I. Kgl. H. Prinzessin Märtha Louise
Prinzessin Märtha Louise ist das älteste Kind von König Harald V. und Königin Sonja. Sie wurde am 22. September 1971 geboren, nicht ganz zwei Jahre vor ihrem Bruder Kronprinz Haakon. Seit dem Tag, an dem sie mündig wurde, hat die an Kultur und Sport interessierte Prinzessin die königliche Familie bei verschiedenen Anlässen repräsentiert.
Märtha Louise wurde knapp einen Monat nach ihrer Geburt in der Schlosskapelle getauft. Sie trägt den Namen ihrer Großmutter väterlicherseits, Kronprinzessin Märtha, der Gemahlin von König Olav V., und den ihrer Ururgroßmutter, Königin Louise, der Mutter von König Haakon VII. und Tochter von König Carl XV. von Schweden.
Familienbande
Die norwegische Königsfamilie ist besonders eng mit den Königshäusern Dänemarks, Schwedens und Großbritanniens verbunden. König Haakon VII. war der zweit-älteste Sohn von König Frederik VIII. und Königin Louise von Dänemark. Seine Gemahlin, Königin Maud König Olavs Mutter war die jüngste Tochter von König Eduard VII. und Königin Alexandra von Großbritannien. König Olavs Gemahlin, Kronprinzessin Märtha, war die zweitälteste Tochter des schwedischen Prinzen Carl und seiner Gattin, Prinzessin Ingeborg. Prinzessin Märtha Louises Mutter, Königin Sonja, stammt aus einer Osloer Familie und wurde im Jahr 1968 mit dem damaligen Kronprinzen Harald vermählt.
Auf dem Schlossbalkon
Prinzessin Märtha Louise hatte kaum laufen gelernt, als sie zum ersten Mal am norwegischen Nationalfeiertag, dem 17. Mai, auf dem Schlossbalkon erschien und dem vor dem Palast defilierenden Festzug der Kinder zuwinkte. So wurde die Prinzessin schon früh auf ihre künftigen Aufgaben als Repräsentantin des Königshauses vorbereitet. Von diesem alljährlichen Ereignis abgesehen, waren die Prinzessin und ihr Bruder in ihrer Kindheit vor einem Übermaß an öffentlicher Aufmerksamkeit geschützt. Den Eltern lag daran, die Kinder unter so normalen Verhältnissen wie möglich aufwachsen zu lassen. Vielleicht ist dies einer der Gründe dafür, dass die königliche Familie so beliebt ist.
Bildungsweg
Märtha Louise und Haakon besuchten einen öffentlichen Kindergarten und die kommunale Grundschule. 1990 machte die Prinzessin ihr Abitur am Christlichen Gymnasium in Oslo. Als Fächerschwerpunkt hatte sie Fremdsprachen gewählt. Danach führte sie ihr Weg nach Großbritannien. Am Reitsportzentrum Waterstock konnte sie ihrem Hobby nachgehen, und an der Universität Oxford studierte sie englische Literatur. Kurze Zeit später zog sie in das namhafte Reitsportzentrum Arena UK in Lincolnshire, um sich als Springreiterin zu perfektionieren. Ab Herbst 1992 war sie Schülerin der Osloer Privatschule Bjørknes und machte dann am Hochschulzentrum Bislet, ebenfalls in der norwegi-schen Hauptstadt, eine Ausbildung als Physiotherapeutin. Das Praktikum nach dem Studium leistete sie in Maastricht (Niederlande) ab. Im Dezember 1997 erhielt sie die Zulassung als Physiotherapeutin.
Im Herbst 2000 kehrte die Prinzessin nach Norwegen zurück und nimmt seither in zunehmenden Maße Repräsentationsaufgaben wahr.
Sport
Das Interesse für Sport ist groß in der königlichen Familie. Märtha Louises Großvater, König Olav, war sein Leben lang ein aktiver Segler und ein begeisterter Skiläufer. Als junger Mann nahm er auch am Holmenkollen-Skispringen teil. König Harald ist ebenfalls ein erstklassiger Segler, und Königin Sonja lässt kein Jahr ohne ausgedehnte Skitouren und Wanderungen in den norwegischen Bergen vergehen. Sie ist im Übrigen ausgebildete Skilehrerin.
Das Hauptinteresse der Prinzessin gilt zweifellos dem Reiten. Sie ist eine gute Springreiterin und hat sich in nationalen und internationalen Turnieren hervorgetan. In den zwei Jahren intensiven Trainings in England entwickelte sie sich zu einer hervorragenden Reiterin. Ihr Praktikum in den Niederlanden verband sie mit dem Training an einem Reitsportzentrum bei Maastricht. Seit Herbst 2000 zählt das Springreiten jedoch nicht mehr zu ihren wichtigsten Hobbys.
Musik, Literatur und Tanz
Prinzessin Märtha Louise hat zahlreiche kulturelle Interessen, darunter Musik und Literatur. Sie war aktives Mitglied von zwei Chören und trat bei einem vom Fernsehen übertragenen Konzert ihres ehemaligen Schulchors, den KG-Singers, als Solistin in einem Spiritual auf. Außerdem spielte die Prinzessin an der Musikschule Bærum in einem Quartett Flöte und wirkte mehrere Jahre in einer Volkstanzgruppe des Norwegischen Volksmuseums mit. In Zusammenarbeit mit dem Norwegischen Rundfunk NRK wird in den Jahren 2000 bis 2002 eine größere Zahl von norwegischen Volksmärchen mit der Prinzessin als Erzählerin aufgenommen.
Goodwill-Botschafterin für Flüchtlinge
Prinzessin Märtha Louise nimmt seit ihrer Volljährigkeit regelmäßig Repräsentationsaufgaben wahr. Als Goodwill-Botschafterin des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) besuchte Ihre Königliche Hoheit im April 1992 Flüchtlingslager an der Nordwestküste von Afrika, in den Grenzgebieten zwischen Liberia und der Elfenbeinküste. Sie interessiert sich auch sehr für die Arbeit humanitärer Organisationen und hat an verschiedenen Fernseh-Spendenaktionen teilgenommen. Prinzessin Märtha Louise ist unter anderem Schirmherrin der SOS-Kinderdörfer. In dieser Funktion führte sie im Dezember 1999 eine längere Rundreise durch Südostasien durch. Sie ist allgemein an der zwischenmenschlichen Kommunikation interessiert und hat sich daher Kenntnisse der Gebärdensprache angeeignet. Außerdem setzt die Prinzessin sich für die Opfer von Tortur und deren Rehabilitierung ein. Im Frühjahr 2001 nahm sie an einer vom Hilfswerk der Norwegischen Kirche, der Missionsallianz und der Strømme-Stiftung organisierten Reise durch Peru und Bolivien teil.
Thronfolger ist der Bruder
Mit Vollendung des 18. Lebensjahres war Prinzessin Märtha Louise volljährig. Obwohl sie zwei Jahre vor ihrem Bruder geboren wurde, ist Kronprinz Haakon der gesetzmäßige Kronerbe. Laut Verfassung ist die norwegische Thronfolge linear und war bei der Geburt der Prinzessin auch agnatisch, das heißt, der Thron geht an den ältesten ehelich geborenen Sohn "Mann an Mann". Durch eine Verfassungsänderung wurde jedoch die Gleichberechtigung weiblicher Nachkommen des Königshauses in dieser Beziehung hergestellt. Als Übergangsregelung gilt dies allerdings erst für nach 1990 geborene Kinder. Somit hätte Prinzessin Märtha Louise nur in dem Fall Anspruch auf die Krone, dass ihr Bruder den Thron nicht übernehmen kann oder darauf verzichtet und er zu diesem Zeitpunkt auch keine thronfolgeberechtigten Kinder oder Enkelkinder hat.
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Herausgegeben von Nytt fra Norge für das Kgl. Norwegische Außenministerium .Gedruckt im Mai 2001. Nytt fra Norge ist für den Inhalt des Beitrags verantwortlich. Nachdruck gestattet.