringend erforderlich. Norwegen hat sich schon immer nach Kräften für die internationale Zusammenarbeit in der Fischerei eingesetzt. Nachdem 1977 die 200 Seemeilen tiefe Wirtschaftszone errichtet worden war, wurden Fischereiabkommen mit vielen Ländern geschlossen. Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen über grenzüberschreitende und wandernde Fischarten von 1995 war ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung, und Oslo legt großen Wert auf die Umsetzung der Prinzipien des Übereinkommens in die Praxis.

Es muss gelingen, die Fischvorkommen auf nachhaltige Weise zu bewirtschaften. Scho- nungs- und Erholungsmaßnahmen dienen dem Ziel, die Vorkommen auf einen so hohen Stand zu bringen und dort zu halten, dass jährliche, stabile, lohnende Fangquoten gewährleistet werden können. Darum setzt Norwegen auf Meeresforschung, unter anderem auf Mehrartenforschung, um mehr Kenntnisse über die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen Fisch- und Meeressäugetierarten zu erhalten.

Die Meeressäuger bilden die Spitze der Nahrungskette im Meer. Es ist deshalb natürlich, sie innerhalb sicherer biologischer Rahmen nach denselben Grundsätzen wie beim Fischfang zu bejagen. Dieses ganzheitliche Konzept der Bewirtschaftung der lebenden Meeresressourcen bildet die Grundlage der Fischereipolitik. Ein Beispiel dafür ist der Zwergwal, die Walart, die in Norwegen bejagt wird. Um den Umfang des Bestands festzustellen und um eine humane und wirkungsvolle Tötung sicherzustellen, hat Norwegen umfassende Forschung betrieben. Der Wal- und Robbenfang unterliegt sehr strengen Vorschriften und Regeln.

In der Aquakultur ist die Aufzucht von Lachs und Meerforelle vorherrschend. Große Anstrengungen werden unternommen, um auch andere Fischarten rentabel produzieren zu können. Die Kombination von Aquakultur und traditioneller Fischerei befindet sich noch im Versuchsstadium. Es geht um das Aussetzen von Organismen in ihr natürliches Umfeld im Meer und insbesondere um das wieder Einfangen.

Ungefähr 90 Prozent der Anlandungen werden ausgeführt. Das heißt, dass das Fischereigewerbe seine Einnahmen im Außengeschäft holt und folglich auf jeder Stufe der Fischerzeugung ein höchstes Maß an Qualität anstreben muss. Durch nachhaltige Bewirtschaftung der lebenden Meeresressourcen, die kommerzielle Aufzucht weiterer Fischarten, Produktentwicklung und zielgerichtetes Marketing, weitergehende Fischverarbei tung in norwegischen Betrieben und bessere Nutzung von Fischnebenprodukten kann die Wertschöpfung in diesem Wirtschaftszweig merkbar gesteigert werden. Norwegen muss sich auf dem Gebiet der Meeresbiotechnologie an der Spitze behaupten können. Leistungsstarke Betriebe in einer vielseitigen Fischereiflotte, in der Aquakultur und in der Fischverarbeitung sind auch entscheidend, um die Besiedlung der langgestreckten Küste Norwegens aufrechtzuerhalten.

Ein wichtiger Wirtschaftszweig

In weiten Teilen der norwegischen Küste sind Fischerei und Aquakultur das Rückgrat der Wirtschaft. Mehr als 21 300 Personen sind in der Fischereiflotte beschäftigt (für 15 300 von ihnen ist die Fischerei einziger oder Haupterwerb). In der Fischverarbeitungsindustrie sind rund 12 500 Menschen tätig, in den Farmen für Fische und Schalentiere ca. 3 700.

Die Fischwirtschaft hat außerdem beträchtliche Sekundärwirkungen, beispielsweise für die Werftindustrie (Schiffbau und Reparaturen), für die Erzeugung von Schiffs- und technologischer Ausrüstung, für die Futterproduktion, die Verpackungsindustrie, das Transportgewerbe, für Forschung und Entwicklung.

1999 wurden knapp 2,6 Millionen Tonnen Fisch zu einem Erstwert (Wert vor Verkauf) von 10 Milliarden Kronen (2,5 Milliarden DM) angelandet. In der Aquakultur wurden im gleichen Jahr 414 000 Tonnen Lachs und 42 000 Tonnen Forelle zu einem Erstwert von 9 Milliarden Kronen umgesetzt. Insgesamt betrugen die Exporteinnahmen aus Fisch und Fischerzeugnissen 30 Milliarden Kronen. Davon erwirtschafteten die Fischfarmer 12,5 Milliarden Kronen. Fisch und Fischerzeugnisse aus Norwegen gehen heute in 170 Länder. In der norwegischen Außenwirtschaft stehen die Lieferungen der Fischbranche an zweiter Stelle hinter dem Erdöl, das mit 38,4 Prozent der Güterausfuhr die Spitze hält. Danach folgen Fischerzeugnisse mit 8,7 Prozent, Naturgas mit 8,5 Prozent und Metalle außer Eisen und Stahl mit 6,9 Prozent.

Norwegische Fischerei im globalen Zusammenhang

Mit einer Fangmenge von 3,4 Millionen Tonnen rangierte Norwegen 1997 an 10. Stelle unter den Fischereinationen der Welt einschließlich Fischaufzucht und Binnenfischerei. Gemessen an der ausgeführten Menge von Fischen und Meeresfrüchten ist das Land dagegen führend. In den Nachkriegsjahren nahmen die Fischereiaktivitäten weltweit zu, und es wurden große Hochseefischereibetriebe gebaut, die neue, bisher nicht genutzte Fischgründe und Fischarten orten konnten. Zu Beginn der 1970er Jahre pendelte sich die Fangmenge auf rund 60 Millionen Tonnen ein. Weil in zahlreichen Fischfanggebieten rücksichtslos überfischt wurde, wurde eine Begrenzung des Fischfangs erforderlich. Ab Mitte der 70er Jahre stieg die Fangmenge erneut an und erreichte 1989 eine Spitze von 100 Millionen Tonnen. Auf diesem Stand, der die Binnenfischerei einschließt, liegt der Fang bis heute. Von 1988 bis 1996 wurde die Erzeugung von Fischen und Schalentieren in Wasserkäfigen weltweit mehr als verdoppelt.

Viele der wichtigsten Fischbestände in den Weltmeeren werden heute voll genutzt oder überfischt. Es gibt zwar auch noch große Fischbestände, die aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen wenig oder gar nicht genutzt werden, aber niemand kann mit Sicherheit etwas über ihre künftige Bedeutung sagen. Deshalb wird in überschaubarer Zukunft der wichtigste Beitrag des marinen Bereichs zur Nahrungsmittelversorgung aus dem weiter expandierenden Aquakulturgewerbe kommen.

Internationale Zusammenarbeit

Norwegen hat mit Wirkung vom 1. Januar 1977 eine 200-Seemeilen-Wirtschaftszone vor der norwegischen Küste und noch im selben Jahr eine 200-Seemeilen-Fischereischutzzone um die Inselgruppe Spitzbergen errichtet. 1980 kam eine 200-Seemeilen-Wirtschaftszone um Jan Mayen hinzu. Mit diesen Maßnahmen hat Norwegen die Kontrolle über große marine Ressourcen bekommen, für deren Verwaltung man nun auch verantwortlich war. Die meisten kommerziell nutzbaren Fischarten sind Bestände, deren Bewirtschaftung Norwegen mit der EU und Russland teilt. Darüber hinaus bestehen zweiseitige Fischereiabkommen mit den Färöern, Island, Grönland und Polen, und die Fangquoten werden jedes Jahr neu verhandelt. Oslo nimmt auch an multilateralen Fischereiverhandlungen über Hering, Makrele und Wittling teil. Die norwegische Delegation besteht dabei aus Vertretern der Regierung, aus Meeresforschern und Vertretern der Fischwirtschaft.

Das Ziel der Verhandlungen ist eine schonende Bewirtschaftung der Ressourcen, die Festsetzung von Gesamtquoten auf wissenschaftlicher Grundlage sowie ein angemessener Ausgleich der gegenseitigen Fischfangrechte in den Fischereizonen. Bei der Festsetzung der Quoten werden die Daten und Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) zu Grunde gelegt. Norwegen ist außerdem in verschiedenen internationalen Verwaltungs organen vertreten, so in der Kommission für die Fischerei im Nordostatlantik (NEAFC) und Nordwestatlantik (NAFO), der Internationalen Walfangkommission (IWC) und der Nordatlantische Kommission für Meeressäugetiere (NAMMCO). Die NEAFC hat sich in jüngster Zeit aktiv für die Regulierung der Bestände in den internationalen Gewässern des nordöstlichen Atlantiks eingesetzt. Ähnlich wirkt die NAFO im nordwestlichen Atlantik.

Fischereiprojekte sind wichtiger Bestandteil der wirtschaftlichen Zusammenarbeit Norwegens mit Entwicklungsländern, und der Fischereisektor nimmt in den norwegischen bilateralen Hilfsprogrammen einen immer höheren Stellenwert ein.

In der Handelspolitik spielt der Fischereisektor eine aktive Rolle, in internationalen Organisationen wie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Welthandelsorganisation (WTO) ebenso wie im direkten Austausch mit einzelnen Ländern oder Gruppen von Ländern wie die EU (durch das EWR-Abkommen), die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) und ähnliches. Internationale Vorarbeiten für gesundheitlich unbedenkliche Nahrungsmittel werden außerdem über das FAO-WHO-Organ Codex Alimentarius koordiniert.

Zur Fischereipolitik gehört auch die Teilnahme an globalen und regionalen marinen Umweltforen, Konventionen und Abkommen, um daran mitzuwirken, dass Prinzipien der nachhaltigen, wissenschaftlich vertretbaren Nutzung von lebenden Meeresressourcen beachtet werden, wenn Maßnahmen zur Erhaltung der Umwelt in die Regimes der marinen Ressourcen eingegliedert werden.

Allseitige Flotte

Norwegen hat eine allseitige und technologisch hochmoderne Fischereiflotte, von Ein-Mann-Fischkuttern bis zu Trawlern und Wadenfischereifahrzeugen. Eine Reihe von ihnen verfügt über Verarbeitungsausrüstung für die Produktion an Bord. 1999 zählte die Flotte insgesamt 13 196 Fischereifahrzeuge, davon 8 459 mit Deck, der Rest offen. Nur ein geringer Teil der registrierten Schiffe wurde ganzjährig zum Fischfang eingesetzt. Von den Schiffen mit Deck waren 381 mehr als 28 Meter lang. Sie fingen 63 Prozent des gesamten Fangwertes. Die 1 244 Fahrzeuge zwischen 13 und 28 Meter lieferten 25,6 Prozent des Fangwertes der norwegischen Fischerei.

Die Fanggeräte der Kabeljaufischerei, die Kabeljau, Seelachs, Schellfisch, Brosme, Lengfisch, Heilbutt und eine Reihe anderer Arten umfaßt, sind Netz, Leine, Angelleine, Drehwade, Wadennetz und Grundschleppnetz. Nach pelagischen Arten wie Hering, Makrele und Lodde wird mit Ringwade gefischt. Industriefisch wie Stintdorsch, Sandaal und Blauer Wittling wird mit Grundschleppnetz gefangen.

Obwohl man sich seit vielen Jahren um die Regulierung des Fischfangs und den Abbau von Überkapazitäten bemüht, sind die Betriebe und die Kapitalinvestitionen im Verhältnis zu den Ressourcen immer noch zu groß. Die Fischer haben Schwierigkeiten, rentabel zu wirtschaften, auch wenn das in jüngster Zeit durch gute Fänge bei verschiedenen Fischarten ausgeglichen werden konnte. Trotzdem müssen auch weiterhin Betriebsaufgabe und Reduzierung des Fangaufwands bei den Hochsee- und Küstenfischereibetrieben gefördert werden. 1994 wurden Einheitsquoten für Grönlandgarnelen und 1996 für Waden- und Kabeljau-Schleppnetzfischereibetriebe der Hochseeflotte eingeführt. Bei Einheitsquoten kann die Fangquote eines Fahrzeugs, das für immer stillgelegt wird, nach gewissen Regeln und für einen begrenzten Zeitraum auf einen anderen Betrieb übertragen oder unter mehrere Betriebe aufgeteilt werden. So soll die Zahl der Betriebe und damit der Druck auf die Ressourcen verringert und die Rentabilität der übrigen Fischereifahrzeuge gesteigert werden, was wiederum die Erneuerung der teilweise veralteten Flotte erleichtern würde. Im Sommer 2000 wurde die Regelungen verlängert und auf Schiffe von mehr als 28 m Länge ausgedehnt.

Seit den 70er Jahren haben die Tätigkeiten in Verbindung mit der Erdölförderung in der norwegischen Wirtschaftszone eine neue Lage für die Fischwirtschaft geschaffen. Ehemals wichtige Fischgründe werden jetzt von der Erdölindustrie genutzt, und Norwegen ist bemüht, ein Rahmenwerk zu schaffen, das es beiden Wirtschaftszweigen ermöglicht, sich Seite an Seite zu entwickeln und nebeneinander zu bestehen.

Umweltfreundliche Aquakultur

In den letzten zwanzig Jahren ist das norwegische Aquakulturgewerbe (Meerfarmen) enorm gewachsen. Es behauptet sich heute als eine zukunftsträchtige Branche, die den internationalen Wettbewerb auf dem Lebensmittelmarkt nicht zu scheuen braucht. Atlantischer Lachs und Meerforelle machen den größten Teil der Produktion aus. Ein neuer Zuchtfisch ist der Eismeersaibling, und Heilbutt-, Katfisch, Kabeljau-, Austern- und Kammmuschelfarmen werden in nicht allzu ferner Zukunft die Produktpalette erweitern. Die vom Fischaufzuchtgewerbe erzeugte Menge ist heute doppelt so groß wie die gesamte Fleischlieferung der norwegischen Landwirtschaft. Längerfristig wird die Aquakultur bei der Nahrungserzeugung eine wesentliche Rolle spielen, vorausgesetzt, sie geschieht auf umweltschonende Weise. Die Fischereiverwaltung ist maßgeblich an der Vorbereitung der zukünftigen Nutzung der küstennahen Gewässer beteiligt, um die verschiedenen Nutzerinteressen in Einklang zu bringen, wobei die Belange der Fischaufzucht, der Küstenfischerei und der gewerblichen Nutzung von Seetang und Braunalge gebührend berücksichtigt werden müssen.

Die Meerwirtschaft als Zweig der Nahrungsmittelerzeugung weist in Bezug auf Umwelt, Ernährung und Futterausnutzung viele Vorteile auf. Bei der Aufzucht von Fischen und Krustentieren ist Norwegen in mehreren Bereichen führend, auch weil das Land von der Natur und der Infrastruktur her besonders gute Voraussetzungen mitbringt.

Viele Gemeinden in den strukturschwachen Küstenregionen sind vom Aquakulturgewerbe abhängig, um die Beschäftigung aufrechtzuerhalten und die Abwanderung zu verhindern. Konsumfischanlagen gibt es an der ganzen Küste von Hvaler im Süden bis Ostfinnmark im Norden. 1998 wurden 1 288 Fischfarmen gezählt. Davon waren 768 Anlagen für die Speisefische Lachs und Meerforelle, 25 waren Laich- und Jungfischanlagen und 162 Betriebe hatten sich auf Meeresfrüchte spezialisiert. Wie der herkömmliche Fischfang kann sich die Fischaufzucht als stabilisierender Faktor der Besiedlungsstruktur der Küste erweisen. Mit Know-how und moderner Technik ist heute ein kontinuierlicher Produktionsprozess möglich, der die natürlichen zyklischen Schwingungen im traditionellen Fischfang abfedert. Um die Erzeugung von Zuchtlachs der Nachfrage anzupassen, hat Norwegen in den letzten Jahren Vorkehrungen zur Begrenzung des Ausstoßes getroffen. U.a. wurden Futterquoten eingeführt. 1997 unterzeichneten Norwegen und die EU ein Lachsabkommen, das Norwegen den Zugang zum europäischen Markt sichert, Mindestpreise festschreibt und eine Höchstgrenze für die jährliche Zuwachsrate der Lachseinfuhr in die EU bestimmt.

Die Aufzucht von Fisch und Schalentieren ist in Norwegen genehmigungspflichtig und an bestimmte Auflagen gebunden. So muss gewährleistet werden, dass die Tätigkeit nicht zur Verbreitung von Fischkrankheiten führt und dass die Anlage nicht in Konflikt mit anderen Interessen im gleichen Gebiet gerät. Auch an der Verbesserung des technischen Standards und der Leitlinien für den Betrieb von Fischfarmen wird ständig gearbeitet. Die einschlägige Kompetenz ist heute hoch, und ein ganzer Katalog von Instrumenten steht zur Verfügung, der sicherstellt, dass Entwicklung und Wachstum des Wirtschaftszweiges nicht auf Kosten der Umwelt gehen.

Industrie und Export

Am norwegischen Binnenmarkt wird jährlich Fisch für 5 - 6 Milliarden Kronen umgesetzt. Der überwiegende Anteil Fisch und Fischprodukte geht jedoch in die Ausfuhr.

Die Europäische Union ist der wichtigste Abnehmer. 60 Prozent des ausgeführten Fisches im Wert von 30 Milliarden Kronen geht an EU-Länder. Die wichtigsten Einzelmärkte sind Japan, Dänemark, Großbritannien und Frankreich. In den letzten paar Jahren war die Entwicklung an verschiedenen Märkten Asiens vielversprechend, und der Fischexport in Länder Osteuropas hat beträchtlich angezogen. In Südamerika ist Brasilien ein großer Klippfischabnehmer, und die Ausfuhr in die USA ist wieder im Aufschwung begriffen. Es gehört zu den vorrangigen Aufgaben des Fischereiministeriums, sich für bessere Marktzugänge einzusetzen.

Der in Tromsø ansässige Norwegische Exportrat für Fisch und Fischprodukte hat Vertreter in den wichtigsten Märkten und koordiniert die Marketingmaßnahmen dieses Wirtschaftszweigs im Ausland. Der Rat nimmt außerdem Verwaltungsaufgaben wahr und berät das Fischereiministerium.

Norwegen führte 1999 Fisch und Fischerzeugnisse wie Fischmehl und -öl für mehr als 5 Milliarden Kronen ein. Ein Teil davon sind direkte Anlandungen ausländischer Fischereifahrzeuge zur Verarbeitung in norwegischen Fabriken. Vorherrschende Arten waren Kabeljau, Makrele und Hering.

Das norwegische Fischereigewerbe besteht aus vielen Kleinen- und mittleren Betrieben, die die Küste säumen. Im Lauf der letzten zwanzig Jahre hat sich die Zahl der Fischfabriken von 860 auf rund 500 verringert. Im Jahr 2000 waren noch 12 Heringsmehl- und Heringsölfabriken in Betrieb. Sie erzeugen hochwertiges Fischmehl, das in den Fischfarmen als Futter verwendet wird. Die nationalen Rahmenbedingungen wie auch der Welthandel haben die Verhältnisse in den Betrieben an Land grundlegend geändert. Es kostete viel Mühe, die Kapazität in der Fischindustrie den rückläufigen Ressourcen anzupassen, die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben zu fördern und eine marktgerechte und rentable Produktion zu erreichen. Der Staat unterstützte die notwendigen Maßnahmen, und vielen Firmen gelang die oft überfällige Modernisierung ihrer Anlagen und die Meisterung der neuen Anforderungen an Qualitätssicherung, Mitarbeiterschulung und zielgerichtetes Marketing mit dem Ergebnis, dass die Fischindustrie heute Erzeugnisse höchster Qualität liefert und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit bei Fischen und Schalentieren immer wieder unter Beweis stellt. Da sie die Erzeugnisse der Fischerei und der Aquakultur verarbeitet, ist sie von größter Bedeutung für die Tätigkeiten, die Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Entwicklung der Küstengebiete.

Forschung

Im Zusammenhang mit Aquakultur, Fischerei, Fang und Biotechnologie wird in Norwegen umfassende und vielseitige Forschung betrieben. Fischerei-forschung ist schon seit Jahren ein im Staatshaushalt vorrangig behandelter Posten. Forschungsbereiche sind unter anderem die natürlichen Ressourcen, die Meeres- und Küstenumwelt, Fischereitechnologie, Aquakultur, Fischfutter, Industrie, Gewerbeentwicklung, Nahrungsmittel und Marktfragen. Jährlich werden insgesamt 700 Millionen Kronen für die Fischereiforschung bewilligt. Stichworte im Zusammenhang mit der Aquakultur sind Ausbrüten und Füttern von Fischbrut, Genetik und die Gesundheit des Fisches. Im Zentrum steht die Biotechnologie.

Teile der öffentlichen Mittel werden vom Norwegischen Forschungsrat vergeben, dem beratenden Organ des Fischereiministeriums in Forschungsfragen.

Das über den Haushalt des Fischereiministeriums finanzierte Institut für Meeresforschung in Bergen nimmt bei Erforschung und Bestandserfassung von Fisch und Meeressäugern, der Erforschung der Meeres- und Küstenumwelt und bei der Arbeit in Zusammenhang mit Aquakultur und traditioneller Fischerei zentrale Aufgaben wahr. Das Institut hat engen Kontakt zu Meereskundlern in anderen Ländern. Ein großer Teil der internationalen Zusammenarbeit findet über den Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) statt. Auch das Norwegische Institut für Fischerei- und Aquakulturforschung in Tromsø forscht in den Bereichen Meerwirtschaft, Biologie, Biotechnologie, Veredlung und Markt.

Das Ernährungswissenschaftliche Institut des Fischereidirektorats in Bergen berät die Fischereibehörden in Ernährungsfragen und Futter für Fischaufzucht und trägt mit Forschung in diesen Bereichen bei. Eine Reihe weiterer Forschungseinrichtungen arbeitet ebenfalls im Bereich Fischerei und Aquakultur. Zu ihnen gehören die Norwegische Fischereihochschule/ Universität Tromsø, die Universitäten in Trondheim, Bergen und Oslo, mehrere Hochschulen und zahlreiche andere Einrichtungen.

Die grundlegenden Voraussetzungen der heutigen Nahrungsmittelausfuhr sind die gesundheitliche Unbedenklichkeit und die Qualität der Lebensmittel. Die norwegische Fischereiverwaltung legt großen Wert auf diesbezügliche vertrauenschaffende Regelungen.

An der Küste gibt es viele weiterführende Schulen, die die Fachrichtung Fischerei, Wal- und Robbenfang, Aquakultur, Fischverarbeitung und Küstenwirtschaft anbieten. Höhere Ausbildung in Fischereiwissenschaft wird an regionalen Hochschulen, maritimen Hochschulen und Universitäten angeboten. Die höhere Fischereiausbildung kann an der Norwegischen Fischereihochschule mit graduiertem Abschluß absolviert werden oder an den vier Universitäten des Landes mit dem höheren Grad "Cand. scient.". Auch an der Norwegischen Wirtschaftshochschule und an der Norwegischen Technischen Hochschule ist die Fischerei Gegenstand von Forschung und Lehre.

Regelung, Überwachung und Kontrolle

Das Fischereidirektorat in Bergen ist das ausübende Organ des Fischereiministeriums in Bezug auf Vorschriften, Anleitung, Überwachung und Kontrolle. Die norwegischen Fischfangquoten werden jährlich zwischen den verschiedenen Fahrzeuggruppen aufgeteilt, und in vielen Fällen erhält jedes Fahrzeug eine Fahrzeugquote für verschiedene Fischarten. In anderen Fällen darf ein Fahrzeug nur eine Höchstmenge innerhalb einer Gruppenquote fischen. Wenn die Quote ausgeschöpft ist, ist der Fischfang beendet. Es gibt technische Vorschriften, um zu verhüten, dass Fische unter Normalgröße gefischt werden, und Rückwürfe von gefangenem Fisch sind verboten.

Einen hohen Stellenwert haben die Kontrollen, die gewährleisten, dass Gesetze und Vorschriften eingehalten werden. Norwegische und ausländische Fischereifahrzeuge unterliegen in allen norwegischen Fischereigewässern einer strengen Aufsicht. Es handelt sich um Untersuchungen auf See und bei der Anlandung des Fangs sowie um die Nachprüfung der technischen Anordnungen, die sicherstellen sollen, dass keine Ware unter Normalgröße gefangen wird. Gleichzeitig werden in Norwegen Fanggeschirre entwickelt, die das Fangen von Jungfischen wirksamer verhindern. Die Küstenwacht ist für die Kontrolle auf See zuständig. In den Kompetenzbereich des Fischereidirektorats fallen Quotenkontrolle und Überwachung. In den letzten Jahren ist viel getan worden, um die Überwachung zu koordinieren und effizienter zu gestalten. Im Frühjahr 2000 führte das Fischereiministerium die satellitengestützte Überwachung alle norwegischen Fisch- und Fangbetriebe mit mehr als 24 m Länge ein.

Bei der Kooperation mit anderen Ländern der nördlichen Region und der Anrainerstaaten der Nordsee geht es Norwegen insbesondere darum, eine Verständigung in Bezug auf einen schonenden Fischfang zu erzielen. Derzeit laufen Abkommen über eine diesbezügliche Zusammenarbeit mit Russland, Irland, Schottland, Dänemark und Island.

Der Fischereiverwaltung obliegt es zu gewährleisten, dass norwegische Fischerzeugnisse sich von der Qualität her am Weltmarkt behaupten. Das Fischereidirektorat ist für die Inspektionen und Überprüfungen im Labor zuständig.

Die Fischereiverwaltung führt die Aufsicht über die Fisch- und Schalentierfarmen und achtet auf die Einhaltung der Vorschriften und Konzessionsbedingungen. Sie arbeitet eng mit verschiedenen Organen auf staatlicher, regionaler und kommunaler Ebene und mit der Polizei zusammen.

Das Fischereiministerium ist auch für die Einhaltung der für den Absatz und die Ausfuhr geltenden Regeln verantwortlich.

Vorräte, die sich selbst erneuern

Das Fundament der Fischereipolitik ist die Erhaltung der Ressourcen, der Grundlage der nachhaltigen und positiven wirtschaftlichen Entwicklung. Die Erhaltung der marinen Umwelt ist der Leitfaden nicht nur der Fischereipolitik Norwegens, sondern auch bei allen Fragen, die mit Fischerei, Wal- und Robbenfang und Aquakultur zu tun haben. Der Mensch darf sich den Überfluss der Natur zunutze machen, das gilt bei Fisch ebenso wie bei Meeressäugetieren wie Robben und Walen. Norwegen vertritt die Ansicht, dass alle Fisch- und Tierarten des Meeres innerhalb ökologisch vertretbarer Grenzen gefangen werden können.

Wenn uns das gelingt, und wenn es gelingt, eine Verschmutzung der Weltmeere zu verhindern, wird das Meer für alle Zeiten eine Speisekammer der Menschheit sein, deren Vorräte nie zu Ende gehen. Eine Fischereination wie Norwegen muss darauf bauen können, dass Schutz und Bewirtschaftung der Meeresressourcen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang stehen.

Der Autor des Artikels, Bjarne Myrstad (52), ist seit 1990 Leiter des Referats für Öffentlichkeitstarbeit im Fischereiminsterium. Vorher war er 20 Jahre Journalist, unter anderem bei der Zeitung Dag og Tid, die er von 1974 bis 1979 als verantwortlicher Redakteur leitete, und von 1983 bis 1990 als Redakteur des Ressorts Fischerei bei der Zeitung Bergens Tidende. 1996 erschien sein Buch "Vestlandsfiske", 1998 "Han Hallstein - storbasen på land" und 2000 das Buch "Utstillingsvindu og møteplass ­ historia om fiskeri- og havbruksmessene i Norge".


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Herausgegeben von Nytt fra Norge für das Kgl. Norwegische Außenministerium. Gedruckt im Oktober 2000. Der Verfasser ist für den Inhalt des Beitrags verantwortlich. Nachdruck gestattet.