Politik für Kinder und Jugendliche, Familien, Gleichstellung und Verbraucher in Norwegen
Soziale Sicherheit und Gleichstellung
Von Ragnhild Samuelsberg
Sicher waren viele der Meinung, dass die weiblichen Gleichstellungsaktivisten in den 1970ern sowohl lautstark als auch fordernd auftraten. Und wenige glaubten damals, dass ihr Einsatz den Boden für große gesellschaftliche Veränderungen in Norwegen vorbereiten würde. Frauen nahmen ihren Platz in der Politik, im Erwerbsleben und in Bildungseinrichtungen ein und setzten wichtige familienpolitische Belange auf die Tagesordnung.
Im Nachhinein ist festzustellen, dass die norwegische Gleichstellungspolitik mit u.a. dem Gesetz über das Recht auf freien Schwangerschaftsabbruch von 1978 und einem neuen Gesetz über Gleichberechtigung von 1979 dazu beigetragen hat, die Formen des Zusammenlebens und das tägliche Leben entscheidend zu verändern. Wichtige familienpolitische Belange wie verstärkte Einrichtung von Kindertagesstätten, erweiterte Freistellungsregelungen bei Geburt und Kinderbetreuung und gleiche Rechte bei Berufsausübung wurden zusammen mit den Rechten der Kinder nachdrücklich in den Mittelpunkt gestellt.
Im Jahr 1991 wurde das Ministerium für Kinder- und Familienangelegenheiten eingerichtet, das für gute Entwicklungs- und Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche , gesicherte finanzielle und soziale Bedingungen für Familien mit Kindern sowie volle Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann sorgen soll. Zusätzlich ist das Ministerium auch verantwortlich für die gesamten Rechtsvorschriften zur Stärkung der Rechte der Verbraucher, deren Interessen und Schutz. Das Ministerium verfügt über umfassende internationale Kontakte und ein großer Teil der Aktivitäten ist deshalb auch auf internationale Zusammenarbeit und Abkommen ausgerichtet.
Eine homogene Gesellschaft in Veränderung
Norwegen ist ein langgestrecktes Land mit einer geringen Bevölkerungsdichte. Ungefähr drei Viertel wohnen derzeit in Städten und größeren Orten. Norwegen hat gegenwärtig 4,5 Millionen Einwohner. Ende 1999 betrug die Anzahl der Einwanderer 282 500 Personen (6,3% der Gesamtbevölkerung). Die Lebenserwartung ist hoch, besonders für Frauen (81,5 Jahre), aber auch für Männer (75,6 Jahre). Sicher wird Norwegen oft als eine homogene Gesellschaft bezeichnet, in der Selbständigkeit und Gleichheit zwischen den Geschlechtern den Grundbass spielen. Manchmal kann dieses Wertsystem mit anderen Normen der Einwandererkulturen in Konflikt geraten. Oft initiieren dann die Medien eine öffentliche Debatte über die Wertkonflikte. Besonders in der letzten Zeit wurde auf mehrere Dinge das Hauptaugenmerk gerichtet, u.a. Zwangsehen und Verstümmelung weiblicher Genitalien. Beides ist in Norwegen verboten, wird aber in einigen Einwandererkreisen praktiziert.
Gleichstellungspolitik
Das Ziel der Gleichstellungspolitik ist die Erreichung gleicher Möglichkeiten, Rechte und Pflichten für Frauen und Männer auf allen gesellschaftlichen Gebieten. Frauen und Männer sollen frei von sexualisierter Gewalt sein und Macht und Einfluss sollen gleich verteilt sein. Daraus folgen gleiche Möglichkeiten für Frauen und Männer für wirtschaftliche Unabhängigkeit und gleiche Bedingungen und Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem geteilte Verantwortung für Heim und Kinder und gleicher Zugang für Mädchen und Jungen, Frauen und Männer zu Bildungsmöglichkeiten.
In Norwegen wurde 1979 eine Stellung als Gleichstellungsbeauftragter eingerichtet, dessen Aufgabe in der Durchführung des Gleichstellungsgesetzes besteht. Einige sind der Meinung, dass Norwegen die volle Gleichstellung erreicht hat, und im politischen Alltag ist die Vertretung der beiden Geschlechter bemerkenswert gut. Aber vieles ist noch zu tun. Beispielsweise sind nur sechs Prozent Frauen in den Vorständen der an der Börse zugelassenen Gesellschaften vertreten und die gleiche enttäuschend niedrige Repräsentation ist bei leitenden Funktionen in der norwegischen Wirtschaft zu finden. Noch immer gibt es eine Lohn- und Gehaltslücke von 20 Prozent zwischen ganztagsbeschäftigten Frauen und Männern. Im Frühjahr 2001 legte die Regierung einen Entwurf für ein neues Gleichstellungsgesetz vor, in dem der Schwerpunkt auf gleichen Lohn, Schutz vor sexuellen Übergriffen und verstärkten Rechtsschutz für Väter beim Erziehungsurlaub gelegt wird.
Mütter von Kleinkindern im Berufsleben
Viele fragen sich, wie in Norwegen die hohe Anzahl von Frauen im Berufsleben bei gleichzeitig hohen Geburtenzahlen möglich ist. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Berufstätigkeit von norwegischen Frauen international einen Spitzenplatz einnimmt. 1999 waren 74 Prozent der Frauen im Alter 15 64 Jahren berufstätig gegenüber nur 53 Prozent in der EU. Einzigartig ist in Norwegen die hohe Berufstätigkeit von Frauen kombiniert mit hoher Fertilität (1,85 Kinder). Die Berufstätigkeit ist auch bei Müttern von Kleinkindern hoch. In den letzten 20 Jahren erhöhte sich der Anteil von verheirateten/in Lebensgemeinschaft lebenden Frauen mit Kindern unter 3 Jahren an den Arbeitnehmern von 46 Prozent 1980 auf 76 Prozent im Jahr 2000. Es zeigt sich auch, dass Frauen mit Kleinkindern am Berufsleben festhalten, 86 Prozent von Frauen mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren sind berufstätig. Für Mütter von Kleinkindern ist es auch immer normaler geworden, eine Ganztagsarbeit auszuüben. Der Trend geht jetzt dahin, dass junge Frauen und Männer viel mehr als bisher die Verantwortung für die Kinderbetreuung teilen möchten.
Erziehungsurlaub auch für Väter
Die norwegische Familienpolitik ist mit der Gleichstellungspolitik eng verbunden und hat das Ziel, dass sowohl Frauen als auch Männer Berufstätigkeit und Kinderbetreuung, auch wenn die Kinder klein sind, miteinander kombinieren können. Aus diesem Grund gibt es den bezahlten Erziehungsurlaub mit einem besonderen Anteil für Väter (vier Wochen sind dem Vater vorbehalten) und selbständigem Recht auf Anrechnungszeiten für Väter. Der Arbeitgeber erhält vom Staat über die Sozialversicherung eine vollständige Entschädigung für den während des Erziehungsurlaubs gezahlten Lohn.
Gegenwärtig beträgt der Erziehungsurlaub ein Jahr mit 80 Prozent Lohn/Gehalt, alternativ 42 Wochen bei vollem Lohn/Gehalt. Der Erziehungsurlaub für Väter hat dazu geführt, dass acht von zehn Vätern beim Kind zu Hause bleiben. Das ist eine außergewöhnliche Erhöhung verglichen mit früher, als nur 4 Prozent der Väter das Recht für sich in Anspruch nahmen, den Erziehungsurlaub zu teilen. Diese Maßnahme hat sich als sehr effektives Mittel erwiesen, die Väter zu veranlassen, die Kinder im jüngsten Alter zu betreuen. Diese auf den Vater abgestimmte Regelung zeigt, dass der Gesetzgeber die Haltung der Menschen beeinflussen kann. Ab dem Jahr 2000 hat der Vater das Recht auf bezahlten Erziehungs- oder Adoptionsurlaub auf der Grundlage eigener Anrechnungszeiten erhalten, vorausgesetzt dass die Mutter nach der Geburt des Kindes arbeitet, eine Ausbildung absolviert oder zu krank für die Betreuung des Kindes ist. Die Eltern können auch unbezahlten Erziehungsurlaub nehmen und haben somit die Möglichkeit, zu Hause beim Kind bis zur Vollendung seines dritten Lebensjahres zu bleiben, ohne vom Berufsleben abgekoppelt zu werden.
Kindertagesstätten
Viele Eltern wünschen sich ein verlässliches und pädagogisches Angebot für ihre Kinder, während sie arbeiten. In Norwegen gibt es Kindertagesstätten, deren Betrieb durch ein entsprechendes Gesetz geregelt ist, das Kindern zwischen einem und fünf Jahren dieses Angebot garantieren soll. Für die Kindertagesstätten gibt es auch einen eigenständigen Rahmenplan, dessen Inhalt auf der nordischen Tradition, Lernen mit Betreuung zu kombinieren, basiert. In den Kindertagesstätten wird die Grundlage für soziales gemeinsames Handeln, Kreativität und Selbständigkeit im frühen Alter gelegt. Auf diese Weise spielt die Kindertagesstätte eine wichtige Rolle für die Entwicklung solcher Eigenschaften bei Kindern, aber auch für die Sicherung einer hohen Berufsausübung und der Gleichberechtigung.
Kindertagesstätten obliegen der Verantwortung der Kommunen und es können sowohl öffentliche als auch private Einrichtungen angeboten werden. Gegenwärtig können nur 61 Prozent der Kinder zwischen 1 5 Jahren einen Platz in einer Kindestagesstätte erhalten, aber das Ziel ist es, allen Familien, die es wünschen, einen ihren Bedürfnissen gut angepassten Betreuungsplatz zu einem angemessenen Preis im Jahr 2003 anbieten zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Regierung unter Führung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg im Jahr 2001 eine gesetzlich verankerte Pflicht der Kommunen vorgeschlagen, Kindertagesstätten zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll der staatliche finanzielle Beitrag erhöht werden, um die Zahlungen durch die Eltern reduzieren zu können. Derzeit werden die Kosten für Kindertagesstätten zwischen Staat, Kommune und Eltern geteilt. Das Storting hat seine Zustimmung zur Kostenverteilung von 50, 30 und 20 Prozent zwischen Staat, Kommune und Eltern bis zum Jahr 2005 gegeben.
Es wird auch diskutiert, ob der norwegische Staat einen maximalen Preis für die Eltern oder ein kostenfreies Kurzzeitangebot für alle gewähren soll. Außerdem setzt man sich für eine Erhöhung der Qualität in den Kindertagesstätten ein, indem sie den Nutzern noch mehr angepasst werden, die Kompetenz des Personals erhöht wird und Kindern mit besonderen Bedürfnissen ein gutes Angebot gemacht werden kann. In den Kindertagesstätten müssen sowohl die Führungskräfte als auch die pädagogischen Leiter ausgebildete Vorschullehrer mit einer dreijährigen Hochschulausbildung sein.
Erziehungsgeld und Kindergeld
Viele Eltern möchten einen Platz in einer Kindertagesstätte haben, aber in einigen Gemeinden ist der Ausbau dieser Einrichtungen nicht ausreichend. Wer keinen Platz in einer Kindertagesstätte bekommt oder ihn auch nicht will, kann ein Erziehungsgeld von max. nkr 3 000 monatlich nach Erreichung des ersten Lebensjahres des Kindes bis zum Alter von drei Jahren erhalten. Verglichen damit beträgt das Kindergeld, eine Zahlung für alle Kinder in Norwegen von der Geburt bis zum Alter von 18 Jahren, ca. nkr 1 000 monatlich unabhängig vom Einkommen der Eltern. Über das von der bürgerlichen Zentrums-Regierung im Jahr 1997 eingeführte Erziehungsgeld gab es politische Uneinigkeit und bis heute ist es Gegenstand von Diskussionen und politischen Verhandlungen. Die Kritik richtet sich hauptsächlich dagegen, dass die Väter nicht mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und dieses Erziehungsgeld dadurch die Gleichberechtigung behindere. Norwegen wendet gegenwärtig fast drei Milliarden für das Erziehungsgeld und 15 Milliarden für das Kindergeld auf. Im Lande leben 1 031 531 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 18 Jahren (1998). Die meisten von ihnen (77 Prozent) wohnen zusammen mit Mutter und Vater. Ungefähr 64 Prozent von ihnen wohnen zusammen mit verheirateten Eltern und 13 Prozent mit Eltern in Lebensgemeinschaft. Ca. 18 Prozent wohnen bei alleinerziehenden Elternteilen.
Lebensgemeinschaft, Ehe und Partnerschaft
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Familienmuster in Norwegen stark verändert. Die ersten Jahrzehnte waren davon geprägt, dass die Ehe eine völlig vorherrschende Stellung einnahm, aber in den 1970ern wurde diese Stellung geschwächt. Am Ende dieses Jahrzehnts tauchte die Bezeichnung Lebensgefährte auf. Die Veränderung des Familienmusters wird an drei speziellen Zügen deutlich: Das Alter bei Eheschließungen liegt höher, mehr Kinder werden unehelich geboren und mehr Partner lassen sich scheiden. Heute werden fast 50 Prozent aller Kinder außerhalb einer Ehe geboren, die allermeisten von ihnen haben Eltern in Lebensgemeinschaft. werden Jährlich werden fast 60 000 Kinder geboren. Im Jahr 1999 erlebten 9 015 Kinder unter 18 Jahren die Scheidung ihrer Eltern.
Eltern, die verheiratet sind oder es waren, haben gemäß dem Gesetz das gemeinsame Sorgerecht. Unverheiratete Eltern müssen das gemeinsame Sorgerecht untereinander regeln. Die Eltern können das Sorgerecht einklagen. In dem so genannten Gesetz über Kinder und Eltern sind Regeln für Mutterschaft, Vaterschaft, Sorgerecht und Unterhalt festgelegt. Die Vaterschaft folgt aus der Ehe oder wird aufgrund von Anerkennung oder durch gerichtliche Feststellung festgelegt.
Noch immer ist die Ehe die am meisten verbreitete Form des Zusammenlebens (850 000 Ehepaare gab es 1998), aber jüngere Menschen entscheiden sich immer öfter für Lebensgemeinschaften (250 000 Paare in Lebensgemeinschaft). In Norwegen können gleichgeschlechtliche Personen ihre Partnerschaft registrieren lassen, woraus gleiche rechtliche Auswirkungen wie Ehe-schließung folgen können, jedoch mit der Ausnahme einer kirchlichen Trauung oder einer Adoption. Die Regierung hat jetzt eine Gesetzesvorlage über Adoption von Stiefkindern vorgelegt, wonach der eine Partner in einer registrierten Partnerschaft das Kind des anderen adoptieren kann. Es liegt auch eine Mitteilung der Regierung an das Storting über die Lebensbedingungen homophiler und lesbischer Personen vor, worin Maßnahmen für aktives Handeln gegen Diskriminierung enthalten sind. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass so viel wie 25 Prozent der jungen Homophilen versucht haben, sich das Leben zu nehmen.
Einflussnahme von Kindern und Jugendlichen auf die Gesellschaft
In Norwegen ist man sich mehr und mehr bewusst über den positiven Beitrag, den Kinder und Jugendliche zur gesellschaftlichen Entwicklung, besonders in der Kommunalpolitik, leisten können. Viele sind oftmals überrascht über die kreativen und vernünftigen Vorschläge von Kindern und Jugendlichen. Das ist nicht zuletzt der Fall, weil die Medien zu einseitig negativer Darstellung der Jugendkultur neigen. In gut der Hälfte der 435 Gemeinden des Landes gibt es eigenständige Kinder- und Jugendräte mit dem Ziel der Einflussnahme und Motivation von Jugendlichen, um Freizeitangebote, den Schulalltag und die nähere Umgebung mitzugestalten. Im Jahr 1999 etablierten staatliche Stellen das "Demokratieforum der Jugend". Seit seiner Gründung hat das Forum eine Reihe von Vorschlägen an zentrale und lokale Behörden weitergegeben, u.a. über Maßnahmen zur erhöhten Teilnahme der Jugendlichen an Wahlen, Quotenregelungen für Jugendliche in kommunalen Räten und Ausschüssen, Schulung von Politikern, Information über Rechte und Pflichten im Erwerbsleben, Maßnahmen zur Verbesserung der Schuldemokratie, Einrichtung von Internetportalen und Jugendvertreter in zentralen Räten und Ausschüssen.
Eine multikulturelle Gesellschaft Einsatz gegen Mobbing und Rassismus
Norwegen ist immer mehr zu einer multikulturellen Gesellschaft geworden. In Oslo gehört fast jeder fünfte Jugendliche einer Minderheit an. Kulturelle Vielfalt wirkt auf die Gesellschaft bereichernd und konsolidierend, stellt aber auch eine Herausforderung an Integration und Aufnahmebereitschaft der Gesellschaft dar. Rassismus und Diskriminierung widersprechen den grundlegenden norwegischen Wertvorstellungen. Im ersten Halbjahr 2002 wird die Regierung einen neuen Handlungsplan gegen Rassismus und Diskriminierung vorlegen. Das Ministerium für Kinder- und Familienangelegenheiten leistet einen finanziellen Beitrag zur "Förderung der Jugend in größeren Stadtgemeinden" zur Verbesserung der Entwicklungs- und Lebensbedingungen der Jugendlichen in diesen Städten im Allgemeinen und zur erhöhten Aufnahmebereitschaft gegenüber den ausländischen Mitbürgern und zum Einsatz gegen Rassismus im Besonderen. Diese Unterstützung umfasst alles von alternativem Unterricht, über Häuser der Jugend bis zu Aktivitäten, die den Jugendlichen bessere Kompetenz und Glauben an sich selbst vermitteln sollen. Mobbing ist ein großes Problem unter Kindern und Jugendlichen unabhängig vom kulturellen Hintergrund. Aus diesem Grund wurden Mittel eigens für die Einführung eines Programms gegen Mobbing in der Grundschule ab dem Jahr 2001 bereitgestellt.
Kinder- und Jugendfürsorge und Maßnahmen gegen schwere Verhaltensauffälligkeiten
Verhaltensstörung ist die am meisten getroffene psychiatrische Diagnose bei Kindern und Jugendlichen in Norwegen. Man rechnet damit, dass ungefähr fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen verhaltensgestört sind. Das Gesetz zum Schutz für Kinder und Jugendliche ermöglicht die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Betreuungs-/Behandlungseinrichtungen aufgrund von schweren Verhaltensauffälligkeiten.
Die Kinder- und Jugendfürsorge hat in den letzten 10 15 Jahren Maßnahmen für eine ständig steigende Anzahl von Kindern und Jugendlichen ergriffen, wie Unterstützung in der Familie (ca. 75% der Betroffenen) oder Unterbringung in Kinder-und Jugendheimen oder Erziehungsheimen (ca. 25 %). Die letztgenannte Maßnahme geschieht in den meisten Fällen unter Zwang. In den 1990ern erhöhte sich die Anzahl der hilfebedürftigen Kinder und Jugendlichen, von 13 000 auf fast 30 000. Die Sachkenner sind sich jedoch einig, dass die Unterbringung in entsprechenden Anstalten den Kindern und Jugendlichen mit schweren Verhaltensstörungen kaum hilft. Aus dieser Erkenntnis heraus hat man in den meisten Landesteilen mit der Behandlung nach der so genannten MST- Methode "Multisystemic Therapy" begonnen. Das ist eine in den USA entwickelte Methode zur Behandlung von besonders verhaltens-auffälligen Jugendlichen.
Die Behandlung konzentriert sich auf die Familie und ihr soziales Umfeld. Das wichtigste Moment ist die Behandlung des Jugendlichen in gewohnter Umgebung, wobei , Familie, Schule, Freunde, Polizei usw. einbezogen werden. Eine entsprechende Methode "Parent Management Treatment" PMT ist für kleinere Kinder mit unterschiedlichen Verhaltensstörungen entwickelt worden.
Die Behandlung umfasst die Schulung der Eltern mit dem Ziel, wirkungsvollere Methoden beim Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern zu benutzen. Bisherige Ergebnisse zeigen, dass beide Methoden effizient sind und unter norwegischen Bedingungen gut funktionieren.
Kinder- und Jugendbeauftragter
Die Einrichtung des Kinder- und Jugendbeauftragten war eine wichtige familienpolitische Maßnahme in Norwegen, die 1981 als erste Stellung dieser Art in der Welt überhaupt etabliert wurde. Der Kinder- und Jugendbeauftragte soll die Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen von 0 bis 17 Jahren verfolgen und für deren Verbesserung sorgen. Im Rahmen dieser Tätigkeit sind alle Gebiete der Gesellschaft zu kontrollieren und den staatlichen Stellen Vorschläge zur Beseitigung von für Kinder und Jugendliche schädlichen Bedingungen zu machen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Kontrolle der Durchführung der Gesetze, die die Interessen der Kinder und Jugendlichen schützen sollen. Sie sind gemäß den Wünschen der norwegischen Öffentlichkeit so zu praktizieren, dass das Land sich als eine "familienpolitisch gut entwickelte Demokratie" darstellen kann. Das wichtigste Tätigkeitsgebiet ist deshalb die Informationsarbeit, die Vorlage gut dokumentierter Vorschläge und Aussagen. Der Kinder- und Jugendbeauftragte soll ein unabhängiger Fürsprecher der Kinder und Jugendlichen in Norwegen sein.
Verbraucherpolitik in Norwegen
Die Verbraucherpolitik hat das Gleichgewicht und gleichwertige Bedingungen zwischen den Interessen der Verbraucher und der Wirtschaft im öffentlichen und privaten Markt herzustellen. Das Hauptziel ist die Bewahrung der Interessen, Rechte und des Schutzes der Verbraucher. Es ist festzustellen, dass die Anbieter über professionelle und gutausgerüstete Akteure verfügen, wodurch ein immer aggressiveres und effizienteres Marketing betrieben wird. Deshalb zielt das verbraucherpolitische Engagement auf eine Stärkung der Stellung der Verbraucher und bessere Information ab.
Die Verbraucherpolitik im Allgemeinen muss als ein die politischen Interessen übergreifender Bereich betrachtet werden, da es hier um die Interessen der Verbraucher innerhalb der Zuständigkeiten zahlreicher Behörden geht. Das Justizministerium ist beispielsweise verantwortlich für das Erwerbs- und Kreditgesetz, das Landwirtschaftsministerium ist für die Ernährungs- und Lebensmittelpolitik verantwortlich. Ein anderes Gebiet umfasst die Wettbewerbs-aufsicht, wobei die Absicherung eines effizienten Einsatzes der gesellschaftlichen Mittel durch wirksamen Wettbewerb im Mittelpunkt steht. Hier spielt die Durchführung des Marketinggesetzes eine wichtige Rolle. Kinder und Jugendliche werden immer stärker kommerziellem Druck ausgesetzt. Diese Gruppe ist leicht zu beeinflussen und es fällt ihr schwer, redaktionelle Berichte und Werbung in den Medien zu unterscheiden. Im Februar 2001 schlug ein von der Regierung eingesetzter Ausschuss u.a. vor, das gesetzliche Verbot gegen Radio- und TV- Werbung ausgerichtet auf Kinder und Jugendliche zu verschärfen, die Schulen zu einem Freiraum ohne Werbung zu machen und Reklame in Schulbüchern und Lehrmitteln zu verbieten. Da Werbung grenzüberschreitend ist, sollte dieses Thema in internationalen Foren auf die Tagesordnung gesetzt werden.
In Norwegen gibt es zwei zentrale Verbraucherinstitutionen. Der Rat für Verbraucherschutz hat direkten Kontakt mit den Verbrauchern, während der Verbraucherbeauftragte gesetzliche Verordnungen, Vertragsbedingungen und Marketing kontrolliert. Die Ziele der Verbraucherpolitik sind die Sicherung der Rechte der Verbraucher,der relevanten und korrekten Information, Beratung der Haushalte bei finanziellen Schwierigkeiten, Vorbeugung von Gesundheitsschäden, Förderung des Bewusstseins für eine nachhaltige Entwicklung und Förderung des Wissens.
Das Ministerium administriert Gesetze und Zuschussregelungen, erarbeitet Pläne, Untersuchungen, Förderungsmaßnahmen, unterstützt Forschung, Entwicklungsarbeit und Information. Die Behörde wird oft Alltagsministerium genannt, weil die Tätigkeitsgebiete den Alltag der meisten Einwohner in Norwegen betreffen. Die Beschlüsse, die gefasst werden, können in der Tat große Bedeutung für den einzelnen Menschen haben.
Ragnhild Samuelsberg leitet die Informationsabteilung des Ministeriums für Kinder- und Familienangelegenheiten
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Herausgegeben von Nytt fra Norge für das Kgl. Norwegische Außenministerium. Der Verfasser ist für den Inhalt des Beitrags verantwortlich. Nachdruck gestattet. Gedruckt im Juni 2001