Design und Kunsthandwerk
Leena Mannila
I. Die Formgebung erobert neue Gebiete
Als Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark eine Wanderausstellung zum Thema nordisches Design 1997 1998 veranstalteten, war das eine Begebenheit, die aus mehreren Gründen Beachtung fand. Die Schau mit dem Titel "Design Nordic Way" wurde zuerst in St. Petersburg, danach im schwedischen Kalmar und im "Vestlandske Kunstindustrimuseum" im norwegischen Bergen gezeigt. Die Russen hatten nach St.Petersburg eingeladen, weil sie modernes skandinavisches Design näher kennenlernen wollten. Dieses Interesse konnte nach der Auflösung der Sowjetunion als ein Ausdruck dafür gesehen werden, dass das Land sich wieder auf die alten kulturellen Verbindungen zu Nordeuropa besann.
Die veranstaltenden Länder ihrerseits erhielten die Gelegenheit, sich über den neuesten Stand der Formgebung in Skandinavien zu informieren. Nach den 50er und 60er Jahren, die gern als das "goldene Zeitalter" bezeichnet werden, weil die nördlichen Länder häufig gemeinsam auf internationalen Foren auftraten, wo sie die ganze westliche Welt mit ihren Designprodukten begeisterten, finden gemeinsame nordische Designveranstaltungen nur noch selten statt.
Typisch norwegisch?
Die norwegischen Beiträge zum "Design Nordic Way" wurden von der Stiftung "Norsk Form" ausgewählt, deren Ziel es ist, norwegisches Design bekannt zu machen. Die Stiftung hatte große Mühe, überzeugende Beispiele norwegischer Gestaltungskunst aus den wenigen Jahren, die Gegenstand der Ausstellung waren, zu finden. Als der schwedische Kurator der Ausstellung, Olle Rex, ein für das jeweilige Land typisches Spitzenprodukt bestimmen sollte, fiel seine Wahl bei den Norwegern auf dekorative bunte Kunstfliegen zum Lachsfischen, also ein Gerät für einen Sport, der im Freien ausgeübt wird. Überhaupt dominierten Outdoor-Produkte die norwegische Auswahl: Rucksäcke und Tragegestelle, Skibindungen, Kajaks, Bekleidung für Segelsportler und Offshorearbeiter aus High-Tech-Textilien, Wolldecken und pullover, viel vernünftige Ausstattung für Kinder, ebenfalls für den Aufenthalt im Freien entworfen. Dass sich norwegische Designer hauptsächlich mit der Freizeit ihrer Mitbürger beschäftigen, konnte leicht der Eindruck sein, den der Zuschauer von dieser Ausstellung mit nach Hause nahm. Das entspricht natürlich nicht den Tatsachen. Allerdings waren die Exponate geeignet, den Mythos, dass die Norweger die freie Natur wie kein anderes Volk lieben, zu verstärken. Eine gute Ausrüstung für jede Tätigkeit bei jedem Wetter gilt als typisch norwegisch. Betriebe und Designer richten ihre Arbeit an der Lebensführung ihrer Mitbürger, der Topographie und der geographischen Platzierung des Landes aus, und sie kommen den Bedürfnissen der Leute, die sich in Feld und Wald, in den Bergen oder auf dem Wasser beruflich oder privat bewegen, mit funktionellen und hochwertigen Produkten entgegen. Auch der Schutz von Leben und Gesundheit ist dabei ein wichtiger Aspekt der Designtätigkeit.
So sei unserem schwedischen Kollegen seine frotzelnde Bemerkung zu den norwegischen Leistungen verziehen. Kunstfliegen zum Lachsfischen sind für das norwegische Design der Gegenwart nicht repräsentativ.
Eine Herausforderung: Die Gestaltung des Urbanen
Der größte Teil der Bevölkerung lebt heute zwar in Städten und größeren Ortschaften, aber die Urbanität hat noch keine lange Geschichte in Norwegen. Davon legen die Fertigwarenproduktion und die Gestaltung der öffentlichen Bereiche besonders in den Städten Zeugnis ab. Zwar wurde diesen Sektoren in den letzten 20 bis 25 Jahren zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. Aber nach wie vor liegen die norwegischen Betriebe und Gemeinden hinter ihren skandinavischen Nachbarn zurück, wo es um den Einsatz von Design bei der Entwicklung von Produkten, öffentlichen Bereichen und Dienstleistungen geht. Im Februar 2001 stellte Wirtschaftsministerin Grete Knudsen fest, dass nur 25 % der Betriebe des Landes bewusst auf Design setzen. Das muss erstaunen, wenn man weiß, wie aktiv die Wirtschaft die Anwendung von professionellem Design unterstützt, um wettbewerbsfähiger und rentabler zu werden. An der Spitze dieser Bemühungen steht Norsk Designråd, der Rat für Formgebung, der 1963 vom Rat für Außenwirtschaft und vom Wirtschaftsverband NHO aus der Taufe gehoben wurde. Heute ist der Rat für Formgebung eine Stiftung, die sich durch Zuschüsse des Wirtschafts- und Handelsministeriums, Betriebsberatung und eigene Projekte finanziert. Der Rat will mit Information, Betriebsberatung und Fachseminaren auf Betriebe und öffentliche Organe Einfluss nehmen. Er vergibt Preise und verleiht die Auszeichnung "God Design".
Öffentliches Verkehrswesen
Das öffentliche Verkehrswesen ist ein gut sichtbarer Teil der modernen Designtätigkeit. Als besonders gelungenes Beispiel seien die Wagons der NSB Gardermobahn von 1998 erwähnt. Den Zug gestaltete der Industriedesigner Terje Meyer. Das Dekor an Außen- und Innenwänden stammt aus der Feder der graphischen Designer Enzo Finger und Bruno Oldani. Der Modeschöpfer Per Spook entwarf die Uniformen der Zugbegleiter. Industriedesigner Odd Thorsen formte das Bahnhofsprogramm, zu dem Bänke und Lehnstützen, Reklamegerüste und Abfallbehälter auf den Bahnsteigen sowie die charakteristischen Fahrleitungsmasten an der Einfahrt zur Endhaltestelle Gardermoen gehören. Für das Flughafengebäude (Entwurf der Firma Aviaplan AS, eröffnet 1998) hat der Möbeldesigner Sven Ivar Dysthe die Stühle und Bänke gestaltet. Die Kollektion mit dem Namen "Gardist" wurde bei ForaForm AS hergestellt. Gudbrandsdalens Uldvarefabrik AS lieferte die Möbelstoffe. Das dänische Designbüro Per Mollerud Designlab steht hinter dem Logo und der Beschilderung des Flughafens. Daneben haben zahlreiche Kunsthandwerker und bildende Künstler diesen Knotenpunkt des Luftverkehrs mit viel spannender, architekturbezogener Kunst verschönert. In den Städten gewinnt die Gestaltung der Außenräume an Bedeutung: Beleuchtung, Stra-ßenmöbel, Beschilderung, Steinplatten- und Kopfsteinpflaster und viele Arten von Grünanlagen kommen zum Einsatz, während Farbprogramme und bunte Spotbeleuchtung die Fassaden beleben. In Bars, Cafés, Restaurants und anderen Lokalen werden Interieur und Requisiten häufig gewechselt. Ein markanter Erneuerer der Einrichtung von Bars in Oslo ist der Innenarchitekt Petter Abrahamsen. In den 80er Jahren machte er sich durch seine Ausgestaltung von Bier- und Weinlokalen einen Namen (z. B. Brødrene Berg an der Flanierstraße Karl Johan).
Innenausstattungen
Die umfassenden öffentlichen Bauarbeiten geben den Innenarchitekten, Möbel- und Textildesignern viele Möglichkeiten, Designarbeiten in Sonderanfertigung für spezielle Gebäude und Interieurs zu gestalten. Bei der Fertigstellung jedes neuen Bauabschnitts des Regierungsviertels in der Hauptstadt, bei anderen großen Bauvorhaben wie der Bank von Norwegen und des Gerichtsgebäudes in Oslo konnte das Publikum neue spannende und speziell gefertigte Möbel, Lampen und Sondereinrichtungen bewundern. Führend bei der Gestaltung von Möbelsonderanfertigungen sind die Innenarchitektin Beate Ellingsen und der Möbeldesigner Terje Hope. Die Möbeldesignerin Linda Evensen vom Architektenbüro Snøhetta AS hat mit bemerkenswerten Arbeiten zur Ausstattung der neuen Botschaft Norwegens in Berlin und der Bibliothek in Alexandria beigetragen. Große Erwartungen werden an Snøhetta auch in Verbindung mit der Innenausstattung der neuen Oper in Oslo-Bjørvika gestellt.
Möbel und Ausstattungsstücke, zunächst für bestimmte Bedürfnisse und Gebäude maßgeschneidert, werden manchmal später in das Seriensortiment des Werkes aufgenommen und erleben so eine Verbreitung weit über den Kreis hinaus, für den sie ursprünglich entworfen wurden. Daran ist die Anwendbarkeit der Produkte auch in größeren sozialen Zusammenhängen ablesbar, was die Designtätigkeit zu einem Exponenten von nichts Geringerem als der skandinavischen Demokratie macht: Ein Werk schaffen, das ästhetisch hochwertig und identitätsstiftend ist, um dann im nächsten Zug Allgemeingut zu werden, diese Entwicklung geht mit den besten nordischen Traditionen einher.
Industriedesign
Das Industriedesign hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Die Formgeber von Massenprodukten machen sich in allen erdenklichen Bereichen der modernen Technik geltend: elektronische Geräte, Apparate für medizinische Forschung und Behandlung, Telekommunikation, Musikaufnahmen, Rettungsausrüstung, Schildersysteme und Maschinen. Mit der Plakette "God Design" wurden so verschiedene Gegenstände wie Beleuchtungsarmatur, Skiausrüstung, Schiffe und Schiffsausrüstung, Baumaschinen, Kindersitze für Fahrrad und Auto, Rutschteller, Schutzhelme, Rollstühle, Einkaufskörbe für Lebensmittelläden, Kamine, Zahnbürsten und Nassrasierer ausgezeichnet.
Designstrategie und Firmenprofile
Die Firma Figgjo AS mit Sitz in einer kleinen Ortschaft Südwestnorwegens geht neue Wege um zu überleben. Das Werk stellt Porzellanservice her und setzt dabei ausschließlich auf sogenannte Nischenprodukte. Es beliefert nur professionelle Küchen, also Restaurants, Kantinen und Krankenhäuser, mit Geschirr. Es war eine Anerkennung und ein Ansporn für den Betrieb, als sein junger Designer Johan Werde den Wettbewerb um das neue Tafelgerät für die Kantine des Regierungsviertels gewann. Figgjo baut jetzt ihr Warensortiment in Zusammenarbeit mit dem Gastronomischen Institut und führenden Küchenchefs des Landes aus mit dem Ziel, an die Spitze der Geschirr-lieferanten von Großküchen vorzustoßen und sich dabei als Markennamen zu profilieren.
Grafische Firmenprofile, Designprogramme und handbücher für die verschiedensten Firmen und öffentlichen Einrichtungen sind ein großes Arbeitsgebiet für grafische Designer. Das grafische Design ist seit 15 Jahren eine Wachstumsbranche, die ihre Grenzen noch lange nicht erreicht hat. Im Wettbewerb mit den zunehmenden Informationsmengen wird es immer wichtiger, die richtigen Zielgruppen mit der bildlichen Gestaltung zu erreichen. Die Fähigkeit eines Betriebs, seine Philosophie sichtbar zu machen, ist für seine Mitarbeiter ebenso wichtig wie für die Zielgruppen, denen die Selbstdarstellung der Firma gilt. Überall in der entwickelten Welt ist die Übersetzung von vorgegebenen Informationen in eine Bildsprache ein expandierender Wirtschaftszweig.
Design für den Verbraucher
Design für den privaten Verbrauch ist wohl der Sektor, den die meisten Leute mit Formgebung verbinden. Möbel und anderes Hausgerät für Heim und Wochenendhaus wie Teppiche, Lampen, Textilien, technische Geräte, Küchengeräte und Geschirr sind für das Wohlbefinden und die Meisterung des Alltags wichtig. Nicht geringer ist ihre Bedeutung für die Identität und das Selbstverständnis der Menschen. Das Heim ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Ziele seiner Bewohner und ihres Wunsches, von der Umgebung anerkannt zu werden.
Es ist eine gute Tradition in der norwegischen Möbel-, Textil-, Metall-, Glas- und Porzellanindustrie, den Verbraucherwünschen entgegenzukommen. Aber der Wettbewerb mit der ständig wachsenden Menge eingeführter Waren, die allgemeine Internationalisierung und der von den Medien angeheizte, immer schnellere Trendwechsel stellen die Fertigwarenindustrie vor größere Herausforderungen als je zuvor.
Die Kleidung ist vielleicht der persönlichste Teil der Identität des Menschen und gerade in diesem Bereich gibt es Nischen für die Eigenart des norwegischen Designs, was dessen Schöpfer zu nutzen wissen. Das Geheimnis ihres Erfolgs ist eine gelungene Kombination aus Tradition und Erneuerung. Als neuestes Beispiel sei die Oberbekleidungsfirma Oleana herangezogen. Ihre Designerin Solveig Hisdal wurde im Jahr 2000 mit dem Jacob-Preis geehrt, der höchsten Auszeichnung des Landes für Design, die von Norsk Form vergeben wird. Die Kollektionen des Trikotagen-Warenzeichens Oleana vereinen Kulturerbe und modernes Lebensgefühl und bringen den Traum der Frauen von der Selbstverwirklichung in der Bekleidung zum Ausdruck. Die gewirkten Stücke sind ein Lobgesang auf das Schöne, das artikulierte und ewig Weibliche.
Oleana führt so die Tradition der Norsk Husflid AS weiter, die Ende der 80er Jahre unter der Leitung der Bekleidungskünstlerin Ellinor Flor das norwegische Strickwarendesign erneuerte.
Wenn von Oberbekleidung die Rede ist, muss die kleine Firma Faun AS in Stadsbygd in Mittelnorwegen erwähnt werden, deren Designer Ingrid Becker und Are Mo eine stilsichere Modellsammlung für Damen und Herren entworfen haben, die sie "Kvardagsdrakten" (Alltagskostüm) und "Allværsklær" (Allwetterkleidung) nennen. Das Sortiment vermittelt das ästhetische Erlebnis von reiner Natur und zeitlosem Design.
In Paris hat die norwegische Modeschöpferin Pia Myrvold sich einen Namen mit Kollektionen gemacht, die gern zusammen mit Musik, Szenografie und Schminke präsentiert werden, so dass sich der Sinn aus dem Gesamteindruck der Schau ergibt.
Herausforderungen in der Zukunft
Es gibt Anzeichen dafür, dass die wichtigsten Herausforderungen, denen sich die Designer in Zukunft stellen müssen, nicht von ausländischen Mitbewerbern im Kampf um kulturelle Identität oder um Produktion und Vermarktung von Waren und Dienstleistungen für die Verbraucher im eigenen Land, ausgehen. Jedenfalls werden solche Momente allein nicht die Hauptrolle spielen. Dagegen werden Probleme im Zusammenhang mit dem Klima, der Umwelt und der Bewahrung des Wohlstands von immer größeren Bevölkerungsgruppen in einer globalen Perspektive auch norwegische Designer immer mehr beschäftigen.
II. Weichenstellung für das Kunsthandwerk
Die Gewerkschaft norwegischer Kunsthandwerker begeht dieses Jahr ihr 25jähriges Bestehen mit einer langen Reihe Ausstellungen im ganzen Land. Die Nachfrage nach handgefertigten Erzeugnissen ist in den dynamischen 70er Jahren abgesackt. Die Konjunktur am Kunsthandwerksmarkt befindet sich in einer tiefen Krise. Das überrascht nicht, denn der Markt wird von sehr guten und geschmackvollen massenproduzierten Designprodukten aus allen Ecken der Welt überschwemmt. Die Lehre, dass ein Gegenstand einen besonderen Wert hat, weil die Künstlerin von der Idee bis zum Endprodukt alles selber gemacht hat, ist heute nicht mehr gültig. Die Kunsthandwerker haben sich längst der neuen Entwicklung angepasst. Ein typischer Fall ist Tone Vigeland, die als Schmuckkünstlerin bekannt ist. Sie gestaltet jetzt Skulpturen aus Metall, die neulich vom Museum für Gegenwartskunst eingekauft wurden. Vigeland hat nur ihre Ausdrucksform geändert, die Technik aber weitgehend beibehalten. Nun macht sie reine Kunstwerke ohne jeglichen Gebrauchszweck. Auch eine gegenläufige Entwicklung lässt sich beobachten: Der Maler Kjell Nupen stellt monumentale, dekorierte keramische Vasen für öffentliche Räume her.
Im Zuge des gegenwärtigen Trends zu einem deutlicheren künstlerischen Profil stellen Kunsthandwerker sogenannte "Museumpieces" her also Einzelarbeiten für öffentliche Sammlungen. Installationen sind ein fester Bestandteil der kunsthandwerklichen Jahresausstellungen, allerdings mit der Folge, dass ihr früher treues Publikum mutlos wird. Das stellt die Kunsthandwerker vor die Aufgabe, sich ein neues Publikum für ihre "Showpieces" zu schulen. Sie brillieren mit ihrem technischen Können und probieren ihre Ideen aus. Die Frage ist, ob sie es schaffen ihr künstlerisches Anliegen zu vermitteln. Die Kunsthandwerker geben gerne zu, dass Design, Mode, bildende Kunst und Handwerk wie nie zuvor ineinander übergehen mit der Folge, dass die einzelnen Fachgruppen vor einem Vermittlungsproblem stehen.
Ausschmückung
Die Ausschmückung öffentlicher Gebäude ist ein großes Arbeitsfeld und viele originale Beiträge wurden in den vergangenen Jahren geliefert. Monumentale Porzellanreliefs, verschiedene freihängende Textilien, Bildteppiche und textile Skulpturen, dekorative keramische Bodenfliesen, monumentale Tonkrüge, elegante Toilettensitze und Waschbecken, handgemachte Holzstühle und Wandschränke, Trinkbrunnen, Assemblagen von Gegenständen verschiedener Werkstoffe in Kombination mit Ton und Licht in öffentlichen Räumen geht fast alles.
Metallkunst
Doch wird immer noch viel traditionelles Kunsthandwerk hergestellt. Auf den Fachgebieten Schmuck und Korpus behaupten sich norwegische Kunsthandwerker auch international. Aus dem Experimentieren mit neuen High-Tech-Materialien ist spannende Schmuckkunst hervorgegangen. Eher traditionelle Werkstoffe werden in Kollektionen verwendet, die von Goldschmiedefirmen bestellt werden. An die Schmuckkünstlerin Millie Behrens ging der ehrenvolle Auftrag, für Königin Sonja ein neues Diadem aus Gold, Diamanten und Opalen zu gestalten.
Körperbezogene Kunst
Die Holzschmuckstücke der Jacob-Preisträgerin Liv Blåvarp sind künstlerisches Handwerk vornehmster Art. Als "körperbezogene Kunst" werden ansonsten hauptsächlich einzelne Typen besonders aufwendiger Bekleidungs- und Kopfschmuckstücke bezeichnet. Eva Schjølbergs ultraweibliche Leinen- und Wolltextilien in der japanischen Falt- und Färbetechnik Shibori erhalten auf Ausstellungen begeisterte Kritiken. Einen andersgearteten Eindruck vermittelt die umgeschneiderte Herrenoberbekleidung des Bekleidungskünstlers Svein Ove Kirkhorns, gemeint als Protest und Sabotageakt gegen den traditionellen Herrenanzug. Überhaupt spielen Mode und Kleidungsstücke eine große Rolle bei der jungen Künstlergeneration der Gegenwart, und ihre Schneiderarbeiten geben sich in Form und technischer Ausführung als echte Kunstwerke.
Auseinandersetzung mit dem Material
Traditionell wird Kunsthandwerk als ein Fach aufgefasst, bei dem die Werkstoffe wichtiger als Ideen, Gedanken und Gefühle sind. Die Auseinandersetzung mit dem Material, seine Bearbeitung und Gestaltung machen die Eigenart des Kunsthandwerks aus. Textil, Glas, Keramik, Metall, Holz und Leder sind die gewöhnlichsten Stoffe, aber beim heutigen Zugang an High-Tech-Materialien sind die Möglichkeiten für Anwendungen und Kombinationen unbegrenzt. Design und Mode sind zur Erlebnisbranche geworden, und in diese Richtung bewegt sich auch das Kunsthandwerk. Wo es früher um Verwendungszweck, Charakter und Funktionalität ging, handelt es sich heute um Erlebnisse und Symbolfunktionen. Von der alten Einstellung ist nicht viel übrig geblieben. Darin liegt heute die Herausforderung.
Die Finnin Leena Manilla wohnt in Norwegen, wo sie Artikel über Kunst schreibt und Bücher über Kunst und Design herausgegeben hat, das neueste mit dem Titel "God Form i Norge" von Norsk Form aus dem Jahre 1996.
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Herausgegeben von Nytt fra Norge für das Kgl. Norwegische. Gedruckt im Juli 2001 Die Verfasserin ist für den Inhalt des Beitrags verantwortlich. Nachdruck gestattet.